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Pleiten, Pech und Pannen

Der Parkplatz am Strand war zwar gestern Abend sehr einsam, aber heute morgen war Schluss mit Einsamkeit. Um 7 war nicht mehr an Schlaf zu denken. War bis dahin vereinzelt ein Auto vorbeigekommen oder auf den Parkplatz gefahren, herrschte ab da ein beständiges kommen und gehen. Ich bin dann auch bald aufgebrochen,  nachdem alles erledigt war, was man morgens so zu tun hat. Auf dem Weg zum Cap d’Erquy kam ich durch das Dorf, in dem wir ab Samstag ein Ferienhaus haben werden. Die Gelegenheit habe ich genutzt um von außen einen Blick darauf zu werfen. Das wird sicher auch schön,  zumal wir dann zu zweit sein werden und ich die tollen Erfahrungen hier life mit meinem Freund teilen kann.

Nachdem mich das Navi wieder einmal etwas in die Irre geführt hat, habe ich einen großen Aire de stationnement camping car gefunden. Hier gibt es kein bisschen Schatten,   ideal um die Powerstation zu laden. Meine Wanderung um das Cap stand erst unter keinem so guten Stern. Nach ca. 1,5 km, fast am tiefsten Punkt der geplanten Tour, hat sich meine ohnehin schon lädierte Treckingsandale in Wohlgefallen aufgelöst. Ich habe versucht, sie notdürftig mit Pflastern zusammenzukleben, damit ich wenigstens wieder zurück zum Auto damit komme, aber leider ohne Erfolg. Also habe ich mir einen Weg gesucht, auf dem ich möglichst schnell wieder auf einen befestigten Weg komme, der zurück zum Parkplatz führt. Und so ging es mit einer Sandale am Fuß und einer in der Hand wieder zurück.

Trotz abdunkeln aller Scheiben und Thermoabdeckung auf der Windschutzscheibe hat sich der Yoggi ziemlich aufgeheizt. Also habe ich nur schnell die Wanderstiefel angezogen und bin auf etwas geänderter Route wieder losgezogen. Das Cap d’Erquy ist auch sehr schön. Leider war zwischenzeitlich sehr heiß und viel mehr Leute unterwegs, aber es war trotzdem schön. Auf halber Strecke habe ich ganz vorne auf der Landspitze eine kleine Pause gemacht und etwas gegessen. 

Meist ging es über Stock und Stein, aber es gab auch vereinzelt sehr bequeme Wege…
…oder ein kostenloses Gorse-Peeling für die Schienbeine und Waden.
Und wieder jede Menge Treppen
Die Côte d’Émeraude (Smaragdküste) trägt ihren Namen zurecht
An diesem schönen See ist das Unglück mit dem Schuh passiert, dabei war das ein absolut traumhafter Ort

Kurz nach der Pause war dann plötzlich die Energie weg. Also habe ich mich zurück zum Parkplatz geschleppt. Der war mittlerweile rappelvoll. Da ich eine Pause und eine Toilette brauchte, bevor ich weiterfahren konnte und der Backofen Yoggi nicht sehr verlockend war, bin ich in die Crèperie gegenüber dem Parkplatz gegangen. Bei einem Cappuccino und einem leckeren hausgemachten Eis, habe ich nach möglichen Parkplätze für die Nacht geschaut. Mittlerweile ist der Yoggi etwas durchgelüftet und die Powerstation fast voll. Es kann  weitergehen.

Einen Tag später: Ich habe gestern nicht mehr geschafft weiter zu schreiben. Denn kurz vor dem Ziel ist etwas passiert,  das mir erstmals seit Beginn des Trips wirklich die Ruhe genommen hat. Dabei hatte ich vormittags noch gedacht, dass ich überrascht bin, wie gut ich auch in schwierigeren Situationen zurecht gekommen bin und dass ich mir nicht so leicht die Ruhe nehmen lasse. Aber an diesem Nachmittag war es vorbei mit Ruhe und Gelassenheit.  Die Navis haben mich endgültig in die Bredouille gebracht. Sie hatten mich an diesem Nachmittag mehrfach in die Irre geführt und zuletzt so dolle, dass ich mit dem Auto stecken geblieben bin.

Da hing ich mit meinem Yoggi,  der in der Mitte auf einem Erdhügel festhing und mit keinem Rad mehr Grip bekommen hat. Nachdem alle meine Versuche ihn da wegzubekommen nichts gebracht haben, habe ich meinen Freund angerufen. Mir war zwar klar, dass er mir auch nicht helfen könnte, aber emotionaler Beistand ist in Krisensituationen ja auch viel wert. Mittlerweile war es auch ziemlich warm denn obwohl das ganze am Rand eines Wäldchens passiert ist, hat die Sonne gnadenlos auf meine Bemühungen herabgebrannt. Nach einigen weiteren erfolglosen Versuchen, konnte ich einen vorbeifahrenden Radfahrer anhalten. Er konnte mir aber auch nicht helfen. Allerdings hat er einer älteren Dame, die zufällig von der Straße aus gesehen hat,  dass da etwas passiert ist und kam um nachzusehen, erklärt,was passiert ist. Sie konnte natürlich auch nicht helfen, hat mich aber gebeten mitzukommen und ganz zuversichtlich gemeint, dass das zu lösen sei und wenn es länger dauern sollte, hat sie mir gleich ein Bett für die Nacht angeboten. Das wollte ich zwar keinesfalls,  aber ihre Zuuversicht hat auch mir etwas Ruhe zurückgegeben. Wir sind dann zu ihrem Nachbarn, der wohl irgendwo einen Traktor hat. Er wollte sich das aber erstmal ansehen. Da habe ich bemerkt, dass er nur am Stock und selbst damit mehr schlecht als recht gehen kann. Sofort bekam ich zu allem Übel noch ein schlechtes Gewissen.  Mein Französisch ist ja mehr als schlecht und vermutlich haben die älteren Leute auch kein lupenreines Schulfranzösisch gesprochen. Zum Glück hatte der Herr gerade Besuch von einer Dame,  die auch englisch sprach. Nachdem wir uns das Malheur angeschaut haben,  ist der Herr los, um seinen Traktor zu „suchen“, soweit ich es verstanden habe. Aber die Stelle war auch etwas eng, so dass er nicht sicher war, ob er mit seinem Traktor durchkäme. Zwischenzeitlich war auch noch der Sohn der älteren Dame hinzugekommen, der durch Zufall vorbeikam. Ich war mittlerweile so durch den Wind dass ich nicht mal mehr wusste, wo im Yoggi der Abschlepphaken ist. Zum Glück hat mein Freund das herausgefunden,  der telefonisch auch immer mal wieder an dem Drama teilhatte. Am Ende war der Traktor des Herrn doch zu groß,  aber er hat einen anderen Mann aus dem Dorf kontaktiert, der kam mit einem Traktor, der geradeso durchgepasst hat und damit hat er mir sprichwörtlich den Karren aus dem Dreck gezogen. Wir hatten während der Wartezeit den Yoggi und die Dachbox ausgeräumt, damit er leichter ist beim rausziehen. Da der Yoggi danach den Weg verperrt hat und den netten Helfer mit dem Traktor blockierte,  ist erstmal alles nur wieder kreuz und quer ins Auto geflogen. Die Leute waren alle so nett und statt mich für meine Dummheit zu tadeln, waren sie sehr verständnisvoll. Während dieser ganzen Zeit sind 2 weitere ortsfremde Autos wohl aufgrund ihrer Navis ebenfalls fast da runter gefahren. Zu deren Glück hing der Yoggi da wie ein Mahnmal.

Der Sohn der Dame, die mir immer wieder Bett und Dusche nach der Aufregung angeboten hat, hat mich dann noch sicher bis zum Parkplatz gebracht und ich fand den Ort dann auch tatsächlich gut, um mal wieder richtig zu schlafen. 

Da hat er gehangen

Aber während ich den Yoghi nochmal aus und ordentlich wieder eingeräumt habe, kam ein Mann vom nahegelegenen Strand zurück und hat lange an den Picknicktischen gesessen und immer wieder zu mir rübergeschaut. So richtig unheimlich wurde er mir, als er sich dann ins Auto gesetzt hat, aber nicht weggefahren ist. Ich habe einen kleinen Spaziergang zum Aussichtspunkt in der Nähe gemacht. Mittlerweile war nach 22:00 Uhr und die Sonne am Untergehen

Damit hätte der aufregende Tag wenigstens schön enden können. Aber als ich zurückkam saß der Mann noch im Auto und ich beschloss nur noch schnell am Waschbecken Wasser zu holen, um später irgendwo wenigstens noch zu duschen und woanders mein Glück zu versuchen. Während dieser Zeit ist er dann doch gefahren. Ich habe dann geduscht und überlegt, ob mein mittlerweile schlechtes Gefühl gerechtfertigt sei oder ob der Stress mich paranoid machte. Zwischenzeitlich sind alle Strandbesucher gegangen und ich war allein. Aber das hat das schlechte Gefühl eher bestärkt, weil ich dachte, was wenn der Mann zurück kommt, dann bin ich hier ganz allein, die Zufahrt zum Parkplatz war nur so breit, dass gerade 1 Auto durchpasste… ich beschloss mich so aufgewühlt nicht hinters Steuer zu setzen,  bin nochmal zu dem Aussichtspunkt gegangen, um zu meditieren. Da bei meiner Rückkehr ein zweites Auto auf dem Parkplatz war,  fühlte ich mich sicherer und entschied zu bleiben,  das ist dann aber doch weggefahren,  als ich mich gerade hingelegt hatte. Während ich noch überlegte, ob ich doch noch wegfahren sollte, mittlerweile war fast Mitternacht, kam wieder ein Auto,  die Autotüren gingen ein paarmal, jemand ist ausgestiegen und herumgelaufen. Wieder hatte ich den Impuls auszusteigen und loszufahren, aber dann ist das Auto wieder gefahren.  Dann kam noch ein Auto. Nach einigem anhalten, aussteigen, wieder einsteigen und rangieren, habe ich irgendwann gehört, dass Schiebetüren gingen. Es war also ein Van und nicht das Auto des mysteriösen Fremden. So konnte ich irgendwann nach 1:00 Uhr endlich Schlaf finden. Was für ein Tag!

Mittelalteratmosphäre in Fougères

Heute war ich wieder sehr früh wach. Das hat mir immerhin gemütliches Frühstücken, aufräumen und einen Sonnenaufgang über dem Teich beschert.

Morgenstimmung am Fischweiher

Und ich war früh in Fourgères. Das war auch aus mehreren Gründen gut. Als ich mich vom Parkplatz auf den  Weg zum Chateau machen wollte, habe ich nämlich bemerkt,  dass der Kofferraum nicht zu war. Das verrückte war. Egal welche Knöpfe ich auf der Fernbedienung drückte,  entweder war der Kofferraum auf und die Türen verriegelt oder andersrum. Nachdem ich alle Wertsachen aus dem Auto in meinen Rucksack umgepackt hatte und die ersten 1-200m Richtung Chateau und mittelalterliches Zentrum gelaufen bin, kam mir noch die Idee, dass es funktionieren könnte,  wenn ich keyless Entry wieder aktiviere. Das hatte ich vor 2 Wochen abgestellt,  als ich Probleme mit der Batterie hatte. Weil das Auto ständig auf und zu ging, wenn ich irgendwo stand und mit der Schlüsselkarte in der Tasche ums Auto herum unterwegs war. Und tatsächlich, wenn ich das Auto automatisch verschließen lasse, sobald der Schlüssel sich entfernt, dann sind alle Türen inkl. Kofferraum verriegelt.  Ich vermute eine Fehlprogrammierung. Also konnte ich mich jetzt beruhigt auf zur Festungsbesichtigung machen. Da ich am oberen Eingang des Jardin Publique geparkt hatte, durfte ich als erstes den Ausblick von der obersten Ebene des Gartens genießen. Er liegt an einem ziemlich steilen Hang und ist in drei thematisch unterschiedliche Bereiche aufgeteilt. Wirklich sehr schön gemacht. Eine gute Mischung aus naturbelassenem und angelegtem Garten mit viel Schatten und Wasser.

Von dort aus hat man auch gute Sicht auf die darüberliegende Église Saint-Léonard. Von ihrem Turm aus hat man wohl einen guten Panoramablick über Stadt,  Château und Umland.  Das habe ich aber erst später erfahren und da war ich im Château schon auf so viele Türme gestiegen, dass ich keine Treppe mehr unnötig steigen wollte. Im Innern des Turmes kann man sich während des Aufstiegs über die Geschichte der Stadt informieren. Auf dem Rückweg lockten mich Orgelklänge aus dem Inneren in die Kirche. Außerdem war es dort schön kühl.  Mein Nervensystem fand die Orgelmusik aber zu laut. Daher bin ich nicht lange geblieben. Es war auch wieder eine schöne Kirche, aber wesentlich schlichter als die anderen Kirchen in den letzten Tagen.

Nach einem kurzen Gang durch die Unterstadt, ging es auf der anderen Seite wieder leicht bergauf zum Château.

Dabei kam ich an der zweiten Kirche von Fourgères vorbei, der  Église Saint-Sulpice de Fougères. Das ist die  innerhalb der Stadtmauern liegende Kirche der Unterstadt. Fourgères gliedert sich nämlich in eine am Fuß des Châteaus liegende Unterstadt und die darüber thronende Oberstadt.

Église Saint-Sulpice de Fougères
Église Saint-Sulpice de Fougères vom Château aus

Hier konnte ich mich dann mal für die vielen Freundlichkeiten, die mir die Bretonen/Franzosen bisher erwiesen hatten,  revanchieren. Ein Paar fragte mich nämlich,  ob es irgendwo einen guten Aussichtspunkt gäbe. Da ich gerade die Aussicht vom Jardin Publique genossen hatte, konnte ich Ihnen behilflich sein und gleich mit einer Wegbeschreibung dienen.

Dann endlich war ich am Château. Dort hat die nette Dame an der Rezeption gleich alle meine Grammatikfehler korrigiert. Dafür war ich ihr sehr dankbar, denn das hilft beim Lernen der Sprache mehr, als wenn man mich versteht und aus Höflichkeit/Freundlichkeit nicht korrigiert.

Das Château ist wirklich beeindruckend und bereits im ersten Vorhof war für mich klar: der weite Weg hat sich gelohnt. Immerhin war ich gestern fast 200km angereist. Das Château ist eng mit der lokalen, bretonischen und europäischen Geschichte verbunden. Und über all das erfährt man im Rahmen der Besichtigung dank eines Audioguides, den es sogar in Deutsch gibt, sehr viel. Im Laufe ihres rund 1000-jährigen Bestehens hat sie viele architektonische Veränderungen durchgemacht, in die vor allem auch militärische Erkenntnisse einflossen. So sind z. B. Die neueren Wehrtürme nicht mehr viereckig und flach in die Wehrmauer integriert, sondern oval oder rund und ragen über die Wehrmauer hinaus. Somit konnte man aus ihnen in alle Richtungen auf Angreifer schießen und sie waren bei Beschuss mit Katapulten oder Kanonen nicht so anfällig.

Das Château im Laufe der Zeit
Gleich zu Beginn des Rundgangs kann man sich mit diesem Modell einen Überblick über das Château verschaffen
Wo früher die Wirtschaftsgebäude standen, sind heute kleine typisch mittelalterlich, nach Annwendungsfall gegliederte kleine Gärten angelegt
Der Gobelline- und der Melusineturm sind die wehrhaftesten und im Falle eines Angriffs der letzte Rückzugsort hinter der dritten Burgmauer
Vom Wohnbereich der Herrschaft stehen nur noch die Grundmauern

Nach über 3h war ich mit der Besichtigung der Burg und auch sonst durch. Da ich mir noch den Beffroi anschauen wollte, habe ich den Weg durch den auf der anderen Seite des Château gelegenen Stadtteil gewählt.  Das hat mich das erste Stück im Schatten der Stadtmauer geführt,  von der auch noch einiges erhalten ist.

Impressionen aus der historischen Altstadt Richtung Beffroi
Impressionen aus der historischen Unterstadt
Impressionen von der Stadtmauer

Der Beffroi ist ein Glocken- und Aussichtsturm von Ende des 14. Jahrhunderts. Er gilt heute als der älteste Glockenturm der Bretagne. Der im Langand-Stil gestaltete Turm wurde auch als Feuerturm genutzt. Mit ihm demonstrierte die Stadt ihre Überlegenheit und ihren Wohlstand

Die Spitze des Glockenturms wurde mehrmals umgebaut, und die jetzige stammt aus dem 20. Jahrhundert.

Auf dem Weg zurück Richtung Küste habe ich eine Pause eingelegt,  um die Powerstation mit Solarenrgie zu laden. Das funktioniert besser als über die Autobatterie.

Da ich dann noch durch einen Anuf aufgehalten wurde, kam ich erst so spät an meinem geplanten Übernachtungsplatz an, dass alle Plätze besetzt waren. Jetzt habe ich eine Parkplatzodyssee hinter mir, aber dank meines Liebsten, der zu Hause mit gesucht hat, habe ich ein Plätzchen in der Nähe (hinter den Dünen) dieses schönen Strandes und konnte wenigstens noch die blaue Stunde genießen. Jetzt brauche ich nur noch mein Bett.

Le Beffroi

Markttag in Paimpol

Nach einer relativ kurzen Nacht,  bin ich um halb sieben aufgestanden. Ich habe mein geräumiges und sauberes „Badezimmer“ am Parkplatz genossen und dann mit der aufgehenden Sonne einen Spaziergang durchs Dorf gemacht.  Zum Frühstück bin ich zu einem Picknickplatz auf halber Strecke nach Paimpol gefahren. Mittlerweile war es leider ziemlich zugezogen und entsprechend kühl. Als ich fertig und gerade dabei war, heißes Wasser für den Abwasch zu richten, kam ein Bauer mit seinem Traktor aufs benachbarte Feld gefahren. Er wirkte besorgt und fragte, ob ich mit Frühstück gerade anfange oder schon fertig sei. Als ich sagte, ich sei fertig, war er etwas erleichtert,  er wollte nämlich Gülle fahren und das wäre beim Frühstück ja doch sehr unangenehm. Ich sagte, das sei kein Problem.  Er hat dann trotzdem  gewartet bis ich fast alles im Auto verstaut hatte  und in der entferntesten Ecke des Feldes begonnen. Die Menschen sind hier wirklich so nett und hilfsbereit. Später am Tag hatte ich ein ähnliches Erlebnis mit dem Mitarbeiter der Kirche in Paimpol, der ruhig gewartet hat mit abschließen,  bis ich meine Meditation beendet und noch ein paar Fotos gemacht hatte. Erst dann ist mir aufgefallen, dass er da wohl schon die ganze Zeit mit Motorradhelm auf dem Kopf gewartet hat. Als ich mich schuldbewusst rausgeschlichen habe, hat er mich freundlich angelächelt und mir einen schönen Tag gewünscht.  Ansonsten war mir Paimpol zu voll und zu hektisch. Denn heute war Markttag. Und was für ein Markt! Da gab es wirklich alles und er war groß.  Das erklärte die Menschenmassen. Er erstreckte sich über sämtliche Plätze der Altstadt und die meisten Straßen. Leider war dadurch kaum etwas von den Häusern aus dem  überwiegend 15. Und 16. Jahrhundert zu sehen. Daher bin ich irgendwann auch in die Kirche geflüchtet, um meinem überreizten Nervensystem Ruhe zu gönnen.

Notre-Dame-de-Bonne-Nouvelle
Turm der alten Kirche, mehr steht von ihr nicht mehr
Turm der alten Kirche, die helle Fläche am Boden zeigt den Grundriss der ehemaligen Kirche.
La Sainte-Vierge
Impressionen aus dem Quartier Latin
Jézéquel-Haus, beherbergt seit 1886 ein Haushaltswarengeschäft, ist als Historisches Monument klassifiziert

Nach so viel Trubel stand mir der Sinn nach Natur und Ruhe. Ich bin zur nahegelegenen Abbey Beauport gefahren,  einer Abtei aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist zwar – wie viele öffentliche Einrichtumgen – über Mittag einige Stunden geschlossen,  aber das gab mir Gelegenheit, durchzuatmen.

Sie steht seit 1862 unter Denkmalschutz.

Ein Großteil ist Ruine. Neben der Möglichkeit besichtigt zu werden, finden dort regelmäßig Theateraufführungen, Kulturveranstaltungen und Ausstellungen statt. Sie liegt direkt am Ortsrand und ist von 3 Seiten eingebettet in ein schönes Naturschutzgebiet.

Dort habe ich einen Spaziergang gemacht. Mittlerweile brannte die Sonne bei knapp über 20° mit all ihrer Kraft und ich war froh, dass ich am Vormittag die lange Wanderhose und das schwarze T-Shirt gegen ein leichtes Sommerkleid getauscht hatte. Da der eigentliche Rundweg komplett in der Sonne lag, habe ich einen Abstecher zu einem kleinen Wasserfall und einem Aussichtspunkt auf die Abtei im angrenzenden Wäldchen gemacht. Es gab zwar nicht wirklich Sicht auf die Abtei,  weil die Bäume seit Erstellung der Karten massiv gewachsen sein müssen,  aber die Aussicht war trotzdem schön.

La Petit Cascade
Aussichtspunkt,  hinter den Bäumen ist die Abtei
Sicht vom Aussichtspunkt
Sicht vom Aussichtspunkt

Deshalb habe ich dort eine kleine Mittagspause gemacht und mir überlegt,  wie mein Trip weitergehen kann. Die zunehmende Fatigue mit all ihren Begleiterscheinungen hat mir ein bisschen einen Strich durch die Planung gemacht. Ich habe dann entschieden Richtung Fougères zu fahren.  Dort gibt es die größte mittelalterliche Burg Europas. Das war eigentlich ein Punkt, den ich nur bei übriger Zeit machen wollte. Normalerweise hätte jetzt noch ein Abstecher in die Normandie auf dem Programm gestanden. Aber bei meinem Zustand erspare ich mir das. So wie ich die letzte 2 Tage gestaltet habe, komme ich gerade so hin. Außerdem wurden kurz vor meiner Abfahrt die Klippen in Étretat gesperrt,  weil sich immer wieder Touristen zu waghalsig benommen haben und es zu einigen teils tödlichen Unfällen gekommen ist. Außerdem haben die Besucherströme zu zuviel zerstörter Natur und verstärkter Erosion geführt. Daher kann ich das Vorgehen der Stadt verstehen,  auch wenn ich es schade finde.

Nach langer, abenteuerlichen Fahrt (offline-Navi  und viele gesperrte Straßen in ländlichen Gegenden sind eine üble Kombination), bin ich gegen 19 Uhr an meinem heutigen Übernachtungsplatz im Landesinneren angekommen. Ein kleiner Parkplatz am Rande eines Fischweihers mit Picknickbänken, Grill, Spielplatz und Toilette und der Einladung,  sich hier zu erholen. Das sollte man annehmen.

Übernachten am Fischweiher

Deshalb mache ich mir jetzt schnell was zum Abendessen und dann erhole ich mich 🙂

Das mobile Datennetz ist hier wieder etwas schwachbrüstig. Es gibt Probleme beim Upload. Ich hoffe, der Rest klappt morgen.

Hier am Teich gab es einen schönen Sonnenuntergang. Die letzten anderen,  die hier geangelt und gegrillt haben sind weg. Nur Fische, Vögel, Kühe,  Frösche und Insekten außer mir da. Leider haben sie den Ort nicht so verlassen,  wie man es tun sollte. Erst haben sie ewig den Motor laufen lassen,  dann haben sie Waschbecken und Toilette eingesaut und ihre Kohle und Zigarettenkippen neben mein Auto gekippt. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Gemeinden solche Plätze nicht mehr pflegen oder allgemein zugänglich machen wollen.

Gerade noch in der Nachbarschaft entdeckt
Abendstimmung überm Teich
Abendstimmung überm Teich

Etwas ruhiger

Die beschauliche Rosa Granitküste mit ihrem großen Naturschutzgebiet um Ploumanac’h und die umliegenden Orte lädt dazu ein, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Heute morgen beim Frühstück hat mir meine Nachbarin noch ein paar Tips gegeben. Jetzt steht der Yoggi auf einem kostenlosen Parkplatz nahe des Forums in Trégastel und ich mache einen Rundgang über/ um die Halbinsel Île Renote. Puffins sind – glaube ich – das einzige, was mir jetzt noch fehlt. Aber auch hier kann ich keine finden. Vermutlich sind die alle schon in Schottland zum brüten,  denn dort habe ich vor einem Jahr um diese Zeit einige gesehen. Dabei fällt mir etwas ein, was ich glaube ich bei meinem Eintrag zur Iroise-See vergessen hatte. Und falls nicht, doppelt hält besser. Die Robben, die ich dort bei meiner Bootstour gesehen habe,  sind tatsächlich dieselben  wie in Schottland. Die werden getracked und dabei hat man herausgefunden dass es dieselbe Kolonie ist,  die man auch in Schottland beobachten kann. Ein weiterer Fakt zur Iroisesee, den ich vielleicht vergessen habe. Dort gibt es die höchste Leuchtturmdichte der Welt.

Doch zurück zur Île Renote. Zu Beginn meines Spaziergangs bin ich abseits des eigentlichen Weges am Strand entlang durchs Wasser gewatet und habe meine Füße von Wasser, Sand und feinen roten Kieseln umspülen lassen, das war eine Mischung aus angenehm kühl, Fußpflege und Akkupressur. Und das ganz kostenlos.

Die rosa Granitfelsen sind faszinierend. Leider ist es sehr bewölkt,  so dass man ihre Farbe auf Bildern nicht richtig einfangen kann. Ihre Formen verführen dazu, die verschiedensten Tiere und Formen un ihnen zu sehen. So sind mir heute schon einige „gestrandet, versteinerte“ Wale, Schweine,  Schildkröten und ein Ufo begegnet.

Ufo?
Umkleidekabinen am Strand in Trégastel, wie im Film
Wasserspaziergang am Strand der Île Renote
Rosa Granit mit Phare des Sept Îles im Hintergrund
Zurückhaltend bettelnde Möwe mit Phare de Mean Ruz (Ploumanac’h) im Hintergrud
Felslabyrinth mit altem Kiefernbestand auf der windabgewandten Seite der Insel

Am Nachmittag habe ich einen Spaziergang um die Landspitze von Ploumanac’h gemacht. Dabei hat mich die Sonne dermaßen überrascht,  dass mir erst nach der Hälfte des Weges einfiel,  dass es gut wäre,  sich einzucremen. Da war es schon ein bißchen spät dafür.  Aber das schlimmste konnte ich noch verhindern. Do viel Sonne war ich gar nicht mehr gewohnt. Außerdem war mir viel zu warm. Und das bei 19°. Wie soll ich das nur zuhause in unserer „Toskana des Nordens“ aushalten? Durch die Sonne kam auch die Farbe des Granits besser zur Geltung… und ich bin nach wie vor fasziniert von den Formen der Felsen. Die Farbenspiele waren wieder herrlich.

Hier waren aber auch schon wieder so viele Menschen unterwegs (Nebensaison, Wochentag), dass ich mir gar nicht vorstellen mag, wie es dort in 4 Wochen zugehen wird. So war trotz Naturschutzgebiet nichts mit Vogelbeobachtung oder -Fotografie. Lediglich ein paar Kaulquappen konnte ich in einem Miniteich auf einem der Felsen in der Nähe des Leuchtturms entdecken. Außer mir haben die aber niemanden interessiert. Hoffentlich wird es nicht so heiß,  dass dieses winzige Gewässer austrocknet.

Rote Granitfelsen in überwiegend grüner Heidelandschaft und tiefblaues Meer
So grün und bunt… kaum zu glauben,  dass hier vor knapp 30 Jahren alles eine wüste Einöde war. Erst durch das Unterschutzstellen, entstand diese üppige Vegetation
Hübsche Häuser auf der Landspitze
Teufelskapelle und Phare de Mean Ruz, dieses Mal aus der Nähe

Am Abend wollte ich mir noch „schnell“ Tréguier anschauen. Aber mit schnell war da nichts. Es gab so viel zu sehen und zu bestaunen. Beinahe hätte ich Tréguier ausgelassen.  Ich bin so froh, dass ich es nicht getan und stattdessen Perros-Guirec übersprungen habe. Tréguier hat nicht nur eine großartige Basilika,  sondern ein wunderschönes historisches Zentrum mit schönen Gassen und alten Häusern. Leider konnte ich mich auf die Schnelle nicht mehr zu allen Gebäuden informieren. Vieles stammt aus dem 16. Jahrhundert,  aber ich vermute,  dass die Fachwerkhäuser älter sind.

Museum
Hôtel de la Tour, vom ehemaligen Bischofssitz ist nur noch der Torbogen erhalten, der Rest des Gebäudes wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Der ursprüngliche Bischofssitz fiel 1594 dem Krieg zum Opfer
Haus des Herzogs Johann V, genannt „der Weise“. Er verweilte hier, während seiner Zeit in Tréguier und war ein treuer Anhänger des Hl. Yves

Und natürlich die Basilika St-Tugdual. Sie ist so riesig,  dass sie nie ganz aufs Bild passte ;-). Sie stammt überwiegend aus dem 16. Jahrhundert. Ihre Geschichte geht auf eine Klostergründung im 6. Jahrhundert durch den Hl. Tugdual zurück. Es war das erste Kloster in dieser noch heidnischen Region nachdem die Bretonen hier gelandet waren. Vom ersten steinernen Kathedralenbau aus dem 11. und 12. Jahrhundert steht nur noch der quadratische Turm des nördlichen Querhauses (romanisch). Ab 1339 bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts entstand die heutige Kathedrale (gotisch).

Da ich erst nach 18 Uhr in Tréguier ankam, ging ich davon aus, dass sie schon geschlossen sein würde und ich sie nur von außen besichtigen konnte. Aber sie war noch offen. Ich habe mich sehr beeilt, alles schnell anzuschauen,  damit ich nicht schon wieder in einer Kirche eingeschlossen werde. Es gibt 3 Portalvorhallen, durch die man die Kathedrale betreten kann. Im Innern beeindruckt das Kreuzrippengewölbe, das auf ca. 2m dicken Säulen ruht, ebenso wie die vielen Kunstwerke. Es gibt Statuen, Gemälde,  Holzschnitzereien, und Steinmetzarbeiten zu bewundern. Mehrere Altäre im Hauptschiff und einigen Nebenkapellen und ein wunderbar gearbeitetes Chorgestühl runden das Bild ab

Einen guten Schlafplatz habe ich heute beim ersten Versuch nur 10 Minuten von Tréguier entfernt gefunden.  Das war auch gut so, denn auch wenn es mir heute einen Tick besser ging (ich bin auch ohne Stöcke kein einziges Mal gestolpert und hatte kaum Schmerzen), war ich sehr erschöpft. Es ist ein kleiner Parkplatz in einem hübschen Dorf, den ich mir mit einem jungen Paar im Van teile. Er liegt direkt am Wasset, hat 2 Picmocktische und mehrere einzelne Bänke auf der Wiese am Ufer. Ich betrachtete beim Abendessen die untergehende Sonne und hatte nette Begegnungen mit Einheimischen und Hunden. Nur Netz gibt es hier kaum, weshalb es einige Bilder noch nicht hochlädt. Die kommen dann sobald ich wieder Netz habe.

Wanderung im sagenhaft, mystischen Wald von Huelgoat

Heute habe ich eine Wanderung im Wald von Huelgoat gemacht. Hier sollen sich früher Riesen, Feen, König Artus, Wildschweine und natürlich die sagenhaften, für diese Gegend typischen Korrigans getummelt haben. Mir sind heute nur ganz gewöhnliche Menschen, Libellen,  Wasserläufer, Vögel und Drachen begegnet. Aber damit war es auch schon eine schöne Wanderung.

Gleich nachdem man von einem der vielen Parkplätze um den Wald herum, in den Wald eintaucht, zieht einen die mystische Atmosphäre in ihren Bann. Überall von Moos überwucherte Granitblöcke und Baumstämme.  Man hat den Eindruck, dass Riesenkinder hier Murmeln gespielt und diese dann kreuz und quer im Wald verteilt liegen lassen haben.

Die Einheimischen haben verschiedenen markanten Felsformationen oder Orten hier im Wald Namen gegeben. Und zu einigen gibt es (meist dramatische) Legenden.

Le Champignon
La Roche tremblante, der zitternden Fels. Angeblich soll man diesen 7m langen, 137 Tonnen schweren Felsbrocken zum zittern bringen können,  wenn man an der richtigen Stelle drückt.  Ich habe noch von keinem gehört,  der es geschafft hat.
Ménage de la vierge, manche sehen in diesen Felsbrocken Küchenutensilien, die die Jungfrau in ihrem Spülbecken  durcheinandergeworfen hat. Eine andere Darstellung besagt, es sei das erste Haus der Jungfrau Maria mit Bett, Kessel, Kochutensilien und der Wiege Jesu.
Ich habe wohl so lange staunend dagestanden, dass dieser nette Kerl mich für einen Baum gehalten hat, denn er kam ganz nahe heran und hat mich dabei nur neugierig beäugt
Hier soll Artus mit seinen Rittern eine Nacht verbrachthaben. An Artus Heerlager hat meine Wanderung mich leider nicht mehr vorbeigeführt
Zwischen der Höhle Arturs und der Badestelle der Wildschweine wird ein hübscher Ort von 16 Drachen bewacht. Da der Mensch die Drachen aus ihrem Lebensraum vertrieben hat, weil sie zu groß,  zu gefährlich, zu gefräßig,… waren, leben hier heute nur noch ganz kleine Drachen (https://www.dragonshuelgoat.com/)
Mare aux Sangliers (Wildschweinbadestelle mit Miniwasserfall)
Le Gouffre (Der Abrund) hier soll die lasterhafte Prinzessin Dahut ihre Liebhaber in die Schlucht gestürzt haben, um sich ihrer zu entledigen. Zur Strafe wurde sie in eine Meerjungfrau verwandelt und in stürmischen Nächten hört man sie laut jammern. Über eine Treppe kommt man vorbei an einem ca. 10m hohen Wasserfall zu einer Art Grotte.
Hier sollen die Feen nachts herkommen,  um sich ihre goldenen Haare zu waschen/kämmen. Tags sollen sie sich als Hexen in Huelgoat verstecken.  Wehe dem, der ihnen über den Weg läuft. Den verfluchen sie.
Sainte-Yves in Huelgoat, als ich da war alles andere als ein Ort der Stille. Eine Wagenladung NRWler war in Huelgoat angekommen und hat mich von da an lautstark „verfolgt“
Am schönen See von Huelgoat habe ich mir meinen ersten Crêpes mit blé noir, Käse und Ei (traditionelles bretonisches Gericht) gegönnt
Moulin de Chaos, Mühle mit bewegter Geschichte und daneben das Felsenchaos

Ursprünglich fürstlicher Besitz, hat zwischenzeitlich einer Minengesellschafft gehört,  war eine Konservenfabrik, Stromerzeuger, Touristinfo, Wohnung und beherbergt seit 2018 Kunstwerke. Früher hatte sie zwei Mühlräder, die jeweils einen Mahlstein antrieben. Heute hat sie nur noch eins.

Auch zum Felsenchaos neben der Mühle gibt es eine Legende. Ein Riese soll aus Wut darüber, dass man ihm hier nur Buchweizengrütze zum Essen angeboten hat, in einem anderen Ort gegangen sein und alle Felsen, die er unterwegs gefunden hat, hierher geworfen haben.

Grotte des Teufels

Der Fluss fließt nicht nur um das Felschaos herum, sondern teilweise auch durch Hohlräume unter den Felsen. Zu einem dieser Hohlräume kann man über steile Stufen und schlüpfrige Felsen hinunterklettern, nachdem man sich zuvor durch einige enge Felsspalten gezwängt hat. Unten in der Grotte ist es feucht, dunkel und vor allem laut! Mit einem Höllengetöse stürzt der Fluss über einem die Felsen hinab.

Auch wenn dieser mystische Ort wunderschön ist,  war ich doch sehr froh, wieder am Auto zu sein und mich hinlegen zu können. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, ich schaffe den Weg nicht. Aber aufgeben mitten im Wald war keine Option. Selbst wenn ich gewollt hätte. Wie bzw. wohin hätte ich denn ein Taxi bestellen sollen ;-). Ich habe dann viele Mikropausen gemacht und wieder einmal die Zeitlupentechnik angewandt. Das sieht zwar offensichtlich komisch aus, so wie die anderen schauen, aber es hilft. Ich muss dabei wohl so lost ausgesehen haben,  dass ein älterer Herr mich angesprochen hat, ob ich mich verlaufen hätte.

Ich merke,  wie im Verlauf der Reise trotz aller Begeisterung,  die Kraft und Energie immer mehr schwindet und sich die Symptome etwas verstärken.  Insbesondere Konzentrations- und Koordinationsstörungen haben in den letzten Tagen häufiger zu Missgeschicken und kleineren Blessuren geführt. Zwischendurch „lähmen“ mich auch immer wieder diese „Corona-Kopfschmerzen“, wie ich sie nenne. Daher werde ich es in den nächsten Tagen versuchen ruhiger anzugehen. Obwohl ich eigentlich noch so viel sehen will.

Heute Abend wollte ich eigentlich gerne wieder am Meer, genaugenommen an der Rosa Granitküste sein. Insbesondere im Abendlicht, hätte ich mir das schön vorgestellt. Aber es gibt da nicht wirklich geeignete Parkplätze. Der erste, den ich angefahren habe, war dann auch tatsächlich für Campingfahrzeuge jeglicher Art,  inkl. PKW nachts untersagt. Ein Anwohner hat mich auch gewarnt. Da ich bei meinen Reisevorbereitungen gelesen habe, dass das Verbot zum Campen/Übernachten an der Küste zunimmt und auch kontrolliert und mit teils hohen Bußgeldern geahndet wird, wollte ich kein Risiko eingehen. Ich bin dann wieder ein Stück ins Landesinnere gefahren,  wo ich einen Wohnmobilstellplatz gefunden hatte, an dem man offiziell eine Nacht bleiben darf. Hier stehe ich nun mit meinem Yoggi zwischen knapp 20 mehr oder weniger großen Campingfahrzeugen. Ein paar der anderen Camper haben mich bei der Ankunft etwas missbilligend angeschaut, aber ich habe ganz schnell campermäßig  das Solarpanel und den Campingstuhl aufgebaut. Dann habe ich meinen Körper mit einem schönen gemischten Salat und leckerem Maisbrot für seine Leistung belohnt und den Rest des Abends mit Blogschreiben verbracht. Gegen 21 Uhr bin ich ins Auto geflüchtet,  denn sobald die Sonne langsam verschwindet, wird es nicht nur kühler, sondern dank der hohen Luftfeuchte auch klamm. Und jetzt ist es auch schon langsam wieder Zeit fürs Bett.

Prachtvolle Sakralbauten im Nordfinistière

Nach gemütlichem Frühstück mit schöner Aussicht, Auto ausräumen, etwas putzen und ausgiebigen spielen mit dem Nachbarshund, ging es heute erstmal Vorräte aufstocken.

Frühstücksaussicht

Nachdem Gas, Benzin,  Brot,  Obst und Gemüse wieder aufgefüllt waren, kam ich am frühen Nachmittag endlich in Morlaix an. Die Stadt hat mich mit ihren wunderschönen Plätzen und alten Häusern aus verschiedenen Jahrhunderten positiv überrascht. Schade nur, dass dort überall große Fahrstraßen durchgehen bzw. die Flächen als Parkplätze genutzt werden. Andererseits hätte ich dann ja auch keinen zentrumsnahen Parkplatz bekommen. Zwei Seiten derselben Medaille.

Pénanault Haus aus dem 16. Und frühen 17. Jahrhundert,  gebaut aus Granit der nahegelegenen Île Callot und Île Grande
Blick vom Viadukt auf Morlaix
Kirche St-Melaine, gegründet zwischen 1149 und 1157, errichtet Ende 15. Jahrhundert, schöne Inneneinrichtung und Sternenhimmel
Gassen in Morlaix
Place Allende
Grand’Rue mit Häusern aus dem 15. Jahrhundert, Heiligenstatuen an den Fassaden
Grand’Rue 9 (Maison à Pondalez) und 14 (Maison Pouligen)

Das Haus Hausnummer 9 stammt aus dem 16. Jahrhundert und hat einen monumentalen Kamin und eine hölzerne Wendeltreppe und kann besichtigt werden.

Hausnummer 14 wird in vielen Büchern zu bretonischen Geschichte erwähnt.

Place des Otages

Am Place des Otages findet man Häuser aus dem 16. Jahrhundert. Traurige Berühmtheit erlangte der Platz, weil hier am 26. Dezember 1943 16 Morlaiser zwischen 15 und 46 Jahren  zusammengetrieben wurden, um in KZs wie Buchenwald deportiert zu werden. Daher kommt auch der Name des Platzes.

Hier habe ich heute ein sehr leckeres Eis von der Teestube Martin gegessen. Es war meine erste Bestellung auf französisch ohne Stottern und komisch angeschaut werden 🙂

„Garten“am Place des Otages

Dort befindet sich mitten im Stadtgettümmel zwischen 2 großen Straßen auch ein Garten zur Erholung mit vielen unterschiedlichen Sitzgelegenheiten, Spielen wie Garten-Dame oder Tic-Tac-Toe und ein Pavillon, den die Stadt kostenlos für Musiker zur Verfügung stellt.

Am nächste Sightseeingziel ist auch mein heutiger Übernachtungsplatz

Heute  stand noch die Besichtigung eines sogenannten umfriedeten Pfarrbezirks auf dem Programm.  Davon gibt es einige in der Bretagne. Einer der schönsten soll der in Saint-Thégonnec sein. Und ich muss zugeben,  dass ich selten eine prachtvollere Kirche gesehen habe. Ich war so in die Besichtigung vertieft, dass ich nicht bemerkt habe, dass es schon 18 Uhr war und ich eingeschlossen wurde. Zum Glück hat der Herr nochmal eine runde gedreht und dabei mich und ein älteres Paar in einer Seitenkapelle, in der es einiges zu diesem Enclos Paroissial zu lesen gab, aufgestöbert.

Dieser monumentale heilige Ort, Symbol für die Vorrangstellung des Glaubens in jener Zeit, spiegelt den wirtschaftlichen Wohlstand der Region im 16. und 17. Jahrhundert wider. Diesen verdankte sie der Herstellung,  Verarbeitung und dem Handel mit Flachs/Leinen.

Eine umfriedete Pfarrei ist  ein architektonischer Komplex, der aus mehreren Elementen besteht: einer Kirche, einer Umfassungsmauer, einem monumentalen Eingang (Triumphbogen), einem Kalvarienberg, einem Beinhaus sowie einer Vorhalle und einer Sakristei. Eine umfriedete Pfarrei bildet einen heiligen Ort, an dem Denkmäler und Dekorationen die Gläubigen an den allgegenwärtigen Tod und den Weg zur Erlösung erinnern. Die Präsenz jedes einzelnen Objekts ist gerechtfertigt: Hinter jeder Anlage verbirgt sich die gesamte theologische Konzeption der katholischen Kirche ihrer Zeit. Die Gläubigen betreten den heiligen Ort, passieren das Beinhaus, das sie an ihren eigenen Tod erinnert, und wenden sich dann dem Kalvarienberg zu, wo ihnen das Bild der Passion Christi Hoffnung auf die Auferstehung gibt. Schließlich betreten sie durch die Vorhalle die Kirche, um Vergebung für ihre Sünden zu erlangen.

Der Bau der Anlage in Saint-Thégonnec dauerte fast 2 Jahrhunderte. Einige Teile sind im Laufe der Zeit verschwunden. Sie wirkte früher monumentaler als heute. Doch den größten Schaden erlitt sie bei einem Brand 1998. Dabei wurden große Teile verwüstet und einige Kostbarkeiten im Inneren vernichtet. Während des Brandes bildeten die Menschen von Saint-Thégonnec eine Menschenkette,  um zu retten, was zu retten war. So konnten sie einiges an Inneneinrichtung aus der brennenden Kirche holen.

Nach dem Brand schlossen sich Freiwillige, die Stadt und die Gemeinde  zum Verein „Restaurer l’enclos de Saint-Thégonnec“ (Restaurierung der Einfriedung von Saint-Thégonnec) zusammen und sammelten Spenden von Einzelpersonen und mehreren französischen Städten. Die Restaurierung kostet >5 Mio Euro und ist aktuell in vollem Gänge. Hier hatte ich wieder Glück,  denn ab 23. Juni, wird die Kirche einige Zeit wegen der Arbeiten geschlossen sein. So haben nur Baugerüste und Planen einen Teil verdeckt, als ich heute hier war.

Wieder powerless….

Nachdem sich gestern schon abgezeichnet hat, dass  die Powerstation nicht mehr länger als einen Tag durchhalten würde und das Wetter weiter schlecht bleibt,  habe ich mir für heute doch wieder einen Campingplatz gesucht. Da ich dieses Mal nur eine Nacht bleiben will, um die Powerstation zu laden und was sonst noch an Geräten Strom benötigt, sollte es aber nicht zu teuer sein. Nachdem das mit dem Freistehen in Frankreich so gut geht und die Versorgung mit öffentlichen Toiletten in der Regel auch ziemlich gut ist, sind mir 25-30 € nur für einen Schlafplatz mit Strom und Dusche auf Dauer etwas zu teuer und ich wollte ja auch möglichst einfach und ungeplant reisen. Daher habe ich mir einen Bauernhof mit Campingplatz ausgesucht. Tatsächlich hat es mich heute dann schon etwas gestresst bis spätestens 18:30 Uhr einchecken zu müssen.  Vor Ort hat sich dann herausgestellt,  dass das völlig unnötig war. Ich weiß nicht,  warum dieses knappe Zeitfenster (2,5h) angegeben wurde. Der Campingplatz ist „selbstorganisiert“. Der Empfang war gar nicht besetzt. Die Bezahlung erfolgt per Reisescheck oder Bargeld in den Briefkasten. Man kann mal schauen,  ob man den Bauern auf seinen Feldern findet, um Bescheid zu geben,  dass man da ist. Aber wenn man ihn nicht trifft, stört das wohl auch keinen. Meine Einweisung habe ich von anderen Campern bekommen,  die ich zufällig angetroffen habe. Lustiges Konzept.  Ansonsten ist es nicht viel anders als beim Freistehen. Ich bekomme eben zusätzlich Strom, eine Möglichkeit zu duschen und habe heute mal meine beiden Trekking-Hosen auswaschen können. Ich hoffe, die trocknen bis morgen. Die Einrichtungen sind offen und sehr rustikal. Die Dusche hat keinen Temperaturregler, die sogenannte Gemeinschaftsküche ist ein Raum mit zwei selbstgezimmerten Arbeitsplatten ein paar Regalen und einem Kühlschrank, in den ich aber nicht geschaut habe. Es gibt einen einfachen Aufenthaltsraum mit Spielen und Büchern, so dass Mikrocamper, Wanderer und Radfahrer auch bei Dauerregen eine Möglichkeit hätten sich aufzuhalten. Außerdem wenig überraschend auf einem Bauernhof: Unmengen Fliegen.

Alles ein wenig rustikal

Die Plätze sind durch Hecken oder hohes Gras abgetrennte Parzellen in einer großen Wiese. Man stellt sich einfach hin, wo es einem gefällt. Sie sind leider alles andere als eben und ich habe den Eindruck,  die mit Strom sind schiefer als die ohne. Aber ich habe den Yoggi dennoch gut positionieren können. Nach einem kurzen Schauer,  konnte ich heute auch wieder draußen  kochen. Aber die Luftfeuchte, v. a. am Abend ist immens hoch. Die Sachen, die ich zum trocknen rausgehängt habe, waren innerhalb kürzester Zeit feuchter als davor. Jetzt hoffe ich auf Wind und Sonne am Morgen.

Aber friedlich in der Natur
Auch aus der Ferne ist das Meer (Bucht von Morlaix) schön

Doch nun zum heutigen Tag…

Da ich wieder erst gegen morgen eingeschlafen bin und der heutige Tag mit schlechtem Wetter angekündigt war, habe ich lange ausgeschlafen, bis ich mit Lüften,  frühstücken und Co. fertig war, war es bereits kurz nach zwölf, als ich mich auf den Weg Richtung Roscoff machte. Unterwegs wollte ich beim Leuchtturm Pontusval etwas nordwestlich von Menez Ham, bei der Allée Couvert von Guirnivit (eine steinzeitl. Grabstätte) und beim Menhir de Cam-Louis – beides in der Umgbung von Plouescat – Zwischenstopps einlegen.

Leuchtturm Pontusval eingebettet in Granitfelsblöcke
Neben diesen riesigen Geanitfelsen wirkt der Yoggi winzig

Die Allée Couvert von Guirnivit trotzt schon seit tausenden von Jahren den Gezeiten. Bei Ebbe ist sie komplett zugänglich. Ich hatte Glück zur richtigen Zeit da zu sein. Aber vorsichtig, der nasse Sand ist stellenweise sehr glitschig. Als die Menschen diese Grabstätte errichteten, war die Küste noch viel weiter weg und das Wasser hat sie natürlich nicht jeden Tag übererspült. Heutzutage ist sie bei Flut teilweise mit Wasser bedeckt.

Allée Couvert von Guirnivit

Oberhalb der Allée Couvert von Guirnivit gibt es auf einem Hügelchen wieder tolle Granitfelsen. Man sollte sich aber auf den Wegen halten, um sie sich anzusehen. Ich habe es nicht getan und bin deshalb wie Alice im Wunderland in einen Kaninchenbau gestürzt. Zum Glück habe ich mich nicht verletzt,  aber ordentlich schmutzig bin ich geworden,  als ich bis zum Oberschenkel in dem Loch steckte

Allée Couvert von Guirnivit
Wieder ein vergessen wirkendes Boot

Nur wenige Kilometer entfernt, direkt am Strand steht der Menhir de Cam-Louis. Ein sehr schönes Exemplar. Er ist mindestens 4-5 Mann hoch. Um ihn herum liegen in einem Kreis kleinere Steine. Ich weiß allerdings nicht, ob die da schon immer so angeordnet lagen oder aus  neuerer Zeit stammen. Unweit davon liegen aber noch einige etwas größere Brocken fast geradlinig in einer Reihe im hohengras versteckt. Es ist ein sehr friedlicher Ort,  der auf mich sehr beruhigend wirkte.

Menhir de Cam-Louis

Und auch der Strand dort ist sehr schön. Mich haben neben  den Wellen und Felsen heute v. a. die Farben fasziniert.

Man möchte in dieses Häuschen auf den Klippen glatt einziehen
Auf einem Hügel über dem alten Hafen thront die Kapelle Sainte-Barbe.

Als ich in Roscoff ankam,  war ich schon ziemlich erschöpft. Vom Parkplatz an der Kapelle Sainte-Barbe, bin ich daher nur zur Kapelle und am Hafen vorbei kurz durch die Altstadt gelaufen. Die Kapelle dient noch heute mit ihrem leuchtenden Weiß den Seeleuten als Landmarke. Von der Kapelle aus hat man in die eine Richtung einen herrlichen Blick auf den alten Hafen und die sich daran anschließende Altstadt von Roscoff, die vom schönen Renaissance-Turm der Kirche „Notre-Dame-de-Kroaz-Baz“ überragt wird und in die andere auf eine kleinevorgelagerte Insel mit den Resten eines Forts. Auch hier hatte Vauban wieder seine Finger im Spiel,  allerdings stand das Fort schon vor seiner Zeit. Er hat die Befestigung von Roscoff, das immer wieder von den Briten angegriffen wurde mit Kanonen bestücken lassen.

Blick auf alten Hafen und Altstadt von Roscoff
Fort von Roscoff
Altstadt von Roscoff mit der Kirche Notre-Dame-de-Kroaz-Baz und ihren Gassen
Älteste Straße von Roscoff

Die Keller waren früher zur Straße offen. Die Händler nutzten die Keller als Lager und es war wichtig für sie, jederzeit schnell an ihre Waren zu kommen.  Deshalb hat jedes Haus hier so einen Keller.  Da es öfter zu Unfällen kam, weil Menschen in die Keller stürzten,  gab es irgendwann eine Verordnung,  dass die Kellereingänge verschlossen/bedeckt werden müssen. Die Fassaden/Giebel sind oft reich verziert.  Ein Anzeichen dafür,  dass hier früher reiche Händler und Kaufleute gelebt haben.

Une expérience extraordinaire und viel bon Chance…

Ich bin heute Nacht erst gegen 2 Uhr eingeschlafen. Zum einen scheine ich gerade wieder einmal in der tired-but-wired-Phase zu sein, zum anderen war wider erwarten trotz des schlechten Wetters so lange immer noch ein kommen und gehen auf dem Parkplatz (wer weiß,  was ich mir da für einen Parkplatz ausgesucht habe…).

In Le Conquet habe ich auf Anhieb einen Parkplatz gefunden und auch den Weg zum Hafen hat Google Maps mir zuverlässig gewiesen. Sogar der heftige Regen hat pünktlich aufgehört. Kurz vorm Hafen, fiel mir auf, dass ich zwar den englischsprachigen Audioguide aufs Handy geladen,  die Kopfhörer aber im Auto liegen lassen habe. Der Kapitän unseres Schlauchboots hat mich auch prompt darauf angesprochen. Ein Kunststück bei 3 Passagieren,  rauszufinden, welches die ist, die nichts versteht. Er hat mir angeboten, mir im Nachgang alles auf Englisch zu übersetzen,  aber das war gar nicht nötig. Meine Zunge hat sich zwar noch nicht daran gewöhnt,  aber meine Ohren verstehen mittlerweile wieder etwas mehr Französisch. Da ich mir im Vorfeld ein wenig Wissen angelesen und gestern am Phare Saint-Matthieu einiges über die Gegend und ihre Geschichte erfahren habe, habe ich tatsächlich so ziemlich alles verstanden.  Ich kann zwar nicht die Namen, der einzelnen Vogelarten wiedergeben,  aber ich habe verstanden,  was über die jeweiligen Tiere erzählt wurde. Der Kapitän hatte wohl mehr Erfahrung als der Guide und hat ihn ab und zu ergänzt oder auf etwas hingewiesen was dieser vergessen hatte. Man hat richtig gemerkt, dass er dafür brennt und ein breites Wissen zur Natur und Geschichte des Ortes hat. Auch über das hinaus, was man üblicherweise in Reiseführern oder auf Schildern liest. Und dass er dieses Wissen gerne teilt. Außerdem hat er supergute Augen und hat so jeden interessanten Vogel, die kleinsten,  best getarntesten Robben und die beiden Delfine in der großen Iroise-See ausgemacht und uns sicher hinnavigiert.

Das war wirklich ein außerordentliches Erlebnis. Die beiden Delfine (große Tümmler)  sind teilweise richtig nah ans Boot herangeschwommen. Man hätte fast die Hand nach ihnen ausstrecken können. Vor Staunen habe ich in dem Moment ganz vergessen zu fotografieren.  Allerdings sind die beiden auch immer so schnell wieder abgetaucht,  dass ich – glaube ich –  überwiegend Flossen und ab und zu mal einen Rücken fotografiert habe. Und auch wenn der Kapitän die Tiere gut kennt, sieht er sie doch auch nicht jeden Tag und meinte wir hätten Glück.

Unser Kapitän bereitet unser Boot vor
Blick auf Le Conquet
Bon Chance! Tatsächlich 2 Delphine!
Und wie dicht sie kamen
Phare des Pierres Noires
Phare de Kermorvan

Da die Tour um 3 Stunden vorverlegt worden ist, waren wir nicht zur Ebbe unterwegs. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Robben sich normalerweise am Strand einer bestimmten Insel zum ausruhen aufhalten. Dennoch hatten wir auch da Glück. Ab und zu hat der Kapitän einen Kopf aus dem Wasser ragen sehen und uns vorsichtig,  ohne die Tiere zu stören,  näher herangebracht. Und auf dem Rückweg hat er auf einem  Felsen tatsächlich auch noch eine Robbenfamilie ausgemacht, die sich dort gesonnt hat. So waren auch noch ein paar gute Schnappschüsse von Robben möglich.  Das Wetter hat es wirklich gut gemeint, die See war relativ ruhig, der Wind gut auszuhalten und am Ende kam sogar die Sonne raus.

Auf dem Rückweg zum Auto fand ich noch eine kleine Kirche, die einem für seine Zeit sehr fortschrittlichen Priester und Missionar gewidmet ist. Dieser „verrückte“ Dom Michel de Nobletz (1577-1652) hat es doch tatsächlich gewagt, Frauen seine Texte rezitiert zu lassen….

Da ich sicherheitshalber nur ein kleines Frühstück zu mir genommen hatte,  habe ich mir auf dem Weg zurück zum Parkplatz in einer Patisserie eine kleine französische Sünde geholt. Denn Seeluft macht hungrig. Damit bin ich auf einen Picknickplatz außerhalb der Stadt gefahren,  habe mir eine Kaffee dazu gekocht und die Leckerei verspeist.

Un Chou

Da ich schon den Kocher draußen hatte und es überraschend trocken von oben ist,  habe ich gleich noch mehr heißes Wasser gemacht und das Kochgeschirr von gestern Abend abgewaschen. Dazu war bei dem Regen noch keine Gelegenheit gewesen.

Der Tag ist zu Ende und es ist wieder spät geworden.  Daher lasse ich heute erstmal nur noch Bilder sprechen. Morgen wieder mehr.

Eines der bekanntesten Fotomotive – das Corps du Garde in Menez Ham
„Wie kann ein Tag der so verregnet begonnen hat, schöner enden“ dachte ich, bevor ich kurz darauf doch noch klatschnass wurde 🙂

Sommerhitze in Lanvoy und Regen an der Pointe Saint-Matthieu

Nachdem es gestern oder vielmehr heute bereits 0:30 Uhr war, bis ich endlich ins Bett kam und mein Körper bereits signalisiert hat, dass ihn der Tag sehr angestrengt hat, bin ich um 9:15 Uhr ziemlich ausgedörrt in einem 29° warmen Auto erwacht. Ich war zwar im Laufe der Nacht mehrmals kurz wach, aber ab 6 Uhr habe ich ganz gut geschlafen. Hätte ich geahnt, dass die Sonne am Morgen so auf das Auto brutzelt, hätte ich gestern Abend noch das Solarpanel aufgestellt. So konnte ich die Sonne erst ab 9:30 Uhr nutzen.

Mir war gestern schon im Dunkeln aufgefallen,  dass es hier recht schön zu sein scheint,  aber erst im Tageslicht kommt der Zauber des Ortes so richtig zur Geltung. Der Parkplatz liegt zwischen der Ruine einer alten Kapelle (Kapelle von Lanvoy), einem Spielplatz und dem Wasser.

Blick übers Wasser bei Ankunft in Lanvoy

Nachdem mich die argwöhnisch Blicke (so kam es mir zumindest vor) der Anwohner, anfangs irritiert hatten, beschloss ich doch, hier zu frühstücken. Es sprach einiges dafür: die Toilette war offen, wenn auch kein Wasser am Waschbecken kam, es gab schöne Picknicktische am Wasser, ich war erschöpft,  die Powerstation leer, die Sonne schien die meiste Zeit und die Kapelle lud zu einem Besuch ein.

Herzrasen, Erschöpfung, Nervenkribbeln und dass mir dauernd etwas aus den Händen fällt, zeigen darüberhinaus an, dass dringend Ruhe und Regeneration angesagt sind. Und wer weiß, ob und wann ich heute nochmal ausreichend Sonnenenergie für die Powerstation bekomme.

Aussicht beim Frühstück

Nach dem Frühstück mit grandioser Sicht aufs Wasser und glückliche Kinder auf dem Spielplatz und noch mehr komischen Blicken von deren Vätern und Großeltern (es war nie eine Mutter dabei), habe ich mir die Ruine angeschaut. Einige Bereiche sind seit einem Orkan in der Nacht 1./2. November 2023 abgesperrt. Dennoch kann man alles sehen.  Auf einer verwitterten Hinweistafel steht zwar „gesperrt bis zum Abschluss der Widerinstandsetzung“, aber es macht nicht den Eindruck, dass hier aktiv etwas getan wird. Schade, aber vermutlich wäre das ein sehr teures Unterfangen.

Chapelle de Lanvoy

Ich hatte gehofft, in der Kühle der nebenstehenden kleineren Kapelle Zuflucht zu finden, da alle Sitzmöglichkeiten am Parkplatz in der Sonne stehen und ich Wärme gerade nicht vertrage, aber sie ist wohl nur bei Gottesdiensten zugänglich. Daher sitze ich jetzt an einer schattigen Stelle am Fuß der Ruine auf einem am Boden liegenden Stein und werde die Gelegenheit nutzen, meinen Bericht für gestern zu schreiben. Um mich herum zwitschern die Vögel und sunnen die Hummeln.

Um die Powerstation fast voll zu laden,  blieb ich noch bis 16 Uhr in Lanvoy. Den in den nächsten Tagen wird es keine Sonne geben. Außer Blog schreiben und schauen,  was ich als nächstes machen könnte, habe ich nicht viel geschafft. Es war heiß und ich erschöpft. Zum Glück habe ich noch herausgefunden,  wie ich das Wasser am Waschbecken in der Toilette anbekomme, so dass ich mir ab und zu Unterarme und Gesicht abkühlen konnte. Bei meiner Fahrt Richtung Westen wurde es zunehmend bewölkt und schwül. In Brest war es kaum auszuhalten,  zumal ich in Feierabendverkehr kam. Eine riesige, turbulente Stadt. Die große 🏰 hätte mich schon gereizt, aber Brest hätte mich aktuell hoffnungslos überfordert und so war ich froh, als ich aus der Stadt raus war.

Gegen 17:30 Uhr kam ich an der Pointe Saint-Matthieu an. Der Legende nach sind die Seeleute mit dem Leichnam von Matthäus hier gelandet und im 6. Jahrhundert soll hier das erste Kloster gegründet worden sein. Dieses hatte angeblich den Schädel von Matthäus als Reliquie.

Hier kann man den Leuchtturm und eine Kapelle innerhalb der Ruinen einer alten Abtei besichtigen. Die Abtei ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut worden, so dass sich dort romanischer und gotischer Baustil vermischen. Die Abtei wurde im 11. Jahrhundert gegründet und während der französischen Revolution aufgegeben. Der hohe Kirchturm wurde von den Mönchen lange Zeit als Leuchtturm benutzt, bevor das Recht einen Leuchtturm zu betreiben an die Marine ging. Die 163 Stufen auf den Leuchtturm sind im Moment zuviel für mich und es war ja auch schon spät. Daher bin ich noch ein wenig auf der Landspitze spazieren gegangen. Natürlich habe ich auch einen kleinen Abstecher zur Gedenkstätte für die vermissten französischen Seeleute gemacht. Auf dem Gelände verteilt sind immer wieder Tafeln mit Namen von vermissten Schiffen. Vor der Küste gibt es sehr viele Felsen und nur eine sehr enge Passage Richtung Brest. In früheren Zeiten,  mussten Schiffe oft tagelang warten,  bis sie nach Brest weitersegeln konnten,  weil die Bedingungen nicht geeignet waren. Es kam zu regelrechten Staus vor der engen Passage.

Gedenkstätte für vermisste Seeleute
An der Küste entlang ist auf fast jeder Landspitze ein Leuchtturm

Als der mittlerweile eingesetzte Regen zu stark wurde, habe ich mich auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz gemacht. Zwischen Strand und Campingplatz  Les Blancs Sablons fand ich einen geeigneten Parkplatz mit einer sauberen Toilette direkt auf der anderen Straßenseite. Nach einem kurzen Spaziergang zum Strand habe ich in einer Regenpause eine Kleinigkeit gekocht.

Am Strand les Blancs Sablons
Am Strand les Blancs Sablons

Das war auch dringend nötig nach ein paar Tagen nur Brot, Gebäck, Obst, Nüsse und Gemüse. Da es hier von Mücken nur so wimmelt, wollte ich nicht wie üblich unter der offenen Heckklappe kochen. Mücken im Schlafzimmer sind übel,  aber im Auto kann man ihnen noch weniger entkommen. Daher musste ich improvisieren.

Meine improvisierte Küche

Ich habe es dann gerade rechtzeitig zum nächsten heftigen Regenguss geschafft mit kochen fertig zu werden. Als es zu Gewittern anfing fürchtete ich schon, dass ich das Kochen abbrechen müsste.

Da ich nicht so fit bin und nicht soviel besichtigen kann,  wie ich gerne würde, nutze ich die Angebote für Touristen  (Petit Trains, Bootsfahrten), um möglichst viel vom Land (und Meer) mitzubekommen. So kann ich Pacing und Besichtigungen vereinen. Daher habe ich für morgen eine Exkursion mit einem Boot zur Entdeckung von Flora und Fauna gebucht. Die beiden Guides werden in den Bewertungen sehr gelobt und der Veranstalter arbeitet eng mit lokalen Naturschutzorganisationen zusammen.  Sie hätte am Nachmittag stattfinden sollen, wurde nun aber wegen widrigen Wetterbedingungen (Sturm) auf den Vormittag verlegt. Ich bin sehr gespannt. Ob ich endlich meine ersten Delphine in freier Wildbahn zu sehen bekomme. Mit etwas Glück erwischen wir ja ein regenfreies Zeitfenster.

Ein langer Tag

Heute habe ich nach einem langen Tag mit vielen Eindrücken erst um 23:00 Uhr ein Plätzchen zum Schlafen gefunden.  Da ich noch etwas essen muss und das Auto für die Nacht herrichten,  werde ich heute nicht mehr schreiben.

Nach einer warmen Nacht im Auto hole ich nun den Bericht nach.

Auf dem Parkplatz am Pointe de Chèvre war am Morgen schon viel los. Fast minütlich kamen Autos, die Wanderer ausspuckten. Eine Sitzgelegenheit gab es auch nicht und campieren war verboten,  was bei 24h-Parkerlaubnis bedeutet, dass man zwar übernachten, aber nichts (Stühle,  Tische, Markisen etc.) Auspacken darf. Daher bin ich nach einer kurzen Morgentoilette aufgebrochen. Ich wollte eine Wanderung von einem nahegelegenen Dorf zur Pointe de Dinan machen. Das zu finden war gar nicht so leicht. Ich weiß nicht,  ob es an den vielen Militäreinrichtungen in der Umgebung oder daran liegt, dass es am Ende der Welt (die Region heißt nicht umsonst Finistière) ist, aber beide Navis waren wieder völlig überfordert. Ich sollte mehrmals in Wiesen oder auf Privatgrundstücke abbiegen oder stand plötzlich am Ende einer Straße. Ich habe es dann mit Karte und gelegentlichen Stopps geschafft nach über einer halben Stunde für eigentlich nur etwas mehr als 5km, an meinem Startpunkt anzukommen. Nicht von einem der offiziellen Parkplätze nahe der Pointe zu starten hatte auch den Vorteil,  wenig Menschen zu begegnen. Abgesehen von der wunderbaren, relativ unberührten Natur wurde ich mit großartigen Ausblicken belohnt.

Kleine versteckte Bucht auf dem Weg zur Pointe de Dinan
Schroffe, zerklüftete Klippen
Nicht authentisch,  aber trotzdem hübsch, Fund an einem der Kiesstrände
Blick Richtung Pointe de Dinan und Pen Hir
Mein erster „Bogen“ in der Bretagne,  Pointe Dinan

Auch hier sind die Klippen durchzogen von Hohlräumen.

Weitere Höhlen und Bögen an der Pointe de Dinan
Wenn man ganz still ist, kommen einem die Möwen nahe, auch wenn man nichts zu essen hat
Blick Richtung Pen Hir
Weiterer Bogen an der Pointe Dinan

Auf dem Rückweg habe ich in einer der versteckten Buchten mein mitgebrachtes „Frühstück“ (nach 13 Uhr) verzehrt, bevor ich mich an den letzten steilen Anstieg gemachthabe. In dieser Umgebung schmeckt das einfachste Essen und altbackenste Brot noch köstlich. So schön die Klippen und versteckten Buchten auch sind, wenn man an ihnen entlangwandert, geht es immer wieder steil bergauf und -ab. Außerdem ist gutes Schuhwerk unverzichtbar und auch ohne Wanderstöcke hätte ich es wohl kaum geschafft. Der Küstenwanderweg, der sich auf rund 2000km an der bretonischen Küste entlangschlängelt ist auf jeden Fall sehr schön.  Vielleicht kann ich irgendwann mehr als 3-4 km davon gehen. Es erinnert mich an ein sehr gutes Buch, das ich vor ein paar Jahren gelesen habe und sehr empfehlen kann: der Salzpfad von Raynor Winn. Ein Biographischer Bericht einer Frau, die aus einer Notssituation (unverschuldete Obdachlosigkeit) heraus mit ihrem schwerkranken Mann den South West Coast Path in England wandert. Eigentlich ist das Buch sogar ein gutes Beispiel dafür,  dass man vieles schaffen und überleben kann, wenn man muss und will, auch wenn einem der Körper sagt, dass er das eigentlich nicht kann.

Nach einem Zwischenstopp in Crozon, um Brot und frisches Obst und Gemüse zu besorgen, fuhr ich weiter nach Camaret-sur-Mer. Den geplanten Ausflug zum Pen Hir habe ich ausgelassen, weil die kleine Wanderung am Morgen, mich mehr angestrengt hatte als erwartet. Da wollte ich mir keine weitere Wanderung inmitten von Touristenströmen zumuten. Von der Pointe Dinan aus hatte ich gesehen,  wieviele Menschen dort waren. Entgegen meiner Erwartungen hat mich Camartet dann auch mit einigen interessanten Entdeckungen überrascht. Auch hier wieder karibisches Feeling. Schneeweißer Sandstrand mit türkisfarbenem Waser, mittlerweile brannte auch die Sonne bei rund 23°. Ein paar Mutige waren sogar im Wasser. Ich war sehr in Versuchung, die Schuhe auszuziehen und durch die Wellen zu laufen, aber der Gedanke, dann am Abend mit sandigen Füßen ins Bett zu müssen,  hat mich abgehalten. Hätte ich da schon gewusst,  dass ich noch in Camaret-sur-Mer die Möglichkeit finden würde,  sowohl die Füße als auch den Rest gründlich zu waschen,  hätte ich es getan. Sandige Füße habe ich bei der Spurensuche am Fossilienstrand von Camaret-sur-Mer nämlich trotz Socken und Schuhen ohnehin bekommen.

Strand von Camaret-sur-Mer
Leuchtturm von Camaret-sur-Mer

Geplant war, mir „schnell“ den Vauban Turm anzusehen. Quasi Pflichtprogramm, wenn man in einer Stadt lebt, die diesem Man einen ganzen Stadtteil gewidmet hat.  Für die, denn der Name genausowenig sagt wie mir bevor ich nach Freiburg zog: Vauban war ein französischer General, Festungsbaumeister Ludwigs XIV. und Marschall von Frankreich.

Er hat zahlreiche Festungen gebaut und erfolgreiche Schlachten für Frankreich geschlagen. Unter anderem hat er in Camaret-sur-Mer einen britischen Angriff erfolgreich verhindert. Auf dem Weg zum Turm entdeckte ich einen kleinen Schiffsfriedhof. Er ist direkt bei der Chapelle Notre Dame de Rocamadour und dem Vauban Turm. Die Dichte an Sehenswürdigkeiten lockt auch viele Künstler an, wodurch auch als ich da war überall dazwischen Menschen mit Blöcken und Stiften saßen und malen. Ein Anblick, den man in der Bretagne häufig findet.

Schiffsfriedhof in Camaret-sur-Mer

Die Kapelle wurde zwischen 1610 und 1648 gebaut. Woher der Name stammt ist nicht ganz klar. Eine mögliche Erklärung ist eine Ableitung aus dem keltischen von  Roc’h = Fels und Dour =Wasser. Der Glockenturm wurde am 30. Juni 1694 bei einem Angriff durch britische Soldaten, die Brest einnehmen wollten, beschädigt und seither nicht wieder instandgesetzt.

Vauban-Turm und an der gegenüberliegenden Landzunge modernere Festungsanlagen / Bunker

Nach nur 3-minütiger Fahrt kam ich zu den Menhiren von Lagartjar. Ich war überrascht,  dass dieses Menhirfeld quasi noch mitten im Ort ist. Es ist ein beeindruckender Ort mit toller Atmosphäre. Man kann hier auch wundebar meditatieren, wenn man sich nicht an den anderen Touristen stört. Aber ich habe auch den ein oder anderen entdeckt, der die Steine in gespannter Erwartung angefasst hat. Soweit ich es gesehen habe, ist aber keiner durch ein magisches Portal (Outlander-Fans wissen wovon ich rede) verschwunden ;-). Ursprünglich waren hier bei einer Erfassung im Jahr  1776 600 Menhire gestanden. Als der Ort zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Denkmalschutz gestellt wurde, waren es nur noch 100. Sie werden auf die Zeit um 2500 v. Chr. datiert.

Menhirfeld von Lagartjar

Direkt daneben findet man die Ruine des Herrenhauses von von Pierre Paul Roux de Magnifique, einem französischen Dichter, der das majestätische Herrenhaus 1905 auf der Klippe von Pen Hat baute. Von seinen 4 Rundtürmen aus, hatte er einen großartigen Ausblick in alle 4 Himmelsrichtungen.

1940 wurde das Haus von der Wehrmacht besetzt, viele der Schriften des Dichters vernichtet, die Gouvernante ermordet und der Dichter und seine Tochter verletzt. Weil die Wehrmacht das Haus besetzt hatte, wurde es mehrfach bombardiert und brannte schließlich aus. Ein trauriges, wenn auch pitoresques Mahnmal. Der Dichter soll sich von den Ereignissen um die Besetzung seines Hauses nicht mehr erholt haben und bald darauf gestorben sein.

Von Camaret-sur-Mer ging es nach einer weiteren abenteuerlichen Fahrt zum Schiffsfriedhof von Rostellec. Dort liegen zahlreiche (über 20) Schiffe in unterschiedlichem Verfallsstadium, die dort gestrandet sind. Darunter grosse Schiffe bis zu 20 m Länge. Der Ort ist eng verbunden mit dem Schiffsbauer Auguste Tertu, der hier in den 70er Jahren über 1000 Schiffe entworfen hat. Das Gelände gehört noch heute seinen Nachfahren. Darüber hinaus ist es ein Ort der Erinnerung für viele Seefahrer. Ich war am Abend gegen 20 Uhr dort und  da mittlerweile die Sonne schien, war ideales Licht zum Fotografieren und ich war über 1 Stunde da und bin zwischen den Skeletten der ehemals majestätischen Boote und noch jüngerer Wracks herumspaziert. Hin- und hergerissen zwischen „ist das Kunst oder kann das weg?“ Auch wenn es ein faszinierender Ort ist, liegt da doch jede Menge „Müll“ in der Natur. Da gerade Ebbe, wenn auch nicht Niedrigwasser war, kam ich überall gut ran. Allerdings war es auch ziemlich modderig und neben dem typischen Schlickgeruch gab es auch unendlich viele Mücken. Vor lauter Begeisterung habe ich das gar nicht so bemerkt, aber später im Bett, konnte ich kaum einschlafen,  weil die vielen Stiche so juckten. Leider konnte ich von den beiden großen Schiffen Averse und  Ondée, zwei Wassertankern, die in den 1980er Jahren zur Versorgung der Inseln des Iroise-Meeres (Molène, Sein) und der Île Longue dienten, keine Spur finden. Nur ein weiteres Militärgelände. Wäre ich Flacherdler würde ich einen Zusammenhang zur Unzuverlässigkeit meiner Navis sehen, oder Rosellec ist so etwas wie Bielefeld in Deutschland 😉

Unterwegs kam ich später noch an dem kleineren Schiffsfriedhof in le Fret vorbei.

Ich hatte eigentlich geplant, die Nacht auf dem Parkplatz bei der Touristeninformationen in Landévennec zu verbringen, aber der Parkplatz war mir dann doch zu schräg und hat sich irgendwie nicht so gut angefühlt. So bin ich nach einer weiteren halben Stunde Fahrt gegen 23 Uhr auf einem Parkplatz bei der Chapelle de Lanvoy gelandet. Unterwegs hatte ich einen prächtigen Sonnenuntergang und hier spiegelte sich der große,  rötliche Mond traumhaft im Wasser. Das erschienen mir gute Zeichen und ich hätte zu der Zeit auch einfach nicht mehr weiterfahren können.

Ich glaube, ich habe heute so ziemlich alle möglichen Aspekte der Crozon-Halbinsel in einen Tag gepackt erlebt.

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