Schlagwort: Felsformationen

Wanderung im sagenhaft, mystischen Wald von Huelgoat

Heute habe ich eine Wanderung im Wald von Huelgoat gemacht. Hier sollen sich früher Riesen, Feen, König Artus, Wildschweine und natürlich die sagenhaften, für diese Gegend typischen Korrigans getummelt haben. Mir sind heute nur ganz gewöhnliche Menschen, Libellen,  Wasserläufer, Vögel und Drachen begegnet. Aber damit war es auch schon eine schöne Wanderung.

Gleich nachdem man von einem der vielen Parkplätze um den Wald herum, in den Wald eintaucht, zieht einen die mystische Atmosphäre in ihren Bann. Überall von Moos überwucherte Granitblöcke und Baumstämme.  Man hat den Eindruck, dass Riesenkinder hier Murmeln gespielt und diese dann kreuz und quer im Wald verteilt liegen lassen haben.

Die Einheimischen haben verschiedenen markanten Felsformationen oder Orten hier im Wald Namen gegeben. Und zu einigen gibt es (meist dramatische) Legenden.

Le Champignon
La Roche tremblante, der zitternden Fels. Angeblich soll man diesen 7m langen, 137 Tonnen schweren Felsbrocken zum zittern bringen können,  wenn man an der richtigen Stelle drückt.  Ich habe noch von keinem gehört,  der es geschafft hat.
Ménage de la vierge, manche sehen in diesen Felsbrocken Küchenutensilien, die die Jungfrau in ihrem Spülbecken  durcheinandergeworfen hat. Eine andere Darstellung besagt, es sei das erste Haus der Jungfrau Maria mit Bett, Kessel, Kochutensilien und der Wiege Jesu.
Ich habe wohl so lange staunend dagestanden, dass dieser nette Kerl mich für einen Baum gehalten hat, denn er kam ganz nahe heran und hat mich dabei nur neugierig beäugt
Hier soll Artus mit seinen Rittern eine Nacht verbrachthaben. An Artus Heerlager hat meine Wanderung mich leider nicht mehr vorbeigeführt
Zwischen der Höhle Arturs und der Badestelle der Wildschweine wird ein hübscher Ort von 16 Drachen bewacht. Da der Mensch die Drachen aus ihrem Lebensraum vertrieben hat, weil sie zu groß,  zu gefährlich, zu gefräßig,… waren, leben hier heute nur noch ganz kleine Drachen (https://www.dragonshuelgoat.com/)
Mare aux Sangliers (Wildschweinbadestelle mit Miniwasserfall)
Le Gouffre (Der Abrund) hier soll die lasterhafte Prinzessin Dahut ihre Liebhaber in die Schlucht gestürzt haben, um sich ihrer zu entledigen. Zur Strafe wurde sie in eine Meerjungfrau verwandelt und in stürmischen Nächten hört man sie laut jammern. Über eine Treppe kommt man vorbei an einem ca. 10m hohen Wasserfall zu einer Art Grotte.
Hier sollen die Feen nachts herkommen,  um sich ihre goldenen Haare zu waschen/kämmen. Tags sollen sie sich als Hexen in Huelgoat verstecken.  Wehe dem, der ihnen über den Weg läuft. Den verfluchen sie.
Sainte-Yves in Huelgoat, als ich da war alles andere als ein Ort der Stille. Eine Wagenladung NRWler war in Huelgoat angekommen und hat mich von da an lautstark „verfolgt“
Am schönen See von Huelgoat habe ich mir meinen ersten Crêpes mit blé noir, Käse und Ei (traditionelles bretonisches Gericht) gegönnt
Moulin de Chaos, Mühle mit bewegter Geschichte und daneben das Felsenchaos

Ursprünglich fürstlicher Besitz, hat zwischenzeitlich einer Minengesellschafft gehört,  war eine Konservenfabrik, Stromerzeuger, Touristinfo, Wohnung und beherbergt seit 2018 Kunstwerke. Früher hatte sie zwei Mühlräder, die jeweils einen Mahlstein antrieben. Heute hat sie nur noch eins.

Auch zum Felsenchaos neben der Mühle gibt es eine Legende. Ein Riese soll aus Wut darüber, dass man ihm hier nur Buchweizengrütze zum Essen angeboten hat, in einem anderen Ort gegangen sein und alle Felsen, die er unterwegs gefunden hat, hierher geworfen haben.

Grotte des Teufels

Der Fluss fließt nicht nur um das Felschaos herum, sondern teilweise auch durch Hohlräume unter den Felsen. Zu einem dieser Hohlräume kann man über steile Stufen und schlüpfrige Felsen hinunterklettern, nachdem man sich zuvor durch einige enge Felsspalten gezwängt hat. Unten in der Grotte ist es feucht, dunkel und vor allem laut! Mit einem Höllengetöse stürzt der Fluss über einem die Felsen hinab.

Auch wenn dieser mystische Ort wunderschön ist,  war ich doch sehr froh, wieder am Auto zu sein und mich hinlegen zu können. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, ich schaffe den Weg nicht. Aber aufgeben mitten im Wald war keine Option. Selbst wenn ich gewollt hätte. Wie bzw. wohin hätte ich denn ein Taxi bestellen sollen ;-). Ich habe dann viele Mikropausen gemacht und wieder einmal die Zeitlupentechnik angewandt. Das sieht zwar offensichtlich komisch aus, so wie die anderen schauen, aber es hilft. Ich muss dabei wohl so lost ausgesehen haben,  dass ein älterer Herr mich angesprochen hat, ob ich mich verlaufen hätte.

Ich merke,  wie im Verlauf der Reise trotz aller Begeisterung,  die Kraft und Energie immer mehr schwindet und sich die Symptome etwas verstärken.  Insbesondere Konzentrations- und Koordinationsstörungen haben in den letzten Tagen häufiger zu Missgeschicken und kleineren Blessuren geführt. Zwischendurch „lähmen“ mich auch immer wieder diese „Corona-Kopfschmerzen“, wie ich sie nenne. Daher werde ich es in den nächsten Tagen versuchen ruhiger anzugehen. Obwohl ich eigentlich noch so viel sehen will.

Heute Abend wollte ich eigentlich gerne wieder am Meer, genaugenommen an der Rosa Granitküste sein. Insbesondere im Abendlicht, hätte ich mir das schön vorgestellt. Aber es gibt da nicht wirklich geeignete Parkplätze. Der erste, den ich angefahren habe, war dann auch tatsächlich für Campingfahrzeuge jeglicher Art,  inkl. PKW nachts untersagt. Ein Anwohner hat mich auch gewarnt. Da ich bei meinen Reisevorbereitungen gelesen habe, dass das Verbot zum Campen/Übernachten an der Küste zunimmt und auch kontrolliert und mit teils hohen Bußgeldern geahndet wird, wollte ich kein Risiko eingehen. Ich bin dann wieder ein Stück ins Landesinnere gefahren,  wo ich einen Wohnmobilstellplatz gefunden hatte, an dem man offiziell eine Nacht bleiben darf. Hier stehe ich nun mit meinem Yoggi zwischen knapp 20 mehr oder weniger großen Campingfahrzeugen. Ein paar der anderen Camper haben mich bei der Ankunft etwas missbilligend angeschaut, aber ich habe ganz schnell campermäßig  das Solarpanel und den Campingstuhl aufgebaut. Dann habe ich meinen Körper mit einem schönen gemischten Salat und leckerem Maisbrot für seine Leistung belohnt und den Rest des Abends mit Blogschreiben verbracht. Gegen 21 Uhr bin ich ins Auto geflüchtet,  denn sobald die Sonne langsam verschwindet, wird es nicht nur kühler, sondern dank der hohen Luftfeuchte auch klamm. Und jetzt ist es auch schon langsam wieder Zeit fürs Bett.

Wieder powerless….

Nachdem sich gestern schon abgezeichnet hat, dass  die Powerstation nicht mehr länger als einen Tag durchhalten würde und das Wetter weiter schlecht bleibt,  habe ich mir für heute doch wieder einen Campingplatz gesucht. Da ich dieses Mal nur eine Nacht bleiben will, um die Powerstation zu laden und was sonst noch an Geräten Strom benötigt, sollte es aber nicht zu teuer sein. Nachdem das mit dem Freistehen in Frankreich so gut geht und die Versorgung mit öffentlichen Toiletten in der Regel auch ziemlich gut ist, sind mir 25-30 € nur für einen Schlafplatz mit Strom und Dusche auf Dauer etwas zu teuer und ich wollte ja auch möglichst einfach und ungeplant reisen. Daher habe ich mir einen Bauernhof mit Campingplatz ausgesucht. Tatsächlich hat es mich heute dann schon etwas gestresst bis spätestens 18:30 Uhr einchecken zu müssen.  Vor Ort hat sich dann herausgestellt,  dass das völlig unnötig war. Ich weiß nicht,  warum dieses knappe Zeitfenster (2,5h) angegeben wurde. Der Campingplatz ist „selbstorganisiert“. Der Empfang war gar nicht besetzt. Die Bezahlung erfolgt per Reisescheck oder Bargeld in den Briefkasten. Man kann mal schauen,  ob man den Bauern auf seinen Feldern findet, um Bescheid zu geben,  dass man da ist. Aber wenn man ihn nicht trifft, stört das wohl auch keinen. Meine Einweisung habe ich von anderen Campern bekommen,  die ich zufällig angetroffen habe. Lustiges Konzept.  Ansonsten ist es nicht viel anders als beim Freistehen. Ich bekomme eben zusätzlich Strom, eine Möglichkeit zu duschen und habe heute mal meine beiden Trekking-Hosen auswaschen können. Ich hoffe, die trocknen bis morgen. Die Einrichtungen sind offen und sehr rustikal. Die Dusche hat keinen Temperaturregler, die sogenannte Gemeinschaftsküche ist ein Raum mit zwei selbstgezimmerten Arbeitsplatten ein paar Regalen und einem Kühlschrank, in den ich aber nicht geschaut habe. Es gibt einen einfachen Aufenthaltsraum mit Spielen und Büchern, so dass Mikrocamper, Wanderer und Radfahrer auch bei Dauerregen eine Möglichkeit hätten sich aufzuhalten. Außerdem wenig überraschend auf einem Bauernhof: Unmengen Fliegen.

Alles ein wenig rustikal

Die Plätze sind durch Hecken oder hohes Gras abgetrennte Parzellen in einer großen Wiese. Man stellt sich einfach hin, wo es einem gefällt. Sie sind leider alles andere als eben und ich habe den Eindruck,  die mit Strom sind schiefer als die ohne. Aber ich habe den Yoggi dennoch gut positionieren können. Nach einem kurzen Schauer,  konnte ich heute auch wieder draußen  kochen. Aber die Luftfeuchte, v. a. am Abend ist immens hoch. Die Sachen, die ich zum trocknen rausgehängt habe, waren innerhalb kürzester Zeit feuchter als davor. Jetzt hoffe ich auf Wind und Sonne am Morgen.

Aber friedlich in der Natur
Auch aus der Ferne ist das Meer (Bucht von Morlaix) schön

Doch nun zum heutigen Tag…

Da ich wieder erst gegen morgen eingeschlafen bin und der heutige Tag mit schlechtem Wetter angekündigt war, habe ich lange ausgeschlafen, bis ich mit Lüften,  frühstücken und Co. fertig war, war es bereits kurz nach zwölf, als ich mich auf den Weg Richtung Roscoff machte. Unterwegs wollte ich beim Leuchtturm Pontusval etwas nordwestlich von Menez Ham, bei der Allée Couvert von Guirnivit (eine steinzeitl. Grabstätte) und beim Menhir de Cam-Louis – beides in der Umgbung von Plouescat – Zwischenstopps einlegen.

Leuchtturm Pontusval eingebettet in Granitfelsblöcke
Neben diesen riesigen Geanitfelsen wirkt der Yoggi winzig

Die Allée Couvert von Guirnivit trotzt schon seit tausenden von Jahren den Gezeiten. Bei Ebbe ist sie komplett zugänglich. Ich hatte Glück zur richtigen Zeit da zu sein. Aber vorsichtig, der nasse Sand ist stellenweise sehr glitschig. Als die Menschen diese Grabstätte errichteten, war die Küste noch viel weiter weg und das Wasser hat sie natürlich nicht jeden Tag übererspült. Heutzutage ist sie bei Flut teilweise mit Wasser bedeckt.

Allée Couvert von Guirnivit

Oberhalb der Allée Couvert von Guirnivit gibt es auf einem Hügelchen wieder tolle Granitfelsen. Man sollte sich aber auf den Wegen halten, um sie sich anzusehen. Ich habe es nicht getan und bin deshalb wie Alice im Wunderland in einen Kaninchenbau gestürzt. Zum Glück habe ich mich nicht verletzt,  aber ordentlich schmutzig bin ich geworden,  als ich bis zum Oberschenkel in dem Loch steckte

Allée Couvert von Guirnivit
Wieder ein vergessen wirkendes Boot

Nur wenige Kilometer entfernt, direkt am Strand steht der Menhir de Cam-Louis. Ein sehr schönes Exemplar. Er ist mindestens 4-5 Mann hoch. Um ihn herum liegen in einem Kreis kleinere Steine. Ich weiß allerdings nicht, ob die da schon immer so angeordnet lagen oder aus  neuerer Zeit stammen. Unweit davon liegen aber noch einige etwas größere Brocken fast geradlinig in einer Reihe im hohengras versteckt. Es ist ein sehr friedlicher Ort,  der auf mich sehr beruhigend wirkte.

Menhir de Cam-Louis

Und auch der Strand dort ist sehr schön. Mich haben neben  den Wellen und Felsen heute v. a. die Farben fasziniert.

Man möchte in dieses Häuschen auf den Klippen glatt einziehen
Auf einem Hügel über dem alten Hafen thront die Kapelle Sainte-Barbe.

Als ich in Roscoff ankam,  war ich schon ziemlich erschöpft. Vom Parkplatz an der Kapelle Sainte-Barbe, bin ich daher nur zur Kapelle und am Hafen vorbei kurz durch die Altstadt gelaufen. Die Kapelle dient noch heute mit ihrem leuchtenden Weiß den Seeleuten als Landmarke. Von der Kapelle aus hat man in die eine Richtung einen herrlichen Blick auf den alten Hafen und die sich daran anschließende Altstadt von Roscoff, die vom schönen Renaissance-Turm der Kirche „Notre-Dame-de-Kroaz-Baz“ überragt wird und in die andere auf eine kleinevorgelagerte Insel mit den Resten eines Forts. Auch hier hatte Vauban wieder seine Finger im Spiel,  allerdings stand das Fort schon vor seiner Zeit. Er hat die Befestigung von Roscoff, das immer wieder von den Briten angegriffen wurde mit Kanonen bestücken lassen.

Blick auf alten Hafen und Altstadt von Roscoff
Fort von Roscoff
Altstadt von Roscoff mit der Kirche Notre-Dame-de-Kroaz-Baz und ihren Gassen
Älteste Straße von Roscoff

Die Keller waren früher zur Straße offen. Die Händler nutzten die Keller als Lager und es war wichtig für sie, jederzeit schnell an ihre Waren zu kommen.  Deshalb hat jedes Haus hier so einen Keller.  Da es öfter zu Unfällen kam, weil Menschen in die Keller stürzten,  gab es irgendwann eine Verordnung,  dass die Kellereingänge verschlossen/bedeckt werden müssen. Die Fassaden/Giebel sind oft reich verziert.  Ein Anzeichen dafür,  dass hier früher reiche Händler und Kaufleute gelebt haben.

Ein langer Tag

Heute habe ich nach einem langen Tag mit vielen Eindrücken erst um 23:00 Uhr ein Plätzchen zum Schlafen gefunden.  Da ich noch etwas essen muss und das Auto für die Nacht herrichten,  werde ich heute nicht mehr schreiben.

Nach einer warmen Nacht im Auto hole ich nun den Bericht nach.

Auf dem Parkplatz am Pointe de Chèvre war am Morgen schon viel los. Fast minütlich kamen Autos, die Wanderer ausspuckten. Eine Sitzgelegenheit gab es auch nicht und campieren war verboten,  was bei 24h-Parkerlaubnis bedeutet, dass man zwar übernachten, aber nichts (Stühle,  Tische, Markisen etc.) Auspacken darf. Daher bin ich nach einer kurzen Morgentoilette aufgebrochen. Ich wollte eine Wanderung von einem nahegelegenen Dorf zur Pointe de Dinan machen. Das zu finden war gar nicht so leicht. Ich weiß nicht,  ob es an den vielen Militäreinrichtungen in der Umgebung oder daran liegt, dass es am Ende der Welt (die Region heißt nicht umsonst Finistière) ist, aber beide Navis waren wieder völlig überfordert. Ich sollte mehrmals in Wiesen oder auf Privatgrundstücke abbiegen oder stand plötzlich am Ende einer Straße. Ich habe es dann mit Karte und gelegentlichen Stopps geschafft nach über einer halben Stunde für eigentlich nur etwas mehr als 5km, an meinem Startpunkt anzukommen. Nicht von einem der offiziellen Parkplätze nahe der Pointe zu starten hatte auch den Vorteil,  wenig Menschen zu begegnen. Abgesehen von der wunderbaren, relativ unberührten Natur wurde ich mit großartigen Ausblicken belohnt.

Kleine versteckte Bucht auf dem Weg zur Pointe de Dinan
Schroffe, zerklüftete Klippen
Nicht authentisch,  aber trotzdem hübsch, Fund an einem der Kiesstrände
Blick Richtung Pointe de Dinan und Pen Hir
Mein erster „Bogen“ in der Bretagne,  Pointe Dinan

Auch hier sind die Klippen durchzogen von Hohlräumen.

Weitere Höhlen und Bögen an der Pointe de Dinan
Wenn man ganz still ist, kommen einem die Möwen nahe, auch wenn man nichts zu essen hat
Blick Richtung Pen Hir
Weiterer Bogen an der Pointe Dinan

Auf dem Rückweg habe ich in einer der versteckten Buchten mein mitgebrachtes „Frühstück“ (nach 13 Uhr) verzehrt, bevor ich mich an den letzten steilen Anstieg gemachthabe. In dieser Umgebung schmeckt das einfachste Essen und altbackenste Brot noch köstlich. So schön die Klippen und versteckten Buchten auch sind, wenn man an ihnen entlangwandert, geht es immer wieder steil bergauf und -ab. Außerdem ist gutes Schuhwerk unverzichtbar und auch ohne Wanderstöcke hätte ich es wohl kaum geschafft. Der Küstenwanderweg, der sich auf rund 2000km an der bretonischen Küste entlangschlängelt ist auf jeden Fall sehr schön.  Vielleicht kann ich irgendwann mehr als 3-4 km davon gehen. Es erinnert mich an ein sehr gutes Buch, das ich vor ein paar Jahren gelesen habe und sehr empfehlen kann: der Salzpfad von Raynor Winn. Ein Biographischer Bericht einer Frau, die aus einer Notssituation (unverschuldete Obdachlosigkeit) heraus mit ihrem schwerkranken Mann den South West Coast Path in England wandert. Eigentlich ist das Buch sogar ein gutes Beispiel dafür,  dass man vieles schaffen und überleben kann, wenn man muss und will, auch wenn einem der Körper sagt, dass er das eigentlich nicht kann.

Nach einem Zwischenstopp in Crozon, um Brot und frisches Obst und Gemüse zu besorgen, fuhr ich weiter nach Camaret-sur-Mer. Den geplanten Ausflug zum Pen Hir habe ich ausgelassen, weil die kleine Wanderung am Morgen, mich mehr angestrengt hatte als erwartet. Da wollte ich mir keine weitere Wanderung inmitten von Touristenströmen zumuten. Von der Pointe Dinan aus hatte ich gesehen,  wieviele Menschen dort waren. Entgegen meiner Erwartungen hat mich Camartet dann auch mit einigen interessanten Entdeckungen überrascht. Auch hier wieder karibisches Feeling. Schneeweißer Sandstrand mit türkisfarbenem Waser, mittlerweile brannte auch die Sonne bei rund 23°. Ein paar Mutige waren sogar im Wasser. Ich war sehr in Versuchung, die Schuhe auszuziehen und durch die Wellen zu laufen, aber der Gedanke, dann am Abend mit sandigen Füßen ins Bett zu müssen,  hat mich abgehalten. Hätte ich da schon gewusst,  dass ich noch in Camaret-sur-Mer die Möglichkeit finden würde,  sowohl die Füße als auch den Rest gründlich zu waschen,  hätte ich es getan. Sandige Füße habe ich bei der Spurensuche am Fossilienstrand von Camaret-sur-Mer nämlich trotz Socken und Schuhen ohnehin bekommen.

Strand von Camaret-sur-Mer
Leuchtturm von Camaret-sur-Mer

Geplant war, mir „schnell“ den Vauban Turm anzusehen. Quasi Pflichtprogramm, wenn man in einer Stadt lebt, die diesem Man einen ganzen Stadtteil gewidmet hat.  Für die, denn der Name genausowenig sagt wie mir bevor ich nach Freiburg zog: Vauban war ein französischer General, Festungsbaumeister Ludwigs XIV. und Marschall von Frankreich.

Er hat zahlreiche Festungen gebaut und erfolgreiche Schlachten für Frankreich geschlagen. Unter anderem hat er in Camaret-sur-Mer einen britischen Angriff erfolgreich verhindert. Auf dem Weg zum Turm entdeckte ich einen kleinen Schiffsfriedhof. Er ist direkt bei der Chapelle Notre Dame de Rocamadour und dem Vauban Turm. Die Dichte an Sehenswürdigkeiten lockt auch viele Künstler an, wodurch auch als ich da war überall dazwischen Menschen mit Blöcken und Stiften saßen und malen. Ein Anblick, den man in der Bretagne häufig findet.

Schiffsfriedhof in Camaret-sur-Mer

Die Kapelle wurde zwischen 1610 und 1648 gebaut. Woher der Name stammt ist nicht ganz klar. Eine mögliche Erklärung ist eine Ableitung aus dem keltischen von  Roc’h = Fels und Dour =Wasser. Der Glockenturm wurde am 30. Juni 1694 bei einem Angriff durch britische Soldaten, die Brest einnehmen wollten, beschädigt und seither nicht wieder instandgesetzt.

Vauban-Turm und an der gegenüberliegenden Landzunge modernere Festungsanlagen / Bunker

Nach nur 3-minütiger Fahrt kam ich zu den Menhiren von Lagartjar. Ich war überrascht,  dass dieses Menhirfeld quasi noch mitten im Ort ist. Es ist ein beeindruckender Ort mit toller Atmosphäre. Man kann hier auch wundebar meditatieren, wenn man sich nicht an den anderen Touristen stört. Aber ich habe auch den ein oder anderen entdeckt, der die Steine in gespannter Erwartung angefasst hat. Soweit ich es gesehen habe, ist aber keiner durch ein magisches Portal (Outlander-Fans wissen wovon ich rede) verschwunden ;-). Ursprünglich waren hier bei einer Erfassung im Jahr  1776 600 Menhire gestanden. Als der Ort zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Denkmalschutz gestellt wurde, waren es nur noch 100. Sie werden auf die Zeit um 2500 v. Chr. datiert.

Menhirfeld von Lagartjar

Direkt daneben findet man die Ruine des Herrenhauses von von Pierre Paul Roux de Magnifique, einem französischen Dichter, der das majestätische Herrenhaus 1905 auf der Klippe von Pen Hat baute. Von seinen 4 Rundtürmen aus, hatte er einen großartigen Ausblick in alle 4 Himmelsrichtungen.

1940 wurde das Haus von der Wehrmacht besetzt, viele der Schriften des Dichters vernichtet, die Gouvernante ermordet und der Dichter und seine Tochter verletzt. Weil die Wehrmacht das Haus besetzt hatte, wurde es mehrfach bombardiert und brannte schließlich aus. Ein trauriges, wenn auch pitoresques Mahnmal. Der Dichter soll sich von den Ereignissen um die Besetzung seines Hauses nicht mehr erholt haben und bald darauf gestorben sein.

Von Camaret-sur-Mer ging es nach einer weiteren abenteuerlichen Fahrt zum Schiffsfriedhof von Rostellec. Dort liegen zahlreiche (über 20) Schiffe in unterschiedlichem Verfallsstadium, die dort gestrandet sind. Darunter grosse Schiffe bis zu 20 m Länge. Der Ort ist eng verbunden mit dem Schiffsbauer Auguste Tertu, der hier in den 70er Jahren über 1000 Schiffe entworfen hat. Das Gelände gehört noch heute seinen Nachfahren. Darüber hinaus ist es ein Ort der Erinnerung für viele Seefahrer. Ich war am Abend gegen 20 Uhr dort und  da mittlerweile die Sonne schien, war ideales Licht zum Fotografieren und ich war über 1 Stunde da und bin zwischen den Skeletten der ehemals majestätischen Boote und noch jüngerer Wracks herumspaziert. Hin- und hergerissen zwischen „ist das Kunst oder kann das weg?“ Auch wenn es ein faszinierender Ort ist, liegt da doch jede Menge „Müll“ in der Natur. Da gerade Ebbe, wenn auch nicht Niedrigwasser war, kam ich überall gut ran. Allerdings war es auch ziemlich modderig und neben dem typischen Schlickgeruch gab es auch unendlich viele Mücken. Vor lauter Begeisterung habe ich das gar nicht so bemerkt, aber später im Bett, konnte ich kaum einschlafen,  weil die vielen Stiche so juckten. Leider konnte ich von den beiden großen Schiffen Averse und  Ondée, zwei Wassertankern, die in den 1980er Jahren zur Versorgung der Inseln des Iroise-Meeres (Molène, Sein) und der Île Longue dienten, keine Spur finden. Nur ein weiteres Militärgelände. Wäre ich Flacherdler würde ich einen Zusammenhang zur Unzuverlässigkeit meiner Navis sehen, oder Rosellec ist so etwas wie Bielefeld in Deutschland 😉

Unterwegs kam ich später noch an dem kleineren Schiffsfriedhof in le Fret vorbei.

Ich hatte eigentlich geplant, die Nacht auf dem Parkplatz bei der Touristeninformationen in Landévennec zu verbringen, aber der Parkplatz war mir dann doch zu schräg und hat sich irgendwie nicht so gut angefühlt. So bin ich nach einer weiteren halben Stunde Fahrt gegen 23 Uhr auf einem Parkplatz bei der Chapelle de Lanvoy gelandet. Unterwegs hatte ich einen prächtigen Sonnenuntergang und hier spiegelte sich der große,  rötliche Mond traumhaft im Wasser. Das erschienen mir gute Zeichen und ich hätte zu der Zeit auch einfach nicht mehr weiterfahren können.

Ich glaube, ich habe heute so ziemlich alle möglichen Aspekte der Crozon-Halbinsel in einen Tag gepackt erlebt.