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Markttag in Paimpol

Nach einer relativ kurzen Nacht,  bin ich um halb sieben aufgestanden. Ich habe mein geräumiges und sauberes „Badezimmer“ am Parkplatz genossen und dann mit der aufgehenden Sonne einen Spaziergang durchs Dorf gemacht.  Zum Frühstück bin ich zu einem Picknickplatz auf halber Strecke nach Paimpol gefahren. Mittlerweile war es leider ziemlich zugezogen und entsprechend kühl. Als ich fertig und gerade dabei war, heißes Wasser für den Abwasch zu richten, kam ein Bauer mit seinem Traktor aufs benachbarte Feld gefahren. Er wirkte besorgt und fragte, ob ich mit Frühstück gerade anfange oder schon fertig sei. Als ich sagte, ich sei fertig, war er etwas erleichtert,  er wollte nämlich Gülle fahren und das wäre beim Frühstück ja doch sehr unangenehm. Ich sagte, das sei kein Problem.  Er hat dann trotzdem  gewartet bis ich fast alles im Auto verstaut hatte  und in der entferntesten Ecke des Feldes begonnen. Die Menschen sind hier wirklich so nett und hilfsbereit. Später am Tag hatte ich ein ähnliches Erlebnis mit dem Mitarbeiter der Kirche in Paimpol, der ruhig gewartet hat mit abschließen,  bis ich meine Meditation beendet und noch ein paar Fotos gemacht hatte. Erst dann ist mir aufgefallen, dass er da wohl schon die ganze Zeit mit Motorradhelm auf dem Kopf gewartet hat. Als ich mich schuldbewusst rausgeschlichen habe, hat er mich freundlich angelächelt und mir einen schönen Tag gewünscht.  Ansonsten war mir Paimpol zu voll und zu hektisch. Denn heute war Markttag. Und was für ein Markt! Da gab es wirklich alles und er war groß.  Das erklärte die Menschenmassen. Er erstreckte sich über sämtliche Plätze der Altstadt und die meisten Straßen. Leider war dadurch kaum etwas von den Häusern aus dem  überwiegend 15. Und 16. Jahrhundert zu sehen. Daher bin ich irgendwann auch in die Kirche geflüchtet, um meinem überreizten Nervensystem Ruhe zu gönnen.

Notre-Dame-de-Bonne-Nouvelle
Turm der alten Kirche, mehr steht von ihr nicht mehr
Turm der alten Kirche, die helle Fläche am Boden zeigt den Grundriss der ehemaligen Kirche.
La Sainte-Vierge
Impressionen aus dem Quartier Latin
Jézéquel-Haus, beherbergt seit 1886 ein Haushaltswarengeschäft, ist als Historisches Monument klassifiziert

Nach so viel Trubel stand mir der Sinn nach Natur und Ruhe. Ich bin zur nahegelegenen Abbey Beauport gefahren,  einer Abtei aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist zwar – wie viele öffentliche Einrichtumgen – über Mittag einige Stunden geschlossen,  aber das gab mir Gelegenheit, durchzuatmen.

Sie steht seit 1862 unter Denkmalschutz.

Ein Großteil ist Ruine. Neben der Möglichkeit besichtigt zu werden, finden dort regelmäßig Theateraufführungen, Kulturveranstaltungen und Ausstellungen statt. Sie liegt direkt am Ortsrand und ist von 3 Seiten eingebettet in ein schönes Naturschutzgebiet.

Dort habe ich einen Spaziergang gemacht. Mittlerweile brannte die Sonne bei knapp über 20° mit all ihrer Kraft und ich war froh, dass ich am Vormittag die lange Wanderhose und das schwarze T-Shirt gegen ein leichtes Sommerkleid getauscht hatte. Da der eigentliche Rundweg komplett in der Sonne lag, habe ich einen Abstecher zu einem kleinen Wasserfall und einem Aussichtspunkt auf die Abtei im angrenzenden Wäldchen gemacht. Es gab zwar nicht wirklich Sicht auf die Abtei,  weil die Bäume seit Erstellung der Karten massiv gewachsen sein müssen,  aber die Aussicht war trotzdem schön.

La Petit Cascade
Aussichtspunkt,  hinter den Bäumen ist die Abtei
Sicht vom Aussichtspunkt
Sicht vom Aussichtspunkt

Deshalb habe ich dort eine kleine Mittagspause gemacht und mir überlegt,  wie mein Trip weitergehen kann. Die zunehmende Fatigue mit all ihren Begleiterscheinungen hat mir ein bisschen einen Strich durch die Planung gemacht. Ich habe dann entschieden Richtung Fougères zu fahren.  Dort gibt es die größte mittelalterliche Burg Europas. Das war eigentlich ein Punkt, den ich nur bei übriger Zeit machen wollte. Normalerweise hätte jetzt noch ein Abstecher in die Normandie auf dem Programm gestanden. Aber bei meinem Zustand erspare ich mir das. So wie ich die letzte 2 Tage gestaltet habe, komme ich gerade so hin. Außerdem wurden kurz vor meiner Abfahrt die Klippen in Étretat gesperrt,  weil sich immer wieder Touristen zu waghalsig benommen haben und es zu einigen teils tödlichen Unfällen gekommen ist. Außerdem haben die Besucherströme zu zuviel zerstörter Natur und verstärkter Erosion geführt. Daher kann ich das Vorgehen der Stadt verstehen,  auch wenn ich es schade finde.

Nach langer, abenteuerlichen Fahrt (offline-Navi  und viele gesperrte Straßen in ländlichen Gegenden sind eine üble Kombination), bin ich gegen 19 Uhr an meinem heutigen Übernachtungsplatz im Landesinneren angekommen. Ein kleiner Parkplatz am Rande eines Fischweihers mit Picknickbänken, Grill, Spielplatz und Toilette und der Einladung,  sich hier zu erholen. Das sollte man annehmen.

Übernachten am Fischweiher

Deshalb mache ich mir jetzt schnell was zum Abendessen und dann erhole ich mich 🙂

Das mobile Datennetz ist hier wieder etwas schwachbrüstig. Es gibt Probleme beim Upload. Ich hoffe, der Rest klappt morgen.

Hier am Teich gab es einen schönen Sonnenuntergang. Die letzten anderen,  die hier geangelt und gegrillt haben sind weg. Nur Fische, Vögel, Kühe,  Frösche und Insekten außer mir da. Leider haben sie den Ort nicht so verlassen,  wie man es tun sollte. Erst haben sie ewig den Motor laufen lassen,  dann haben sie Waschbecken und Toilette eingesaut und ihre Kohle und Zigarettenkippen neben mein Auto gekippt. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Gemeinden solche Plätze nicht mehr pflegen oder allgemein zugänglich machen wollen.

Gerade noch in der Nachbarschaft entdeckt
Abendstimmung überm Teich
Abendstimmung überm Teich

Ruhetag mit Aufregung

Nach einer langen Nacht bin ich heute etwas erholter aufgewacht. Da es den ganzen Tag regnen soll und ich hier die Möglichkeit einer Dusche habe, bietet es sich an,  endlich einmal in den Atlantik zu hüpfen. Anscheinend hat sich heute Nacht der 12V-Anschluss der Powerstation abgeschaltet. Ich habe keine Erklärung dafür. Was mir erst später bewusst wurde, dadurch hat auch die Kühlbox wieder keinen Strom gehabt :-(.

Nachdem ich in einer Phase mit weniger Regen im Badeanzug das Ladegerät an die Autobatterie angeschlossen hatte, habe ich eine Tasche gepackt und bin erst an den Strand und dann unter die Dusche gegangen.  Zugegeben,  der Wind ist etwas frisch und lässt einen die knapp 15 Grad Lufttemperatur noch kühler wahrnehmen,  aber nachdem ich im noch etwas kühleren Atlantik war, kam es mir draußen gar nicht mehr kalt vor und ich bin noch etwas am Strand entlang gegangen,  bevor ich mich unter die heiße Dusche gestellt habe. Das tat wirklich gut. Die Tür zum Sanitärgebäude ist immer offen, weshalb  dort Vögel im Gebälk nisten. Das war fast wie in der Regenwalddusche. Von oben in sanftem Strahl warmes Wasser bei Naturgeräuschen und leichter Brise. Als ich meine Sachen wieder zusammen gepackt habe und eigentlich noch die Haare föhnen wollte, zumal es wieder angefangen hatte zu schütten, habe ich bemerkt dass das Etui für den elektrischen Autoöffner leer ist. Auch ein entleeren des kompletten Tascheninhalts hat ihn nicht zutage gefördert. Nach und nach wurde mir bewusst,  dass Ersatzschlüssel, Handy und Geld,… einfach alles im abgeschlossenen Fahrzeug lagen und ich so weder Hilfe holen,  noch wetterfeste Kleidung anziehen könnte.  Also bin ich die Wege,  die ich seit verlassen des Autos zurückgelegt habe in strömenden Regen abgegangen und habe danach gesucht. Das Adrenalin hat dabei die komplette Entspannung aufgefressen, erschöpft war ich nach der Dusche sowieso wieder gewesen.  Zum Glück habe ich den Türöffner am Strand wieder gefunden und trotz Nässe hat er auch funktioniert. Um nicht unnötig Feuchtigkeit ins Auto zu schleppen,  habe ich die nassen Klamotten und Handtücher in der Dachbox verstaut,  die sich dann nicht mehr verriegeln ließ. Die nächste Stresswelle. Dabei wollte ich heute doch nur ausruhen und Kraft tanken. Nach einigen langen Minuten und Versuchen,  konnte ich die Dachbox dann endlich wieder verriegeln. Die Aktion hat allerdings auch dafür gesorgt,  dass es mir ins Auto geregnet hat. Soviel dazu, nicht unnötig Feuchtigkeit ins Auto zu bringen 🙂

Es war mittlerweile Mittag und ich wollte nur endlich frühstücken und einen Kaffee. Normalerweise bereite ich mir Mahlzeiten auf der aufgeklappten Fläche der Sleepbox am Kofferraum zu. Darin habe ich mittlerweile auch eine gewisse Routine.  Das im Fahrzeug bei geschlossenen Türen zu machen erfordert doch einiges an Geschick. Bei einer der Kletteraktionen von hinten nach vorne, um das heiße Wasser zum Kaffeefilter zu bringen,  bin ich an die improvisierte „Frühstücksplattform“ auf dem Beifahrersitz gestoßen,  wodurch sie umgekippt ist und der Kaffeefilter durchs Auto flog und dabei das Kaffeepluver im Fahrzeug verteilt hat. So hat sich das Frühstück dann noch etwas verzögert. Außerdem musste ich feststellen, dass ein Teil meiner Lebensmittel das wiederholte ausfallen der Kühlbox nicht gut fanden und verdorben sind. Es ist mittlerweile 14 Uhr und ich hoffe, nun langsam zu der für heute eigentlich geplanten Erholung übergehen zu können.  Gerade ist auch eine kleine Regenpause. Ich verlasse mal das Auto und bringe etwas, sanfte Bewegung in meinen verkrümmten Körper 😉

Die Regenpause hat lange angehalten und ich konnte die Zeit nicht nur für einen kleinen Spaziergang am Strand entlang und um den Campingplatz samt Abstecher bei den netten Damen an der Rezeption nutzen, sondern gleich auch noch ein paar nützliche Dinge tun. Z. B. Tee und eine heiße Milch auf dem Gaskocher kochen,  denn bei Blasenentzündung soll man ja viel trinken. Durch das viele ruhen gestern haben sich Blase und Ausschlag zwar beruhigt,  aber ganz ok sind sie noch nicht wieder. Außerdem habe ich gleich noch heißes Wasser zubereitet, um mir später wenigstens eine Instant-Nudelsuppe machen zu können. Für ausreichend warmes im Bauch ist also auch gesorgt. Mein Reisewasserkocher fürs Auto hat sich nämlich als ziemlich schlecht herausgestellt. Es dauert ewig und der 12V-Stecker wird dabei sehr heiß.  Das Modell ist wohl nicht empfehlenswert.

Außerdem habe ich meinen Frischwassertank aufgefüllt und seine zwar etwas läppische, aber sehr nützliche Ausgußtülle repariert,  die mir bei einem der letzten Campingausflüge eingerissen ist. Seither hat sie nicht mehr richtig gehalten . Dank Panzertape ist sie jetzt wieder tiptop.

Und ich bin jetzt gut vorbereitet für ein paar gemütliche Stunden bis zum Schlafengehen. Camping und Roadtrip ist nicht „nur“ Freiheit und in den Tag leben, sondern erfordert auch einiges an Organisation und Planung. Insbesondere wenn es z. B. schlechtes Wetter gibt und man an manche Stellen bzw. die dort verstauten Dinge nicht rankommt, ohne Wasser im Auto zu riskieren und sich wasserfest einzupacken. Außerdem wird das Leben auf rund 3,5m² sonst ganz schnell das reinste Chaos.

Da es heute keine Bilder von tollen Landschaften u. ä. gibt, will ich euch kurz meine Mitbewohner vorstellen,  mit denen ich den Platz hier teile.

Dieser nette Geselle hüpft hier immer wieder um mich herum
Und über mir baut ein Taubenpaar sein Nest