Nachdem sich gestern schon abgezeichnet hat, dass die Powerstation nicht mehr länger als einen Tag durchhalten würde und das Wetter weiter schlecht bleibt, habe ich mir für heute doch wieder einen Campingplatz gesucht. Da ich dieses Mal nur eine Nacht bleiben will, um die Powerstation zu laden und was sonst noch an Geräten Strom benötigt, sollte es aber nicht zu teuer sein. Nachdem das mit dem Freistehen in Frankreich so gut geht und die Versorgung mit öffentlichen Toiletten in der Regel auch ziemlich gut ist, sind mir 25-30 € nur für einen Schlafplatz mit Strom und Dusche auf Dauer etwas zu teuer und ich wollte ja auch möglichst einfach und ungeplant reisen. Daher habe ich mir einen Bauernhof mit Campingplatz ausgesucht. Tatsächlich hat es mich heute dann schon etwas gestresst bis spätestens 18:30 Uhr einchecken zu müssen. Vor Ort hat sich dann herausgestellt, dass das völlig unnötig war. Ich weiß nicht, warum dieses knappe Zeitfenster (2,5h) angegeben wurde. Der Campingplatz ist „selbstorganisiert“. Der Empfang war gar nicht besetzt. Die Bezahlung erfolgt per Reisescheck oder Bargeld in den Briefkasten. Man kann mal schauen, ob man den Bauern auf seinen Feldern findet, um Bescheid zu geben, dass man da ist. Aber wenn man ihn nicht trifft, stört das wohl auch keinen. Meine Einweisung habe ich von anderen Campern bekommen, die ich zufällig angetroffen habe. Lustiges Konzept. Ansonsten ist es nicht viel anders als beim Freistehen. Ich bekomme eben zusätzlich Strom, eine Möglichkeit zu duschen und habe heute mal meine beiden Trekking-Hosen auswaschen können. Ich hoffe, die trocknen bis morgen. Die Einrichtungen sind offen und sehr rustikal. Die Dusche hat keinen Temperaturregler, die sogenannte Gemeinschaftsküche ist ein Raum mit zwei selbstgezimmerten Arbeitsplatten ein paar Regalen und einem Kühlschrank, in den ich aber nicht geschaut habe. Es gibt einen einfachen Aufenthaltsraum mit Spielen und Büchern, so dass Mikrocamper, Wanderer und Radfahrer auch bei Dauerregen eine Möglichkeit hätten sich aufzuhalten. Außerdem wenig überraschend auf einem Bauernhof: Unmengen Fliegen.

Die Plätze sind durch Hecken oder hohes Gras abgetrennte Parzellen in einer großen Wiese. Man stellt sich einfach hin, wo es einem gefällt. Sie sind leider alles andere als eben und ich habe den Eindruck, die mit Strom sind schiefer als die ohne. Aber ich habe den Yoggi dennoch gut positionieren können. Nach einem kurzen Schauer, konnte ich heute auch wieder draußen kochen. Aber die Luftfeuchte, v. a. am Abend ist immens hoch. Die Sachen, die ich zum trocknen rausgehängt habe, waren innerhalb kürzester Zeit feuchter als davor. Jetzt hoffe ich auf Wind und Sonne am Morgen.


Doch nun zum heutigen Tag…
Da ich wieder erst gegen morgen eingeschlafen bin und der heutige Tag mit schlechtem Wetter angekündigt war, habe ich lange ausgeschlafen, bis ich mit Lüften, frühstücken und Co. fertig war, war es bereits kurz nach zwölf, als ich mich auf den Weg Richtung Roscoff machte. Unterwegs wollte ich beim Leuchtturm Pontusval etwas nordwestlich von Menez Ham, bei der Allée Couvert von Guirnivit (eine steinzeitl. Grabstätte) und beim Menhir de Cam-Louis – beides in der Umgbung von Plouescat – Zwischenstopps einlegen.


Die Allée Couvert von Guirnivit trotzt schon seit tausenden von Jahren den Gezeiten. Bei Ebbe ist sie komplett zugänglich. Ich hatte Glück zur richtigen Zeit da zu sein. Aber vorsichtig, der nasse Sand ist stellenweise sehr glitschig. Als die Menschen diese Grabstätte errichteten, war die Küste noch viel weiter weg und das Wasser hat sie natürlich nicht jeden Tag übererspült. Heutzutage ist sie bei Flut teilweise mit Wasser bedeckt.

Oberhalb der Allée Couvert von Guirnivit gibt es auf einem Hügelchen wieder tolle Granitfelsen. Man sollte sich aber auf den Wegen halten, um sie sich anzusehen. Ich habe es nicht getan und bin deshalb wie Alice im Wunderland in einen Kaninchenbau gestürzt. Zum Glück habe ich mich nicht verletzt, aber ordentlich schmutzig bin ich geworden, als ich bis zum Oberschenkel in dem Loch steckte


Nur wenige Kilometer entfernt, direkt am Strand steht der Menhir de Cam-Louis. Ein sehr schönes Exemplar. Er ist mindestens 4-5 Mann hoch. Um ihn herum liegen in einem Kreis kleinere Steine. Ich weiß allerdings nicht, ob die da schon immer so angeordnet lagen oder aus neuerer Zeit stammen. Unweit davon liegen aber noch einige etwas größere Brocken fast geradlinig in einer Reihe im hohengras versteckt. Es ist ein sehr friedlicher Ort, der auf mich sehr beruhigend wirkte.

Und auch der Strand dort ist sehr schön. Mich haben neben den Wellen und Felsen heute v. a. die Farben fasziniert.



Als ich in Roscoff ankam, war ich schon ziemlich erschöpft. Vom Parkplatz an der Kapelle Sainte-Barbe, bin ich daher nur zur Kapelle und am Hafen vorbei kurz durch die Altstadt gelaufen. Die Kapelle dient noch heute mit ihrem leuchtenden Weiß den Seeleuten als Landmarke. Von der Kapelle aus hat man in die eine Richtung einen herrlichen Blick auf den alten Hafen und die sich daran anschließende Altstadt von Roscoff, die vom schönen Renaissance-Turm der Kirche „Notre-Dame-de-Kroaz-Baz“ überragt wird und in die andere auf eine kleinevorgelagerte Insel mit den Resten eines Forts. Auch hier hatte Vauban wieder seine Finger im Spiel, allerdings stand das Fort schon vor seiner Zeit. Er hat die Befestigung von Roscoff, das immer wieder von den Briten angegriffen wurde mit Kanonen bestücken lassen.





Die Keller waren früher zur Straße offen. Die Händler nutzten die Keller als Lager und es war wichtig für sie, jederzeit schnell an ihre Waren zu kommen. Deshalb hat jedes Haus hier so einen Keller. Da es öfter zu Unfällen kam, weil Menschen in die Keller stürzten, gab es irgendwann eine Verordnung, dass die Kellereingänge verschlossen/bedeckt werden müssen. Die Fassaden/Giebel sind oft reich verziert. Ein Anzeichen dafür, dass hier früher reiche Händler und Kaufleute gelebt haben.
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