Schlagwort: Altstadt

Gestern haben wir es wieder ruhiger angehen lassen. Ich habe den Innenraum des Yoggis und ein paar Reiseutensilien etwas geputzt und danach sind wir nach Erquy zum Eisessen gefahren. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz haben wir einen Schlenker über einen der dortigen Strände gemacht.

Strand nahe Cap d’Erquy
Blick zum Cap d’Erquy

Im Anschluss haben wir einen kleinen Hafenbummel gemacht. Als wir ankamen, brannte die Sonne, aber nach einiger Zeit zog es ganz plötzlich zu. Wir haben es gerade noch zum Auto geschafft. Auf dem Heimweg fing es schon an zu regnen.

La Sainte-Jeanne – Boot für traditionelle Segelausflüge
Phare d’Erquy
Fischereihafen
Blick vom Hafen auf Erquy

Zuhause haben wir uns über die Austern hergemacht. Ich habe aber nur eine herunterbekommen und dann hat mein Vegetarierherz die Oberhand übernommen und meinem Magen gesagt, dass er keine weitere annehmen soll. Aber im Öffnen der Austern war ich für einen Anfänger recht gut.

Am späteren Abend hat es aufgehört zu regnen und wir sind zum Strand gegangen, um den Überresten der Austern eine würdige Seebestattung zukommen zu lassen. Da es kurz vor Sonnenuntergang war, sind wir schnell noch auf die Klippe gelaufen und wurden mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt.

Heute waren wir wieder richtig unterwegs. Ursprünglich hatten wir geplant Saint-Malo und Dinan an einem Tag zu erkunden. Aber uns wurde schnell klar, dass es in beiden Städten so viel Interessantes gibt, dass wir uns für eine entscheiden müssen. Da in Dinan noch mehr mittelalterliche Bauten erhalten sind und heute Markttag war, sind wir dorthin gefahren. Saint-Malo wurde im 2. Weltkrieg fast vollständig zerbombt. Es wurde zwar wohl sehr hübsch wieder aufgebaut, soll aber auch im Vergleich zu Dinan sehr touristisch sein. Für uns waren es in Dinan schon mehr als genug Touristen. Dinan ist die am besten erhaltene historische bretonische Stadt. Und das Städtchen ist so schön und vielfältig,  dass man auch locker zwei Tage dort verbringen können hätte. Bereits auf dem kurzen Weg vom Parkplatz zum Markt sind uns einige sehr schöne alte Fachwerkhäuser aufgefallen.  Der Markt hatte zwar relativ wenig an Fisch, Meeresfrüchten und Schalentieren, aber dafür alles andere, was man sich vorstellen kann, zu bieten. Von Klassikern wie Obst,  Gemüse,  Brot, Molkerei- und Fleischereiprodukten über Schmuck, Messer, bis zu Schuhen und Kleidung war alles dabei.

Mit unserer Beute (verschiedene Nuss und Trockenfruchtprodukte und ein Brot) im Gepäck ging es dann zum Hafen. Dabei passierten wir das Chateau de Dinan – eine Festungsburg aus dem 14. Jahrhundert. Um sie zu besichtigen, hatten wir schon nicht genug Zeit (und Energie).

Zum Hafen ging es ziemlich weit und steil bergab. Da Dinan etwas weiter im Landesinnern an der Rance liegt, ist der Hafen relativ klein. Neben ein paar Elektrobooten, die man stundenweise mieten kann, gibt es einige kleinere Yachten und als wir dort waren ankerten 2 Ausflugsschiffe. Aber das 250m lange und 40m hohe Viadukt (Bauzeit 1846-1852) und die kleine alte Brücke davor, sind sehr hübsch. Auch die alten Fachwerkhäuser entlang des Hafens sind schöne Fotomotive.

Vom Hafen geht es über eine kleine, gepflasterte Straße steil hinauf zur noch fast vollständig erhaltenen Stadtmauer. Die Stadtmauer ist begehbar und man soll von dort eine gute Aussicht haben. Die Rue de Petit Fort ist eine der ältesten Straßen Dinans und verbindet den Hafen bzw. die Unterstadt mit der Oberstadt.

Wenn man die 40 Höhenmeter überwunden hat,  betritt man durch die die Porte du Jerzual die Oberstadt. Leider war diese gerade wegen Renovierungsmaßnahmen fast vollständig eingerüstet. Das Bild des historischen Stadtzentrums wird dominiert von alten Fachwerkhäusern (teils aus dem 12./13. Jahrhundert) und pittoresken Gassen.

Eines der drei ältesten Häuser in Dinan

Sehenswert ist auch die Basilika Saint-Saveur. Neben dem prunkvollen Hauptaltar gibt es viele kleinere Altäre in Seitenkapellen. Die Erbauer haben nicht nur architektonisch eine Meisterleistung vollbracht, sondern auch künstlerisch.  Überall an den Säulen und den Spitzen der Kreuzrippengewölbe kann man wunderschöne Steinmetzarbeiten bewundern. Und auch in dieser Kirche gibt es wieder schön gestaltete, farbenprächtige Buntglasfenster. Leider war der Handyakku leer, so dass ich nur mit der Kamera fotografieren konnte und noch keine Bilder für den Blog habe.

Um die Kirche Saint-Malo zu besichtigen,  hat uns leider auch die Zeit gefehlt. Aber wir konnten vom Dach des Tour de l’Horloge einen Blick darauf werfen. Wenn sie innen nur halb so schön ist, wie von außen, dann ist sie sicher auch sehr sehenswert.

Der Tour de l’Horloge ist ein 43m hoher Uhrenturm aus dem 15. Jahrhundert. In seinem Inneren kann man in einem Raum im Erdgeschoss noch das ursprüngliche Uhrwerk von 1498 bewundern. Wenn man die 158 Stufen zum Glockenturm bewältigt hat, bietet sich einem ein grandioses Panorama über die Altstadt und weit darüber hinaus.  Den Aufstieg kann man in mehrere Etappen unterteilen,  denn auf den verschiedenen Ebenen kann man sich mittels Informationstafeln über die gesellschaftliche Entwicklung und den Turm informieren.

Tour de l’Horloge
Blick vom Tour de l’Horloge
Uhrwerk von Hamzer, 1498

Markttag in Paimpol

Nach einer relativ kurzen Nacht,  bin ich um halb sieben aufgestanden. Ich habe mein geräumiges und sauberes „Badezimmer“ am Parkplatz genossen und dann mit der aufgehenden Sonne einen Spaziergang durchs Dorf gemacht.  Zum Frühstück bin ich zu einem Picknickplatz auf halber Strecke nach Paimpol gefahren. Mittlerweile war es leider ziemlich zugezogen und entsprechend kühl. Als ich fertig und gerade dabei war, heißes Wasser für den Abwasch zu richten, kam ein Bauer mit seinem Traktor aufs benachbarte Feld gefahren. Er wirkte besorgt und fragte, ob ich mit Frühstück gerade anfange oder schon fertig sei. Als ich sagte, ich sei fertig, war er etwas erleichtert,  er wollte nämlich Gülle fahren und das wäre beim Frühstück ja doch sehr unangenehm. Ich sagte, das sei kein Problem.  Er hat dann trotzdem  gewartet bis ich fast alles im Auto verstaut hatte  und in der entferntesten Ecke des Feldes begonnen. Die Menschen sind hier wirklich so nett und hilfsbereit. Später am Tag hatte ich ein ähnliches Erlebnis mit dem Mitarbeiter der Kirche in Paimpol, der ruhig gewartet hat mit abschließen,  bis ich meine Meditation beendet und noch ein paar Fotos gemacht hatte. Erst dann ist mir aufgefallen, dass er da wohl schon die ganze Zeit mit Motorradhelm auf dem Kopf gewartet hat. Als ich mich schuldbewusst rausgeschlichen habe, hat er mich freundlich angelächelt und mir einen schönen Tag gewünscht.  Ansonsten war mir Paimpol zu voll und zu hektisch. Denn heute war Markttag. Und was für ein Markt! Da gab es wirklich alles und er war groß.  Das erklärte die Menschenmassen. Er erstreckte sich über sämtliche Plätze der Altstadt und die meisten Straßen. Leider war dadurch kaum etwas von den Häusern aus dem  überwiegend 15. Und 16. Jahrhundert zu sehen. Daher bin ich irgendwann auch in die Kirche geflüchtet, um meinem überreizten Nervensystem Ruhe zu gönnen.

Notre-Dame-de-Bonne-Nouvelle
Turm der alten Kirche, mehr steht von ihr nicht mehr
Turm der alten Kirche, die helle Fläche am Boden zeigt den Grundriss der ehemaligen Kirche.
La Sainte-Vierge
Impressionen aus dem Quartier Latin
Jézéquel-Haus, beherbergt seit 1886 ein Haushaltswarengeschäft, ist als Historisches Monument klassifiziert

Nach so viel Trubel stand mir der Sinn nach Natur und Ruhe. Ich bin zur nahegelegenen Abbey Beauport gefahren,  einer Abtei aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist zwar – wie viele öffentliche Einrichtumgen – über Mittag einige Stunden geschlossen,  aber das gab mir Gelegenheit, durchzuatmen.

Sie steht seit 1862 unter Denkmalschutz.

Ein Großteil ist Ruine. Neben der Möglichkeit besichtigt zu werden, finden dort regelmäßig Theateraufführungen, Kulturveranstaltungen und Ausstellungen statt. Sie liegt direkt am Ortsrand und ist von 3 Seiten eingebettet in ein schönes Naturschutzgebiet.

Dort habe ich einen Spaziergang gemacht. Mittlerweile brannte die Sonne bei knapp über 20° mit all ihrer Kraft und ich war froh, dass ich am Vormittag die lange Wanderhose und das schwarze T-Shirt gegen ein leichtes Sommerkleid getauscht hatte. Da der eigentliche Rundweg komplett in der Sonne lag, habe ich einen Abstecher zu einem kleinen Wasserfall und einem Aussichtspunkt auf die Abtei im angrenzenden Wäldchen gemacht. Es gab zwar nicht wirklich Sicht auf die Abtei,  weil die Bäume seit Erstellung der Karten massiv gewachsen sein müssen,  aber die Aussicht war trotzdem schön.

La Petit Cascade
Aussichtspunkt,  hinter den Bäumen ist die Abtei
Sicht vom Aussichtspunkt
Sicht vom Aussichtspunkt

Deshalb habe ich dort eine kleine Mittagspause gemacht und mir überlegt,  wie mein Trip weitergehen kann. Die zunehmende Fatigue mit all ihren Begleiterscheinungen hat mir ein bisschen einen Strich durch die Planung gemacht. Ich habe dann entschieden Richtung Fougères zu fahren.  Dort gibt es die größte mittelalterliche Burg Europas. Das war eigentlich ein Punkt, den ich nur bei übriger Zeit machen wollte. Normalerweise hätte jetzt noch ein Abstecher in die Normandie auf dem Programm gestanden. Aber bei meinem Zustand erspare ich mir das. So wie ich die letzte 2 Tage gestaltet habe, komme ich gerade so hin. Außerdem wurden kurz vor meiner Abfahrt die Klippen in Étretat gesperrt,  weil sich immer wieder Touristen zu waghalsig benommen haben und es zu einigen teils tödlichen Unfällen gekommen ist. Außerdem haben die Besucherströme zu zuviel zerstörter Natur und verstärkter Erosion geführt. Daher kann ich das Vorgehen der Stadt verstehen,  auch wenn ich es schade finde.

Nach langer, abenteuerlichen Fahrt (offline-Navi  und viele gesperrte Straßen in ländlichen Gegenden sind eine üble Kombination), bin ich gegen 19 Uhr an meinem heutigen Übernachtungsplatz im Landesinneren angekommen. Ein kleiner Parkplatz am Rande eines Fischweihers mit Picknickbänken, Grill, Spielplatz und Toilette und der Einladung,  sich hier zu erholen. Das sollte man annehmen.

Übernachten am Fischweiher

Deshalb mache ich mir jetzt schnell was zum Abendessen und dann erhole ich mich 🙂

Das mobile Datennetz ist hier wieder etwas schwachbrüstig. Es gibt Probleme beim Upload. Ich hoffe, der Rest klappt morgen.

Hier am Teich gab es einen schönen Sonnenuntergang. Die letzten anderen,  die hier geangelt und gegrillt haben sind weg. Nur Fische, Vögel, Kühe,  Frösche und Insekten außer mir da. Leider haben sie den Ort nicht so verlassen,  wie man es tun sollte. Erst haben sie ewig den Motor laufen lassen,  dann haben sie Waschbecken und Toilette eingesaut und ihre Kohle und Zigarettenkippen neben mein Auto gekippt. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Gemeinden solche Plätze nicht mehr pflegen oder allgemein zugänglich machen wollen.

Gerade noch in der Nachbarschaft entdeckt
Abendstimmung überm Teich
Abendstimmung überm Teich

Etwas ruhiger

Die beschauliche Rosa Granitküste mit ihrem großen Naturschutzgebiet um Ploumanac’h und die umliegenden Orte lädt dazu ein, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Heute morgen beim Frühstück hat mir meine Nachbarin noch ein paar Tips gegeben. Jetzt steht der Yoggi auf einem kostenlosen Parkplatz nahe des Forums in Trégastel und ich mache einen Rundgang über/ um die Halbinsel Île Renote. Puffins sind – glaube ich – das einzige, was mir jetzt noch fehlt. Aber auch hier kann ich keine finden. Vermutlich sind die alle schon in Schottland zum brüten,  denn dort habe ich vor einem Jahr um diese Zeit einige gesehen. Dabei fällt mir etwas ein, was ich glaube ich bei meinem Eintrag zur Iroise-See vergessen hatte. Und falls nicht, doppelt hält besser. Die Robben, die ich dort bei meiner Bootstour gesehen habe,  sind tatsächlich dieselben  wie in Schottland. Die werden getracked und dabei hat man herausgefunden dass es dieselbe Kolonie ist,  die man auch in Schottland beobachten kann. Ein weiterer Fakt zur Iroisesee, den ich vielleicht vergessen habe. Dort gibt es die höchste Leuchtturmdichte der Welt.

Doch zurück zur Île Renote. Zu Beginn meines Spaziergangs bin ich abseits des eigentlichen Weges am Strand entlang durchs Wasser gewatet und habe meine Füße von Wasser, Sand und feinen roten Kieseln umspülen lassen, das war eine Mischung aus angenehm kühl, Fußpflege und Akkupressur. Und das ganz kostenlos.

Die rosa Granitfelsen sind faszinierend. Leider ist es sehr bewölkt,  so dass man ihre Farbe auf Bildern nicht richtig einfangen kann. Ihre Formen verführen dazu, die verschiedensten Tiere und Formen un ihnen zu sehen. So sind mir heute schon einige „gestrandet, versteinerte“ Wale, Schweine,  Schildkröten und ein Ufo begegnet.

Ufo?
Umkleidekabinen am Strand in Trégastel, wie im Film
Wasserspaziergang am Strand der Île Renote
Rosa Granit mit Phare des Sept Îles im Hintergrund
Zurückhaltend bettelnde Möwe mit Phare de Mean Ruz (Ploumanac’h) im Hintergrud
Felslabyrinth mit altem Kiefernbestand auf der windabgewandten Seite der Insel

Am Nachmittag habe ich einen Spaziergang um die Landspitze von Ploumanac’h gemacht. Dabei hat mich die Sonne dermaßen überrascht,  dass mir erst nach der Hälfte des Weges einfiel,  dass es gut wäre,  sich einzucremen. Da war es schon ein bißchen spät dafür.  Aber das schlimmste konnte ich noch verhindern. Do viel Sonne war ich gar nicht mehr gewohnt. Außerdem war mir viel zu warm. Und das bei 19°. Wie soll ich das nur zuhause in unserer „Toskana des Nordens“ aushalten? Durch die Sonne kam auch die Farbe des Granits besser zur Geltung… und ich bin nach wie vor fasziniert von den Formen der Felsen. Die Farbenspiele waren wieder herrlich.

Hier waren aber auch schon wieder so viele Menschen unterwegs (Nebensaison, Wochentag), dass ich mir gar nicht vorstellen mag, wie es dort in 4 Wochen zugehen wird. So war trotz Naturschutzgebiet nichts mit Vogelbeobachtung oder -Fotografie. Lediglich ein paar Kaulquappen konnte ich in einem Miniteich auf einem der Felsen in der Nähe des Leuchtturms entdecken. Außer mir haben die aber niemanden interessiert. Hoffentlich wird es nicht so heiß,  dass dieses winzige Gewässer austrocknet.

Rote Granitfelsen in überwiegend grüner Heidelandschaft und tiefblaues Meer
So grün und bunt… kaum zu glauben,  dass hier vor knapp 30 Jahren alles eine wüste Einöde war. Erst durch das Unterschutzstellen, entstand diese üppige Vegetation
Hübsche Häuser auf der Landspitze
Teufelskapelle und Phare de Mean Ruz, dieses Mal aus der Nähe

Am Abend wollte ich mir noch „schnell“ Tréguier anschauen. Aber mit schnell war da nichts. Es gab so viel zu sehen und zu bestaunen. Beinahe hätte ich Tréguier ausgelassen.  Ich bin so froh, dass ich es nicht getan und stattdessen Perros-Guirec übersprungen habe. Tréguier hat nicht nur eine großartige Basilika,  sondern ein wunderschönes historisches Zentrum mit schönen Gassen und alten Häusern. Leider konnte ich mich auf die Schnelle nicht mehr zu allen Gebäuden informieren. Vieles stammt aus dem 16. Jahrhundert,  aber ich vermute,  dass die Fachwerkhäuser älter sind.

Museum
Hôtel de la Tour, vom ehemaligen Bischofssitz ist nur noch der Torbogen erhalten, der Rest des Gebäudes wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Der ursprüngliche Bischofssitz fiel 1594 dem Krieg zum Opfer
Haus des Herzogs Johann V, genannt „der Weise“. Er verweilte hier, während seiner Zeit in Tréguier und war ein treuer Anhänger des Hl. Yves

Und natürlich die Basilika St-Tugdual. Sie ist so riesig,  dass sie nie ganz aufs Bild passte ;-). Sie stammt überwiegend aus dem 16. Jahrhundert. Ihre Geschichte geht auf eine Klostergründung im 6. Jahrhundert durch den Hl. Tugdual zurück. Es war das erste Kloster in dieser noch heidnischen Region nachdem die Bretonen hier gelandet waren. Vom ersten steinernen Kathedralenbau aus dem 11. und 12. Jahrhundert steht nur noch der quadratische Turm des nördlichen Querhauses (romanisch). Ab 1339 bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts entstand die heutige Kathedrale (gotisch).

Da ich erst nach 18 Uhr in Tréguier ankam, ging ich davon aus, dass sie schon geschlossen sein würde und ich sie nur von außen besichtigen konnte. Aber sie war noch offen. Ich habe mich sehr beeilt, alles schnell anzuschauen,  damit ich nicht schon wieder in einer Kirche eingeschlossen werde. Es gibt 3 Portalvorhallen, durch die man die Kathedrale betreten kann. Im Innern beeindruckt das Kreuzrippengewölbe, das auf ca. 2m dicken Säulen ruht, ebenso wie die vielen Kunstwerke. Es gibt Statuen, Gemälde,  Holzschnitzereien, und Steinmetzarbeiten zu bewundern. Mehrere Altäre im Hauptschiff und einigen Nebenkapellen und ein wunderbar gearbeitetes Chorgestühl runden das Bild ab

Einen guten Schlafplatz habe ich heute beim ersten Versuch nur 10 Minuten von Tréguier entfernt gefunden.  Das war auch gut so, denn auch wenn es mir heute einen Tick besser ging (ich bin auch ohne Stöcke kein einziges Mal gestolpert und hatte kaum Schmerzen), war ich sehr erschöpft. Es ist ein kleiner Parkplatz in einem hübschen Dorf, den ich mir mit einem jungen Paar im Van teile. Er liegt direkt am Wasset, hat 2 Picmocktische und mehrere einzelne Bänke auf der Wiese am Ufer. Ich betrachtete beim Abendessen die untergehende Sonne und hatte nette Begegnungen mit Einheimischen und Hunden. Nur Netz gibt es hier kaum, weshalb es einige Bilder noch nicht hochlädt. Die kommen dann sobald ich wieder Netz habe.

Wieder powerless….

Nachdem sich gestern schon abgezeichnet hat, dass  die Powerstation nicht mehr länger als einen Tag durchhalten würde und das Wetter weiter schlecht bleibt,  habe ich mir für heute doch wieder einen Campingplatz gesucht. Da ich dieses Mal nur eine Nacht bleiben will, um die Powerstation zu laden und was sonst noch an Geräten Strom benötigt, sollte es aber nicht zu teuer sein. Nachdem das mit dem Freistehen in Frankreich so gut geht und die Versorgung mit öffentlichen Toiletten in der Regel auch ziemlich gut ist, sind mir 25-30 € nur für einen Schlafplatz mit Strom und Dusche auf Dauer etwas zu teuer und ich wollte ja auch möglichst einfach und ungeplant reisen. Daher habe ich mir einen Bauernhof mit Campingplatz ausgesucht. Tatsächlich hat es mich heute dann schon etwas gestresst bis spätestens 18:30 Uhr einchecken zu müssen.  Vor Ort hat sich dann herausgestellt,  dass das völlig unnötig war. Ich weiß nicht,  warum dieses knappe Zeitfenster (2,5h) angegeben wurde. Der Campingplatz ist „selbstorganisiert“. Der Empfang war gar nicht besetzt. Die Bezahlung erfolgt per Reisescheck oder Bargeld in den Briefkasten. Man kann mal schauen,  ob man den Bauern auf seinen Feldern findet, um Bescheid zu geben,  dass man da ist. Aber wenn man ihn nicht trifft, stört das wohl auch keinen. Meine Einweisung habe ich von anderen Campern bekommen,  die ich zufällig angetroffen habe. Lustiges Konzept.  Ansonsten ist es nicht viel anders als beim Freistehen. Ich bekomme eben zusätzlich Strom, eine Möglichkeit zu duschen und habe heute mal meine beiden Trekking-Hosen auswaschen können. Ich hoffe, die trocknen bis morgen. Die Einrichtungen sind offen und sehr rustikal. Die Dusche hat keinen Temperaturregler, die sogenannte Gemeinschaftsküche ist ein Raum mit zwei selbstgezimmerten Arbeitsplatten ein paar Regalen und einem Kühlschrank, in den ich aber nicht geschaut habe. Es gibt einen einfachen Aufenthaltsraum mit Spielen und Büchern, so dass Mikrocamper, Wanderer und Radfahrer auch bei Dauerregen eine Möglichkeit hätten sich aufzuhalten. Außerdem wenig überraschend auf einem Bauernhof: Unmengen Fliegen.

Alles ein wenig rustikal

Die Plätze sind durch Hecken oder hohes Gras abgetrennte Parzellen in einer großen Wiese. Man stellt sich einfach hin, wo es einem gefällt. Sie sind leider alles andere als eben und ich habe den Eindruck,  die mit Strom sind schiefer als die ohne. Aber ich habe den Yoggi dennoch gut positionieren können. Nach einem kurzen Schauer,  konnte ich heute auch wieder draußen  kochen. Aber die Luftfeuchte, v. a. am Abend ist immens hoch. Die Sachen, die ich zum trocknen rausgehängt habe, waren innerhalb kürzester Zeit feuchter als davor. Jetzt hoffe ich auf Wind und Sonne am Morgen.

Aber friedlich in der Natur
Auch aus der Ferne ist das Meer (Bucht von Morlaix) schön

Doch nun zum heutigen Tag…

Da ich wieder erst gegen morgen eingeschlafen bin und der heutige Tag mit schlechtem Wetter angekündigt war, habe ich lange ausgeschlafen, bis ich mit Lüften,  frühstücken und Co. fertig war, war es bereits kurz nach zwölf, als ich mich auf den Weg Richtung Roscoff machte. Unterwegs wollte ich beim Leuchtturm Pontusval etwas nordwestlich von Menez Ham, bei der Allée Couvert von Guirnivit (eine steinzeitl. Grabstätte) und beim Menhir de Cam-Louis – beides in der Umgbung von Plouescat – Zwischenstopps einlegen.

Leuchtturm Pontusval eingebettet in Granitfelsblöcke
Neben diesen riesigen Geanitfelsen wirkt der Yoggi winzig

Die Allée Couvert von Guirnivit trotzt schon seit tausenden von Jahren den Gezeiten. Bei Ebbe ist sie komplett zugänglich. Ich hatte Glück zur richtigen Zeit da zu sein. Aber vorsichtig, der nasse Sand ist stellenweise sehr glitschig. Als die Menschen diese Grabstätte errichteten, war die Küste noch viel weiter weg und das Wasser hat sie natürlich nicht jeden Tag übererspült. Heutzutage ist sie bei Flut teilweise mit Wasser bedeckt.

Allée Couvert von Guirnivit

Oberhalb der Allée Couvert von Guirnivit gibt es auf einem Hügelchen wieder tolle Granitfelsen. Man sollte sich aber auf den Wegen halten, um sie sich anzusehen. Ich habe es nicht getan und bin deshalb wie Alice im Wunderland in einen Kaninchenbau gestürzt. Zum Glück habe ich mich nicht verletzt,  aber ordentlich schmutzig bin ich geworden,  als ich bis zum Oberschenkel in dem Loch steckte

Allée Couvert von Guirnivit
Wieder ein vergessen wirkendes Boot

Nur wenige Kilometer entfernt, direkt am Strand steht der Menhir de Cam-Louis. Ein sehr schönes Exemplar. Er ist mindestens 4-5 Mann hoch. Um ihn herum liegen in einem Kreis kleinere Steine. Ich weiß allerdings nicht, ob die da schon immer so angeordnet lagen oder aus  neuerer Zeit stammen. Unweit davon liegen aber noch einige etwas größere Brocken fast geradlinig in einer Reihe im hohengras versteckt. Es ist ein sehr friedlicher Ort,  der auf mich sehr beruhigend wirkte.

Menhir de Cam-Louis

Und auch der Strand dort ist sehr schön. Mich haben neben  den Wellen und Felsen heute v. a. die Farben fasziniert.

Man möchte in dieses Häuschen auf den Klippen glatt einziehen
Auf einem Hügel über dem alten Hafen thront die Kapelle Sainte-Barbe.

Als ich in Roscoff ankam,  war ich schon ziemlich erschöpft. Vom Parkplatz an der Kapelle Sainte-Barbe, bin ich daher nur zur Kapelle und am Hafen vorbei kurz durch die Altstadt gelaufen. Die Kapelle dient noch heute mit ihrem leuchtenden Weiß den Seeleuten als Landmarke. Von der Kapelle aus hat man in die eine Richtung einen herrlichen Blick auf den alten Hafen und die sich daran anschließende Altstadt von Roscoff, die vom schönen Renaissance-Turm der Kirche „Notre-Dame-de-Kroaz-Baz“ überragt wird und in die andere auf eine kleinevorgelagerte Insel mit den Resten eines Forts. Auch hier hatte Vauban wieder seine Finger im Spiel,  allerdings stand das Fort schon vor seiner Zeit. Er hat die Befestigung von Roscoff, das immer wieder von den Briten angegriffen wurde mit Kanonen bestücken lassen.

Blick auf alten Hafen und Altstadt von Roscoff
Fort von Roscoff
Altstadt von Roscoff mit der Kirche Notre-Dame-de-Kroaz-Baz und ihren Gassen
Älteste Straße von Roscoff

Die Keller waren früher zur Straße offen. Die Händler nutzten die Keller als Lager und es war wichtig für sie, jederzeit schnell an ihre Waren zu kommen.  Deshalb hat jedes Haus hier so einen Keller.  Da es öfter zu Unfällen kam, weil Menschen in die Keller stürzten,  gab es irgendwann eine Verordnung,  dass die Kellereingänge verschlossen/bedeckt werden müssen. Die Fassaden/Giebel sind oft reich verziert.  Ein Anzeichen dafür,  dass hier früher reiche Händler und Kaufleute gelebt haben.