Tja, was soll ich sagen… ich wollte einen ehrlichen Reisebericht schreiben, keinen romantisch verklärten, denn davon gibt es genug. Wenige erzählen, dass Vanlife (gibt es auch einen passenden Ausdruck für Mikrocamperlife?), nicht immer nur schön, frei und umgeben von wilder Natur ist. Und ein Roadtrip mit CFS macht es nicht einfacher. Mein Versuch CFS zu ignorieren und einfach nur eine gute Zeit zu haben, hat nicht ganz funktioniert. Schlafpuls und HRV waren letzte Nacht ziemlich schlecht, der Blutdruck ist ziemlich hoch, mir schmerzen die Muskeln, ich habe Sehstörungen und zu allem Überfluss auch noch eine Blasenentzündung. Erschöpft bin ich sowieso. Auch wenn der gestrige Tag wunderschön war, ist Eustress (Positiver Stress) für den Korper eben doch einfach nur Stress. Er reagiert darauf genauso wie auf den üblichen Stress. Dazu schwankt meine Stimmung alle paar Minuten zwischen total glücklich und Verzweiflung.
Zu den etwas objektiveren Daten: die Powerstation war heute morgen wieder leer, die Kühlbox trotz kühler Umgebungstemperatur nicht mehr wirklich kühl, alles ist klamm und voller Sand. Ich war davon ausgegangen, dass die Powerstation bei den 30 Minuten Fahrt nach Quiberon und dann den 1,5h hierher gut geladen sein müsste. Als ich vorher das Solarpanel angeschlossen habe, in der Hoffnung trotz Bewölkung wenigstens ein bisschen Strom zu bekommen, habe ich bemerkt, dass sich wohl der Verbindungsstecker von Autoladekabel zum Kabel der Powerstation unbemerkt gelöst hatte. Somit kam wohl gar kein Strom während der Fahrt an der Powerstation an. Ich überlege, ob ich mir für heute Abend doch einen Campingplatz mit Stromversorgung suche, zumal auch eine Dusche sicher nicht schaden würde. Ich habe bisher zwar immer Möglichkeiten gefunden, mich morgens und abends ordentlich zu waschen, aber ich habe seit 4 Tagen einen zunehmenden juckenden Ausschlag ausgehend von den Schultern über Nacken, Ohren,phasenweise Gesicht, Decolté und oberen Rücken. Ich vermute eine Allergie, auch wenn ich keine Ahnung habe worauf. Aber auch Allergien und Ausschläge habe ich seit der Erkrankung öfters, ohne immer sagen zu können, woher. Da ich hier aber so gut wie kein mobiles Netz habe, kann ich nicht schauen, wo ein passender Campingplatz wäre bzw. wie weit es Sinn machen würde, heute zu fahren. Die nächsten Ziele liegen eigentlich relativ dicht beieinander. Da wird nicht viel geladen. Daher schwanke ich zwischen einfach losfahren und später schauen und noch ein wenig hierzubleiben und mich nochmal hinzulegen. Das Frühstück richten, war sehr anstrengend, zumal ich immer wieder die paar Meter zwischen Auto und Tisch hin und herlaufen musste. Aber das erste Frühstück in Ruhe und im Sitzen, seit ich losgefahren bin, tat gut. Außerdem ist für morgen viel Regen vorhergesagt. Ich habe ehrlich gesagt auch keine Lust bei Dauerregen auf einem Campingplatz festzuhängen. Ich kann ohne Internet gerade aber auch nicht nachsehen, wie die Aussichten auf den nächsten geplanten Streckenabschnitten sind, oder ob sich vielleicht ein Richtungswechsel anbieten würde. Mal sehen.
Ich glaube, ich habe noch gar nicht erwähnt, wo ich hier gelandet bin. Dieses hübsche Fleckchen Erde nennt sich Kerphany les Pines und befindet sich am äußersten Zipfel eines kleinen Fjords. Es ist zumindest am Morgen noch ziemlich friedlich und ruhig hier. Man hört meist nur Meeresrauschen und Vogelgezwitscher.

Es ist mittlerweile mehr als ein Tag vergangen. Gestern war nicht gut. Obwohl ich noch bis kurz nach Mittag in Kerphany geblieben bin und mich noch einmal hingelegt hatte, hat mich die ca. 20 Minütige Fahrt nach Pont-Aven so erschöpft, dass ich erstmal wieder eine Pause gebraucht habe. Ein kleiner Spaziergang durch den historischen Ortskern im Zeitlupentempo hat mich völlig ausgelaugt.

Ich hatte bereits bei meiner Ankunft in Pont-Aven eingesehen, dass Vernunft und Pacing jetzt Vorrang haben müssen und eine Buchungsanfrage für 2 Nächte bei einem Campingplatz kurz hinter Concarneau bei Forêt-Fouesnant gestellt. Der Eingang der Buchungsanfrage wurde auch umgehend bestätigt, aber die Buchung nicht. Nach einer weiteren Pause und einer kleinen Stärkung bin ich weitergefahren und habe in der Nähe des Campingplatzes auf einem Parkplatz mit Toilette bis 17:00 Uhr gewartet. Unterbrochen von gelegentl. Toilettengängen habe ich dort geschlafen. Das hat wieder etwas Energie gegeben. So bin ich ohne Buchungsbestätigung zum Campingplatz und habe nachgefragt. Die Erklärung war dann ziemlich süß. Die jüngere Mitarbeiterin der beiden an der Rezeption hat sofort meinen Namen erkannt und der älteren, die mich bedient hat, gesagt, dass sie die Buchungsanfrage angenommen, aber die Reservierung nicht abgeschlossen hat, weil ich deutsch sei und sie die Mail nicht in deutsch hinbekommen hätte. Ihre Kollegin meinte, das wäre wohl kein Problem gewesen, da ich sehr gut französisch spräche. Erstens sehe ich das anders, aber frisch ausgeschlafen geht es wohl wirklich halbwegs, zweitens konnte die junge Frau das ja anhand der Buchungsanfrage und der Adressangabe nicht ahnen. Wäre mein Gehirn in dem Moment etwas fitter gewesen, hätte ich sie auf die Möglichkeit von online-Ubersetzungstools hingewiesen. Wir haben jedenfalls alle 3 sehr herzlich darüber gelacht und ich durfte mir einen von ca. 10 möglichen Plätzen aussuchen. Als ich zurückkam, um die Platznummer mitzuteilen, gab es nochmal Gelächter, weil ich natürlich den besten ausgesucht hatte. Nur 1 Platz zwischen meinem und dem Pfad zum Strand (direkter Strandzugang) und Ausblick aufs Wasser, trotzdem durch Büsche etwas geschützt vor dem von der See kommenden Wind.

Da der Campingplatz mit 2,4ha und ca. 120 Parzellen recht überschaubar ist, ist trotzdem der Weg zu den Sanitärgebäuden nicht allzu weit. Ich habe die frisch gewonnene Energie genutzt, um das Auto auszuräumen und Bett, Mittelkonsole und die Einstiege vom Sand zu befreien und das Auto neu einzuräumen. Nach den ersten 5 Nächten hatte sich doch das ein oder andere herauskristallisiert, was noch geschickter eingerichtet werden könnte. Die Powerstation und diverse Akkus hingen mittlerweile auch am Landstrom.
Danach habe ich mir den Platz und den Strand angeschaut. Es ist wie gesagt sehr überschaubar und daher auch nicht zu energieraubend gewesen. Dabei habe ich eine Knuddelpause bei einem bärengroßen Hund eingelegt und mir von ihm noch etwas Energie spenden lassen.

Damit konnte es langsam ans Abendessen kochen gehen. Das erste „richtige“ kochen, seit ich unterwegs bin. Beim Freistehen sollte man ja nicht groß seine Campingutensilien auspacken.
Bei Essen habe ich den Ausblick auf den Strand und das Meer genossen, bevor ich dann völlig erschöpft 10 Stunden mehr oder weniger durchgeschlafen habe. Ich bin wirklich positiv überrascht, wie gut ich im Auto schlafen kann.

Beim Schlafengehen hat mein Auto mich noch darauf hingewiesen, dass die 12V-Batterie fast leer ist und dringend geladen werden muss. Der Nachteil bei den Kurzstrecken ist, dass die Fahrt nicht ausreicht, um die Starterbatterie aufzuladen, zumal ich während der Fahrt mit Powerstation, Kühlbox und USB-Ladegeräten zusätzliche Verbraucher angeschlossen habe. Da bei jedem Türöffnen (und das ist fast dauernd während man irgendwo steht) die Lichter im Auto angehen und auch die sonstige Elektronik wie Bordcomputer etc. wird auch dabei unnötig Strom verbraucht. Es ist eben ein PKW und kein aufs Camping ausgelegtes Fahrzeug. Dafür habe ich noch keine Lösungen gefunden. Aber ich werde morgen wohl icherheitshalber de Batterie laden, zumal ich hier auf dem Campingplatz Strom zur Verfügung habe.