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On the road again…

Nach dem Ruhetag gestern habe ich mich heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge vom Campingplatz „Les Falaises“ am Strand von Kerleven verabschiedet.  Zuvor hatte ich noch ein nettes Gespräch mit meinem neuen Nachbarn aus Hamburg, der mir tags zuvor schon auf einem anderen Stellplatz aufgefallen war. Er hatte ursprünglich auch nur 1 Nacht bleiben wollen,  dann aber spontan entschieden zu verlängern.  Ich war wohl nicht die einzige, der es dort gefallen hat. Aber es gibt ja noch so viel mehr in der Bretagne zu entdecken.

Zuvor habe ich noch versucht, die nassen Sachen von gestern etwas zu trocknen.

So sieht das dann aus, wenn man bei Regenwetter im Atlantik gebadet hat und versucht ein bisschen Feuchtigkeit aus den Klamotten zu bekommen,  bevor man alles einpackt

Mein erster Stop heute war Concarneau. Dank der 2-tägigen Verzögerung hatte ich das Glück, den Markttag in Concarneau zu erleben.  Der Markt dort ist wirklich schön,  groß und bunt.

Natürlich darf bei einem Besuch in Concarneau die Besichtigung der Ville close, der ummauerten Stadt nicht fehlen.  Das ist das historische, auf einer kleinen Insel gelegene Städtchen, das von einer beeindruckendenden Stadtmauer umgeben ist. Man sollte meinen,  eine derartig befestigte Stadt auf einer Insel gut zu verteidigen sei. Aber das Gegenteil war der Fall. Das zeigt sich besonders an der Geschichte der Kirche innerhalb der Mauern. Sie wurde dreimal teilweise zerstört und wieder aufgebaut.

Es gibt nur zwei Zugänge zur Ville Close, einen über eine Brücke vom Land und einen vom Wasser aus.
Bei einem Rundgang über die Remparts (Stadtmauern) und Befestigungstürme hat man tolle Aussichten und kann sich einen guten Überblick verschaffen

Kaum zurück im Auto fing es an zu schütten. Während meiner Weiterfahrt nach Pont L’Abbée, regnete es immer wieder. Vor Ort habe ich eine Rundfahrt mit dem Petit Train gemacht.  Vermutlich wegen des schlechten Wetters, war ich der einzige Fahrgast. Der Fahrer war supernett und gut gelaunt. Unterwegs haben wir noch zwei „Anhalter“ mitgenommen.  Da er beim Einsteigen meine Kamera bemerkt hat, hat er darauf geachtet, dass ich immer wieder gut fotografieren konnte während der Rundfahrt und am Ende hat er sich erkundigt,  ob ich gut fotografieren können hätte. Ich habe dann noch einen Spaziergang durch Pont L’abbée gemacht und mir die Kirchen Notre-Dame des Carmes und Saint-Jacques de Lambour.

Notre-Dame hat wunderschöne Buntglas- und Rosettenfenster.

Notre-Dame des Carmes

Saint-Jacques ist nur noch eine Ruine seit der Revolte durch Bonnetts Rote, aber man kann sehen,  dass es einmal eine wunderschöne Kirche war.

Pont L’Abbée hat noch eine große Besonderheit. Es ist eine von 3 Städten in Europa,  in denen es bewohnte Brücken gibt.

Bewohnte Brücke in Pont L’Abbée

Auch dieses Mal hat der Wettergott es wieder gut mit mir gemeint. Kaum saß ich im Yoggi, fing es wieder an zu schütten.

Das nächste geplante Ziel ist Pointe du Raz. Da ich mittlerweile wieder völlig erschöpft war, habe ich mir ungefähr auf halber Strecke dahin, einen Platz für die Nacht gesucht. Ich hatte mir die ganze Zeit einen schönen Sonnenuntergang am Meer gewünscht,  aber die bisherigen Standplätze waren nie richtig ausgerichtet.  Heute habe ich einen Platz direkt am Wasser gefunden,  an den die Einheimischen angeblich kommen,  um den Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang zu beobachten.  Aber hier hat der Wettergott es nicht mehr gut mit mir gemeint.  Es regnet seit kurz nach meiner Ankunft durchgängig. Das wird wohl nichts mit schönem Sonnenuntergang über dem Meer.

Der Blick ist trotzdem atemberaubend.

Bei meiner Ankunft konnte ich noch eine Einheimische beim Algensammeln beobachten. Viele Menschen aus der Region verdienen damit auch heute noch  Geld und ich vermute, die zwei großen Kübel waren nicht für den Eigenbedarf.

Was für ein ereignisreicher, eindrucksvoller Tag!

Der Morgen hat tierisch angefangen mit einer vermissten 19 jährigen katze und einem großen schwarzen Hund,  der nach einer ausgiebigen Begrüßung neben meinem Yoggi lag, als gehörte er zu uns. Der Tag sollte im Zeichen der Megalithkultur stehen, dabei aber möglichst reizarm sein. Also direkt nach Carnac zu fahren schied aus. Ich habe mich erstmal auf den Weg gemacht,  um bei einer kleinen Wanderung die Dolmen von Kerdaniel zu suchen. Was soll ich sagen? Ich habe nicht nur die drei relativ hut zugänglichen Dolmenvon Kerdaniel,  sondern noch 2 weitere, etwas unzugänglichere gefunden,  von denen ich noch nicht gehört hatte.  Den Weg musste ich mir in vielerlei Hinsicht erkämpfen. Nicht nur gegen Brombeerranken, sondern auch einen Bauern, über dessen Land ich meine Tour unwissentlich geplant hatte. Nach einem kurzen Gespräch,  das mit „sie können hier nicht langgehen, das ist Privatbesitz“ begann und der Erlaubnis meinen Weg fortzusetzen und noch ein paar Tips zur Unwegsamkeit und möglichen Alternativrouten endete, konnte ich meine Suche beginnen. Spätestens als ich 5 Minuten später unter einem Elektrozaun durchkrabbeln musste, wäre mir wohl klar geworden,  dass das kein offizieller Weg ist.  Die Strecke hatte dadurch aber den Vorteil,  dass ich lange keine Menschen traf. Nur Frösche, Vögel,  Schmetterlinge, Spinnen und Insekten haben mir Gesellschaft geleistet. Am Ende der Runde gab es noch einen relativ großen Menhir und den ersten eingezäunten Dolmen. Ich war schwer beeindruckt. Da habe ich auch noch nicht geahnt, was mich heute noch alles erwartet.

Offizielle Dolmen von Kerdaniel: 1 großer (ich kann darunter fast aufrecht stehen) und 2 kleine
Die riesigen, schweren Steinbrocken sind ehrfuchtgebietend.  Was sie den damaligen Menschen wohl bedeutet haben, dass sie sich die unglaubliche Mühe gemacht haben, sie so anzuordnen? Es muss ihnen jedenfalls sehr wichtig gewesen sein.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Supermarkt,  un meine Trinkwasservorräte aufzustocken und etwas frische Lebensmittel zu besorgen,  ging es ein paar Kilometer weiter. Die Kassiererin war übrigens auch sehr nett. Mein Französisch ist mittlerweile wirklich fast nicht mehr vorhanden,  habe ich heute festgestellt. Ich kann zwar einem Reiseführer, der sehr sauberes Französisch spricht, relativ gut folgen,  aber im Gespräch wird es doch schwierig. Zumal dann auch noch Dialekt dazukommt. Umso dankbarer bin ich den Menschen hier, dass sie so viel Geduld und Verständnis aufbringen. Die Kassiererin hat sich sehr gefreut, dass ich Französisch lernen will. Sie wollte mir entgegenkommen und hat es auf englisch versucht,  aber nachdem wir festgestellt haben,  dass ihr Englisch so schlecht ist, wie mein Französisch,  blieben wir bei Französisch und haben gut gelacht dabei.

Mein nächstes Ziel war der Tumulus von Kerkado. Und weil es auf der Karte so aussah,  als wären einige andere Megalithen relativ dicht dabei, habe ich nochmal eine kleine Wanderung gemacht. Bereits auf dem Weg dahin, kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Plötzlich kam ein Steinfeld nach dem anderen direkt entlangder Fahrstraße.  100te oder 1000e in Reihen aufgestellte Menhire, teilweise mehrere Meter hoch. Wieder Gedanken dazu wie und warum die Menschen das gemacht haben. Es gibt hier in der Region um Carnac ungefähr 3000 Menhire, deren Formationen um 7000 Jahre alt sind.

Ich musste dann einfach kurz anhalten und mir das ansehen… unglaublich.  Und das war nur das kleine Feld.

Meine Wanderung führte mich auf teils einsamen,  verwilderten Pfaden zum Tumulus. Dieser ist nicht ganz so bekannt und daher nicht so frequentiert, aber sehr beeindruckend. Man kann auch hineingehen. Ich hatte richtig Herzklopfen als ich drinnen stand und das lag mal nicht am Nervensystem.

Wer hätte erkannt, dass dieser unscheinbare Erdhügel,  etwas so besonderes ist? Ich nicht, wenn es nicht ausgeschildert und freigelegt gewesen wäre.

Der weitere Weg führte mich vorbei an Steinfeldern zum Géant du Manion und zurück zum Auto. Nach kurzer Fahrt, habe ich mir noch die Dolmen von Mané Kerioned angesehen. Ich hätte am liebsten noch x andere Stellen mit Zeugnissen der Megalithkultur besichtigt, aber dann wäre ich in einer Woche vermutlich noch da und es gibt noch soviel zu erkunden.

Auf dem Weg an die Spitze der Quiberonhalbinsel habe ich spontan an einer Benediktinerabtei Halt gemacht und mich dort etwas ausgeruht. Dieses Mal war mir in der Kirche Ruhe vergönnt 🙂

Am Kap du Conguel habe ich einen Spaziergang gemacht, Vögel und Algentaucher beobachtet und viele schöne Bilder gemacht. Zumindest fanden andere Touristen,  dass diese „très magnifique“, „grandios“ und „formidable“ wären. Der Wind dort hat mir so um die Nase geweht, dass mein Körper jetzt eigentlich mit Sauerstoff geflutet sein müsste. Hoffentlich kam er auch in die Zellen. Besonders lustig fand ich die tausenden kleinen Schnecken,  die dort an allem hängen.

Leuchtturm
Schnecken überall

Nach 1,5h Fahrt bin ich an meinen heutigen Übernachtungsplatz angekommen. Ich habe einen riesigen Parkplatz mit Picknickbänken direkt am Steand nur für mich.

Nur das WC ist etwas weiter weg

Die Aussicht wäre atemberaubend,  wenn nicht kurz nach meiner Ankunft innerhalb von Minuten erst Nebel/Gischt und dann Regen über mich heteingebrochen wären.  Da nützen die schönsten picknicktische nichts. In Windeseile habe ich alles mögliche, was ich die nächsten Stunden brauchen könnte (z. B. Essen, Geschirr, was um die sandigen Füße zu reinigen) aus der Box unter dem Bett und anderen unzugänglicheren Stellen auf das Bett geworfen. Totales Chaos. Dennoch wurde es im Yoggi und auch ich naß und Dand habe ich beim reinklettern auch noch hereingeschleppt.

Danach musste ich erstmal alles herumsortieren um dann halb liegend im Bett zu Abend zu essen und den  Blog zu schreiben. Bei Regen ist das Leben im Mikrocamper schon herausfordernd. Aber ich wollte es ja so. Und wer in die Bretagne fährt,  muss mit solchem Wetter rechnen.

Jetzt werde ich versuchen noch etwas Ordnung hier hereinzubekommen,  die Fenster zu verhängen und dann schnell unter die Decke kriechen,  den langsam wird mir kühl.