Tag: 5. Juni 2025

Ruhetag mit Aufregung

Nach einer langen Nacht bin ich heute etwas erholter aufgewacht. Da es den ganzen Tag regnen soll und ich hier die Möglichkeit einer Dusche habe, bietet es sich an,  endlich einmal in den Atlantik zu hüpfen. Anscheinend hat sich heute Nacht der 12V-Anschluss der Powerstation abgeschaltet. Ich habe keine Erklärung dafür. Was mir erst später bewusst wurde, dadurch hat auch die Kühlbox wieder keinen Strom gehabt :-(.

Nachdem ich in einer Phase mit weniger Regen im Badeanzug das Ladegerät an die Autobatterie angeschlossen hatte, habe ich eine Tasche gepackt und bin erst an den Strand und dann unter die Dusche gegangen.  Zugegeben,  der Wind ist etwas frisch und lässt einen die knapp 15 Grad Lufttemperatur noch kühler wahrnehmen,  aber nachdem ich im noch etwas kühleren Atlantik war, kam es mir draußen gar nicht mehr kalt vor und ich bin noch etwas am Strand entlang gegangen,  bevor ich mich unter die heiße Dusche gestellt habe. Das tat wirklich gut. Die Tür zum Sanitärgebäude ist immer offen, weshalb  dort Vögel im Gebälk nisten. Das war fast wie in der Regenwalddusche. Von oben in sanftem Strahl warmes Wasser bei Naturgeräuschen und leichter Brise. Als ich meine Sachen wieder zusammen gepackt habe und eigentlich noch die Haare föhnen wollte, zumal es wieder angefangen hatte zu schütten, habe ich bemerkt dass das Etui für den elektrischen Autoöffner leer ist. Auch ein entleeren des kompletten Tascheninhalts hat ihn nicht zutage gefördert. Nach und nach wurde mir bewusst,  dass Ersatzschlüssel, Handy und Geld,… einfach alles im abgeschlossenen Fahrzeug lagen und ich so weder Hilfe holen,  noch wetterfeste Kleidung anziehen könnte.  Also bin ich die Wege,  die ich seit verlassen des Autos zurückgelegt habe in strömenden Regen abgegangen und habe danach gesucht. Das Adrenalin hat dabei die komplette Entspannung aufgefressen, erschöpft war ich nach der Dusche sowieso wieder gewesen.  Zum Glück habe ich den Türöffner am Strand wieder gefunden und trotz Nässe hat er auch funktioniert. Um nicht unnötig Feuchtigkeit ins Auto zu schleppen,  habe ich die nassen Klamotten und Handtücher in der Dachbox verstaut,  die sich dann nicht mehr verriegeln ließ. Die nächste Stresswelle. Dabei wollte ich heute doch nur ausruhen und Kraft tanken. Nach einigen langen Minuten und Versuchen,  konnte ich die Dachbox dann endlich wieder verriegeln. Die Aktion hat allerdings auch dafür gesorgt,  dass es mir ins Auto geregnet hat. Soviel dazu, nicht unnötig Feuchtigkeit ins Auto zu bringen 🙂

Es war mittlerweile Mittag und ich wollte nur endlich frühstücken und einen Kaffee. Normalerweise bereite ich mir Mahlzeiten auf der aufgeklappten Fläche der Sleepbox am Kofferraum zu. Darin habe ich mittlerweile auch eine gewisse Routine.  Das im Fahrzeug bei geschlossenen Türen zu machen erfordert doch einiges an Geschick. Bei einer der Kletteraktionen von hinten nach vorne, um das heiße Wasser zum Kaffeefilter zu bringen,  bin ich an die improvisierte „Frühstücksplattform“ auf dem Beifahrersitz gestoßen,  wodurch sie umgekippt ist und der Kaffeefilter durchs Auto flog und dabei das Kaffeepluver im Fahrzeug verteilt hat. So hat sich das Frühstück dann noch etwas verzögert. Außerdem musste ich feststellen, dass ein Teil meiner Lebensmittel das wiederholte ausfallen der Kühlbox nicht gut fanden und verdorben sind. Es ist mittlerweile 14 Uhr und ich hoffe, nun langsam zu der für heute eigentlich geplanten Erholung übergehen zu können.  Gerade ist auch eine kleine Regenpause. Ich verlasse mal das Auto und bringe etwas, sanfte Bewegung in meinen verkrümmten Körper 😉

Die Regenpause hat lange angehalten und ich konnte die Zeit nicht nur für einen kleinen Spaziergang am Strand entlang und um den Campingplatz samt Abstecher bei den netten Damen an der Rezeption nutzen, sondern gleich auch noch ein paar nützliche Dinge tun. Z. B. Tee und eine heiße Milch auf dem Gaskocher kochen,  denn bei Blasenentzündung soll man ja viel trinken. Durch das viele ruhen gestern haben sich Blase und Ausschlag zwar beruhigt,  aber ganz ok sind sie noch nicht wieder. Außerdem habe ich gleich noch heißes Wasser zubereitet, um mir später wenigstens eine Instant-Nudelsuppe machen zu können. Für ausreichend warmes im Bauch ist also auch gesorgt. Mein Reisewasserkocher fürs Auto hat sich nämlich als ziemlich schlecht herausgestellt. Es dauert ewig und der 12V-Stecker wird dabei sehr heiß.  Das Modell ist wohl nicht empfehlenswert.

Außerdem habe ich meinen Frischwassertank aufgefüllt und seine zwar etwas läppische, aber sehr nützliche Ausgußtülle repariert,  die mir bei einem der letzten Campingausflüge eingerissen ist. Seither hat sie nicht mehr richtig gehalten . Dank Panzertape ist sie jetzt wieder tiptop.

Und ich bin jetzt gut vorbereitet für ein paar gemütliche Stunden bis zum Schlafengehen. Camping und Roadtrip ist nicht „nur“ Freiheit und in den Tag leben, sondern erfordert auch einiges an Organisation und Planung. Insbesondere wenn es z. B. schlechtes Wetter gibt und man an manche Stellen bzw. die dort verstauten Dinge nicht rankommt, ohne Wasser im Auto zu riskieren und sich wasserfest einzupacken. Außerdem wird das Leben auf rund 3,5m² sonst ganz schnell das reinste Chaos.

Da es heute keine Bilder von tollen Landschaften u. ä. gibt, will ich euch kurz meine Mitbewohner vorstellen,  mit denen ich den Platz hier teile.

Dieser nette Geselle hüpft hier immer wieder um mich herum
Und über mir baut ein Taubenpaar sein Nest

Man kann der Realität nicht entfliehen.

Tja, was soll ich sagen… ich wollte einen ehrlichen Reisebericht schreiben,  keinen romantisch verklärten, denn davon gibt es genug. Wenige erzählen, dass Vanlife (gibt es auch einen passenden Ausdruck für Mikrocamperlife?), nicht immer nur schön,  frei und umgeben von wilder Natur ist. Und ein Roadtrip mit CFS macht es nicht einfacher. Mein Versuch CFS zu ignorieren und einfach nur eine gute Zeit zu haben,  hat nicht ganz funktioniert. Schlafpuls und HRV waren letzte Nacht ziemlich schlecht,  der Blutdruck ist ziemlich hoch, mir schmerzen die Muskeln,  ich habe Sehstörungen und zu allem Überfluss auch noch eine Blasenentzündung. Erschöpft bin ich sowieso. Auch wenn der gestrige Tag wunderschön war, ist Eustress (Positiver Stress) für den Korper eben doch einfach nur Stress. Er reagiert darauf genauso wie auf den üblichen Stress. Dazu schwankt meine Stimmung alle paar Minuten zwischen total glücklich und Verzweiflung.

Zu den etwas objektiveren Daten: die Powerstation war heute morgen wieder leer, die Kühlbox trotz kühler Umgebungstemperatur nicht mehr wirklich kühl, alles ist klamm und voller Sand. Ich war davon ausgegangen,  dass die Powerstation bei den 30 Minuten Fahrt nach Quiberon und dann den 1,5h hierher gut geladen sein müsste. Als ich vorher das Solarpanel angeschlossen habe,  in der Hoffnung trotz Bewölkung wenigstens ein bisschen Strom zu bekommen,  habe ich bemerkt, dass sich wohl der Verbindungsstecker von Autoladekabel zum Kabel der Powerstation unbemerkt gelöst hatte. Somit kam wohl gar kein Strom während der Fahrt an der Powerstation an. Ich überlege,  ob ich mir für heute Abend doch einen Campingplatz mit Stromversorgung suche, zumal auch eine Dusche sicher nicht schaden würde.  Ich habe bisher zwar immer Möglichkeiten gefunden,  mich morgens und abends ordentlich zu waschen,  aber ich habe seit 4 Tagen einen zunehmenden juckenden Ausschlag ausgehend von den Schultern über Nacken, Ohren,phasenweise Gesicht, Decolté und oberen Rücken. Ich vermute eine Allergie,  auch wenn ich keine Ahnung habe worauf. Aber auch Allergien und Ausschläge habe ich seit der Erkrankung öfters,  ohne immer sagen zu können,  woher. Da ich hier aber so gut wie kein mobiles Netz habe, kann ich nicht schauen,  wo ein passender Campingplatz wäre bzw. wie weit es Sinn machen würde,  heute zu fahren.  Die nächsten Ziele liegen eigentlich relativ dicht beieinander. Da wird nicht viel geladen. Daher schwanke ich zwischen einfach losfahren und später schauen und noch ein wenig hierzubleiben und mich nochmal hinzulegen. Das Frühstück richten, war sehr anstrengend, zumal ich immer wieder die paar Meter zwischen Auto und Tisch hin und herlaufen musste. Aber das erste Frühstück in Ruhe und im Sitzen, seit ich losgefahren bin, tat gut. Außerdem ist für morgen viel Regen vorhergesagt. Ich habe ehrlich gesagt auch keine Lust bei Dauerregen auf einem Campingplatz festzuhängen. Ich kann ohne Internet gerade aber auch nicht nachsehen,  wie  die Aussichten auf den nächsten geplanten Streckenabschnitten sind, oder ob sich vielleicht ein Richtungswechsel anbieten würde. Mal sehen.

Ich glaube,  ich habe noch gar nicht erwähnt,  wo ich hier gelandet bin. Dieses hübsche Fleckchen Erde nennt sich Kerphany les Pines und befindet sich am äußersten Zipfel eines kleinen Fjords. Es ist zumindest am Morgen noch ziemlich friedlich und ruhig hier. Man hört meist nur Meeresrauschen und Vogelgezwitscher.

Es ist mittlerweile mehr als ein Tag vergangen. Gestern war nicht gut. Obwohl ich noch bis kurz nach Mittag in Kerphany geblieben bin und mich noch einmal hingelegt hatte, hat mich die ca. 20 Minütige Fahrt nach Pont-Aven so erschöpft,  dass ich erstmal wieder eine Pause gebraucht habe. Ein kleiner Spaziergang durch den historischen Ortskern im Zeitlupentempo hat mich völlig ausgelaugt.

Ich hatte bereits bei meiner Ankunft in Pont-Aven eingesehen,  dass Vernunft und Pacing jetzt Vorrang haben müssen und eine Buchungsanfrage für 2 Nächte bei einem Campingplatz kurz hinter Concarneau bei Forêt-Fouesnant gestellt. Der Eingang der Buchungsanfrage wurde auch umgehend bestätigt, aber die Buchung nicht. Nach einer weiteren Pause und einer kleinen Stärkung bin ich weitergefahren und habe in der Nähe des Campingplatzes auf einem Parkplatz mit Toilette bis 17:00 Uhr gewartet. Unterbrochen von gelegentl. Toilettengängen habe ich dort geschlafen.  Das hat wieder etwas Energie gegeben. So bin ich ohne Buchungsbestätigung zum Campingplatz und habe nachgefragt. Die Erklärung war dann ziemlich süß. Die jüngere  Mitarbeiterin der beiden an der Rezeption hat sofort meinen Namen erkannt und der älteren,  die mich bedient hat, gesagt, dass sie die Buchungsanfrage angenommen, aber die Reservierung nicht abgeschlossen hat, weil ich deutsch sei und sie die Mail nicht in deutsch hinbekommen hätte. Ihre Kollegin meinte, das wäre wohl kein Problem gewesen,  da ich sehr gut französisch spräche. Erstens sehe ich das anders, aber frisch ausgeschlafen geht es wohl wirklich halbwegs, zweitens konnte die junge Frau das ja anhand der Buchungsanfrage und der Adressangabe nicht ahnen. Wäre mein Gehirn in dem Moment etwas fitter gewesen,  hätte ich sie auf die Möglichkeit von online-Ubersetzungstools hingewiesen. Wir haben jedenfalls alle 3 sehr herzlich darüber gelacht und ich durfte mir einen von ca. 10 möglichen Plätzen aussuchen. Als ich zurückkam, um die Platznummer mitzuteilen,  gab es nochmal Gelächter, weil ich natürlich den besten ausgesucht hatte. Nur 1 Platz zwischen meinem und dem Pfad zum Strand (direkter Strandzugang) und Ausblick aufs Wasser, trotzdem durch Büsche etwas geschützt vor dem von der See kommenden Wind.

Da der Campingplatz mit 2,4ha und ca. 120 Parzellen recht überschaubar ist, ist trotzdem der Weg zu den Sanitärgebäuden nicht allzu weit. Ich habe die frisch gewonnene Energie genutzt, um das Auto auszuräumen und Bett, Mittelkonsole und die Einstiege vom Sand zu befreien und das Auto neu einzuräumen. Nach den ersten 5 Nächten hatte sich doch das ein oder andere herauskristallisiert,  was noch geschickter eingerichtet werden könnte. Die Powerstation und diverse Akkus hingen mittlerweile auch am Landstrom.

Danach habe ich mir den Platz und den Strand angeschaut. Es ist wie gesagt sehr überschaubar und daher auch nicht zu energieraubend gewesen. Dabei habe ich eine Knuddelpause bei einem bärengroßen Hund eingelegt und mir von ihm noch etwas Energie spenden lassen.

Damit konnte es langsam ans Abendessen kochen gehen. Das erste „richtige“ kochen, seit ich unterwegs bin. Beim Freistehen sollte man ja nicht groß seine Campingutensilien auspacken.

Bei Essen habe ich den Ausblick auf den Strand und das Meer genossen, bevor ich dann völlig erschöpft 10 Stunden mehr oder weniger durchgeschlafen habe. Ich bin wirklich positiv überrascht,  wie gut ich im Auto schlafen kann.

Beim Schlafengehen hat mein Auto mich noch darauf hingewiesen, dass die 12V-Batterie fast leer ist und dringend geladen werden muss. Der Nachteil bei den Kurzstrecken ist, dass die Fahrt nicht ausreicht, um die Starterbatterie aufzuladen,  zumal ich während der Fahrt mit Powerstation, Kühlbox und USB-Ladegeräten zusätzliche Verbraucher angeschlossen habe. Da bei jedem Türöffnen (und das ist fast dauernd während man irgendwo steht) die Lichter im Auto angehen und auch die sonstige Elektronik wie Bordcomputer etc. wird auch dabei unnötig Strom verbraucht.  Es ist eben ein PKW und kein aufs Camping ausgelegtes Fahrzeug. Dafür habe ich noch keine Lösungen gefunden. Aber ich werde morgen wohl icherheitshalber de Batterie laden, zumal ich hier auf dem Campingplatz Strom zur Verfügung habe.