Ich bin heute Nacht erst gegen 2 Uhr eingeschlafen. Zum einen scheine ich gerade wieder einmal in der tired-but-wired-Phase zu sein, zum anderen war wider erwarten trotz des schlechten Wetters so lange immer noch ein kommen und gehen auf dem Parkplatz (wer weiß,  was ich mir da für einen Parkplatz ausgesucht habe…).

In Le Conquet habe ich auf Anhieb einen Parkplatz gefunden und auch den Weg zum Hafen hat Google Maps mir zuverlässig gewiesen. Sogar der heftige Regen hat pünktlich aufgehört. Kurz vorm Hafen, fiel mir auf, dass ich zwar den englischsprachigen Audioguide aufs Handy geladen,  die Kopfhörer aber im Auto liegen lassen habe. Der Kapitän unseres Schlauchboots hat mich auch prompt darauf angesprochen. Ein Kunststück bei 3 Passagieren,  rauszufinden, welches die ist, die nichts versteht. Er hat mir angeboten, mir im Nachgang alles auf Englisch zu übersetzen,  aber das war gar nicht nötig. Meine Zunge hat sich zwar noch nicht daran gewöhnt,  aber meine Ohren verstehen mittlerweile wieder etwas mehr Französisch. Da ich mir im Vorfeld ein wenig Wissen angelesen und gestern am Phare Saint-Matthieu einiges über die Gegend und ihre Geschichte erfahren habe, habe ich tatsächlich so ziemlich alles verstanden.  Ich kann zwar nicht die Namen, der einzelnen Vogelarten wiedergeben,  aber ich habe verstanden,  was über die jeweiligen Tiere erzählt wurde. Der Kapitän hatte wohl mehr Erfahrung als der Guide und hat ihn ab und zu ergänzt oder auf etwas hingewiesen was dieser vergessen hatte. Man hat richtig gemerkt, dass er dafür brennt und ein breites Wissen zur Natur und Geschichte des Ortes hat. Auch über das hinaus, was man üblicherweise in Reiseführern oder auf Schildern liest. Und dass er dieses Wissen gerne teilt. Außerdem hat er supergute Augen und hat so jeden interessanten Vogel, die kleinsten,  best getarntesten Robben und die beiden Delfine in der großen Iroise-See ausgemacht und uns sicher hinnavigiert.

Das war wirklich ein außerordentliches Erlebnis. Die beiden Delfine (große Tümmler)  sind teilweise richtig nah ans Boot herangeschwommen. Man hätte fast die Hand nach ihnen ausstrecken können. Vor Staunen habe ich in dem Moment ganz vergessen zu fotografieren.  Allerdings sind die beiden auch immer so schnell wieder abgetaucht,  dass ich – glaube ich –  überwiegend Flossen und ab und zu mal einen Rücken fotografiert habe. Und auch wenn der Kapitän die Tiere gut kennt, sieht er sie doch auch nicht jeden Tag und meinte wir hätten Glück.

Unser Kapitän bereitet unser Boot vor
Blick auf Le Conquet
Bon Chance! Tatsächlich 2 Delphine!
Und wie dicht sie kamen
Phare des Pierres Noires
Phare de Kermorvan

Da die Tour um 3 Stunden vorverlegt worden ist, waren wir nicht zur Ebbe unterwegs. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Robben sich normalerweise am Strand einer bestimmten Insel zum ausruhen aufhalten. Dennoch hatten wir auch da Glück. Ab und zu hat der Kapitän einen Kopf aus dem Wasser ragen sehen und uns vorsichtig,  ohne die Tiere zu stören,  näher herangebracht. Und auf dem Rückweg hat er auf einem  Felsen tatsächlich auch noch eine Robbenfamilie ausgemacht, die sich dort gesonnt hat. So waren auch noch ein paar gute Schnappschüsse von Robben möglich.  Das Wetter hat es wirklich gut gemeint, die See war relativ ruhig, der Wind gut auszuhalten und am Ende kam sogar die Sonne raus.

Auf dem Rückweg zum Auto fand ich noch eine kleine Kirche, die einem für seine Zeit sehr fortschrittlichen Priester und Missionar gewidmet ist. Dieser „verrückte“ Dom Michel de Nobletz (1577-1652) hat es doch tatsächlich gewagt, Frauen seine Texte rezitiert zu lassen….

Da ich sicherheitshalber nur ein kleines Frühstück zu mir genommen hatte,  habe ich mir auf dem Weg zurück zum Parkplatz in einer Patisserie eine kleine französische Sünde geholt. Denn Seeluft macht hungrig. Damit bin ich auf einen Picknickplatz außerhalb der Stadt gefahren,  habe mir eine Kaffee dazu gekocht und die Leckerei verspeist.

Un Chou

Da ich schon den Kocher draußen hatte und es überraschend trocken von oben ist,  habe ich gleich noch mehr heißes Wasser gemacht und das Kochgeschirr von gestern Abend abgewaschen. Dazu war bei dem Regen noch keine Gelegenheit gewesen.

Der Tag ist zu Ende und es ist wieder spät geworden.  Daher lasse ich heute erstmal nur noch Bilder sprechen. Morgen wieder mehr.

Eines der bekanntesten Fotomotive – das Corps du Garde in Menez Ham
„Wie kann ein Tag der so verregnet begonnen hat, schöner enden“ dachte ich, bevor ich kurz darauf doch noch klatschnass wurde 🙂