Nach gemütlichem Frühstück mit schöner Aussicht, Auto ausräumen, etwas putzen und ausgiebigen spielen mit dem Nachbarshund, ging es heute erstmal Vorräte aufstocken.

Frühstücksaussicht

Nachdem Gas, Benzin,  Brot,  Obst und Gemüse wieder aufgefüllt waren, kam ich am frühen Nachmittag endlich in Morlaix an. Die Stadt hat mich mit ihren wunderschönen Plätzen und alten Häusern aus verschiedenen Jahrhunderten positiv überrascht. Schade nur, dass dort überall große Fahrstraßen durchgehen bzw. die Flächen als Parkplätze genutzt werden. Andererseits hätte ich dann ja auch keinen zentrumsnahen Parkplatz bekommen. Zwei Seiten derselben Medaille.

Pénanault Haus aus dem 16. Und frühen 17. Jahrhundert,  gebaut aus Granit der nahegelegenen Île Callot und Île Grande
Blick vom Viadukt auf Morlaix
Kirche St-Melaine, gegründet zwischen 1149 und 1157, errichtet Ende 15. Jahrhundert, schöne Inneneinrichtung und Sternenhimmel
Gassen in Morlaix
Place Allende
Grand’Rue mit Häusern aus dem 15. Jahrhundert, Heiligenstatuen an den Fassaden
Grand’Rue 9 (Maison à Pondalez) und 14 (Maison Pouligen)

Das Haus Hausnummer 9 stammt aus dem 16. Jahrhundert und hat einen monumentalen Kamin und eine hölzerne Wendeltreppe und kann besichtigt werden.

Hausnummer 14 wird in vielen Büchern zu bretonischen Geschichte erwähnt.

Place des Otages

Am Place des Otages findet man Häuser aus dem 16. Jahrhundert. Traurige Berühmtheit erlangte der Platz, weil hier am 26. Dezember 1943 16 Morlaiser zwischen 15 und 46 Jahren  zusammengetrieben wurden, um in KZs wie Buchenwald deportiert zu werden. Daher kommt auch der Name des Platzes.

Hier habe ich heute ein sehr leckeres Eis von der Teestube Martin gegessen. Es war meine erste Bestellung auf französisch ohne Stottern und komisch angeschaut werden 🙂

„Garten“am Place des Otages

Dort befindet sich mitten im Stadtgettümmel zwischen 2 großen Straßen auch ein Garten zur Erholung mit vielen unterschiedlichen Sitzgelegenheiten, Spielen wie Garten-Dame oder Tic-Tac-Toe und ein Pavillon, den die Stadt kostenlos für Musiker zur Verfügung stellt.

Am nächste Sightseeingziel ist auch mein heutiger Übernachtungsplatz

Heute  stand noch die Besichtigung eines sogenannten umfriedeten Pfarrbezirks auf dem Programm.  Davon gibt es einige in der Bretagne. Einer der schönsten soll der in Saint-Thégonnec sein. Und ich muss zugeben,  dass ich selten eine prachtvollere Kirche gesehen habe. Ich war so in die Besichtigung vertieft, dass ich nicht bemerkt habe, dass es schon 18 Uhr war und ich eingeschlossen wurde. Zum Glück hat der Herr nochmal eine runde gedreht und dabei mich und ein älteres Paar in einer Seitenkapelle, in der es einiges zu diesem Enclos Paroissial zu lesen gab, aufgestöbert.

Dieser monumentale heilige Ort, Symbol für die Vorrangstellung des Glaubens in jener Zeit, spiegelt den wirtschaftlichen Wohlstand der Region im 16. und 17. Jahrhundert wider. Diesen verdankte sie der Herstellung,  Verarbeitung und dem Handel mit Flachs/Leinen.

Eine umfriedete Pfarrei ist  ein architektonischer Komplex, der aus mehreren Elementen besteht: einer Kirche, einer Umfassungsmauer, einem monumentalen Eingang (Triumphbogen), einem Kalvarienberg, einem Beinhaus sowie einer Vorhalle und einer Sakristei. Eine umfriedete Pfarrei bildet einen heiligen Ort, an dem Denkmäler und Dekorationen die Gläubigen an den allgegenwärtigen Tod und den Weg zur Erlösung erinnern. Die Präsenz jedes einzelnen Objekts ist gerechtfertigt: Hinter jeder Anlage verbirgt sich die gesamte theologische Konzeption der katholischen Kirche ihrer Zeit. Die Gläubigen betreten den heiligen Ort, passieren das Beinhaus, das sie an ihren eigenen Tod erinnert, und wenden sich dann dem Kalvarienberg zu, wo ihnen das Bild der Passion Christi Hoffnung auf die Auferstehung gibt. Schließlich betreten sie durch die Vorhalle die Kirche, um Vergebung für ihre Sünden zu erlangen.

Der Bau der Anlage in Saint-Thégonnec dauerte fast 2 Jahrhunderte. Einige Teile sind im Laufe der Zeit verschwunden. Sie wirkte früher monumentaler als heute. Doch den größten Schaden erlitt sie bei einem Brand 1998. Dabei wurden große Teile verwüstet und einige Kostbarkeiten im Inneren vernichtet. Während des Brandes bildeten die Menschen von Saint-Thégonnec eine Menschenkette,  um zu retten, was zu retten war. So konnten sie einiges an Inneneinrichtung aus der brennenden Kirche holen.

Nach dem Brand schlossen sich Freiwillige, die Stadt und die Gemeinde  zum Verein „Restaurer l’enclos de Saint-Thégonnec“ (Restaurierung der Einfriedung von Saint-Thégonnec) zusammen und sammelten Spenden von Einzelpersonen und mehreren französischen Städten. Die Restaurierung kostet >5 Mio Euro und ist aktuell in vollem Gänge. Hier hatte ich wieder Glück,  denn ab 23. Juni, wird die Kirche einige Zeit wegen der Arbeiten geschlossen sein. So haben nur Baugerüste und Planen einen Teil verdeckt, als ich heute hier war.