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Ein neuer Tag mit lohnenswerten Planabweichungen

Nach fast 11h Schlaf bin ich heute erst recht spät aus dem Yoggi gekrabbelt. Ich habe Kopfschmerzen,  fühle mich ansonsten aber ganz gut. Ab und zu hat man hier mal ein Auto gehört,  aber meist nur das Rauschen des Windes, die Meeresbrandung und den Regen. Ich war gegen 6 Uhr mal wach und habe überlegt aufzustehen,  aber da es wieder geschüttet hat wie aus Eimern, dachte ich, ich kann auch versuchen nochmal zu schlafen und meinem Körper Gelegenheit zur Regeneration zu geben. Und scheinbar war das die richtige Entscheidung. Es scheint zwar keine Sonne, aber es ist trocken von oben und so werde ich mir jetzt erstmal ein gemütliches Frühstück gönnen. Der Parkplatz hier hat nämlich auch wieder Picknicktische.

Frühstück am Plage de Gored

Und keine Sorge,  das habe ich nicht alles verputzt, sondern auch gleich was zu essen für später gerichtet. Denn wie eine nette Dame beim letzten Roadtrip in Schottland sagte „it’s good to be prepared“. Den Blog dazu, zumindest dem ersten Teil der Reise, findet  ihr unter scotland-ride.de

Ich fahre jetzt weiter Richtung Norden,  aber nicht weit.auf der Suche nach einem Parkplatz für die Nacht bin ich gestern über eine weitere sensationell klingende frühgeschichtliche Fundstätte gestolpert, die ich mir ansehen will.

War mit über 18h länger als geplant hier, aber es ist ja auch schön. Danke an die Gemeinde,  dass sie das möglich macht, sogar eine Toilette zur Verfügung stellt und alles so gepflegt hält.

Die Sites archéologiques de Menez Dregan ist schön gemacht. Auf einem kurzen Spaziergang oberhalb der Klippen wird an mehreren Stellen anschaulich erklärt,  wie die Menschen in der Altsteinzeit gelebt haben und anhand welcher Funde man das nachvollziehen kann. Das Zentrum öffnet zwar erst am 23. Juni, aber die Ausgrabungsstätte auf dem Gelände ist jederzeit zugänglich und sehr gut beschrieben.

Mehr noch als die archäologische Seite dieses Ortes gefällt mir die Landschaft und Natur.  Vor lauter Begeisterung habe ich gar nicht bemerkt,  dass der schneidende Wind mich ziemlich ausgekühlt hat. Da zahlt es sich sicher aus, dass im Auto ein Heißgetränk und für später heißes Wasser für einen Tee warten.  It’s good to be prepared…

Es war überall schön,  wo ich bisher war, aber das hier kommt meinen Vorstellungen und Erwartungen an Bretagne und Atlantikküste bisher am nächsten. Ich vermisse nicht mal sommerliches Wetter, denn auch der Wind und die Bewölkung entsprechen genau dem was ich mir hier erwartet habe. Auch wenn Seeleute die See heute vermutlich als ruhig bezeichnen würden, freue ich mich über die schäumenden Wellen, die sich tosend und spritzend an den Klippen brechen. Endlich ein paar schöne Bilder von Wellen,  Klippen und Möwen im Flug, wenn auch überwiegend mit der Kamera und daher noch nicht im Blog zu sehen.

Die Sites archéologiques de Menez war ja schon eine Planabweichung und so ging es weiter. An der Pointe du Raz habe ich festgestellt,  dass die 8€ „Eintritt“ nicht für das Besucherzentrum sondern bereits fürs Parken und den Zugang fällig sind. Da der Rundweg vom Parkplatz über die Landspitze mindestens 3km gewesen wären und ich mir zu dem Zeitpunkt nicht sicher war,  ob ich das schaffe, die Pointe du Raz darüberhinaus völlig überlaufen ist, war es mir das nicht wert. Ich bin dann kurzerhand in eine benachbarte Bucht gefahren. Von dort hat man bei einem kleinen Spaziergang einen herrlichen Blick auf die Pointe du Raz und die vorgelagerten Inselchen mit den Leuchttürmen und die Besucherströme zur Pointe du Raz ;-). Außerdem konnte ich ein paar Wellenreiter mit dem Teleobjektiv beobachten und ein paar ganz gute Bilder schießen.  Was Flora und Fauna angeht, gab es bestimmt auch keinen Unterschied zu der Klippe, auf der ich gewandert bin. Von daher war die Planänderung ein Glücksfall.

Besucherkarawane auf dem Weg zur Pointe du Raz
Moulins de Trouguer auf dem aweg nach Douarnenez

Durch den späten Start in den Tag und den Besuch der Sites archéologiques de Menez war es schon relativ spät als ich in Douarnenez ankam. Daher habe ich die 4 Schiffe im Museumshafen nicht mehr besichtigt, sondern nur von außen beguckt.

Die Pontonbrücke habe ich auch nicht überquert, sondern bin nur ein Stück gegangen,  um zu fotografieren.

Statt dessen habe ich mir auf dieser Seite des Hafens die Kirche Sacre Coeur und die Kapelle Saint Michel angeschaut. Auf die Ile Tristan, auf der man angeblich neben der Ruine einer alten Burg auch einen vergrabenen Schatz finden soll, konnte ich nicht. Sie ist nur bei Ebbe mit einem Führer zu besuchen.

Sacre Coeur
Kapelle Saint Michel

Auf meiner direkten Route gab es leider keine geeigneten  Schlafplätze, daher habe ich einen kleinen Umweg gemacht und bin an einem schönen Strand mit Blick auf Douarnenez gelandet.  Ein idealer Ort für einen Sonnenuntergang,  leider entpuppte sich die Toilette als typisch französisches (und versifftes) Stehklo. Außerdem war es irre windig, so dass ich kochen schon abgeschrieben habe.

Aber mal ehrlich,  die Lage ist genial

Bei einem Strandspaziergang entdeckte ich, dass ein gutes Stück weiter den Strand runter auch ein Parkplatz ist, der von weitem noch besser aussah. Also bin ich hingelaufen und habe ihn mir angesehen. Der Blick war fast noch besser und der Wind schien günstiger. Also bin ich umgezogen, auch wenn die Toilettensituation dieselbe ist.  Zum Glück habe ich für solche Notfälle geeignete Ausrüstung an Bord.

Blick vom Auto zum Sonnenuntergang über dem Meer 🌅

Ich konnte das Auto so platzieren,  dass ich relativ windgeschützt kochen konnte und dabei aufs Wasser und den Sonnenuntergang schauen. Irgendwann kam noch ein Kitesurfer und hat mir ziemlich lange eine gute Show geboten.

Aussicht beim kochen und essen

Danach habe ich mir meine tolle wind- und regenfeste Jacke angezogen, meinen Tee und meine gefütterte,  ebenfalls wind- und regenfeste Campingdecke geschnappt und mich auf eine Bank am Strand gesetzt. Hier schreibe ich nun und beobachte den Sonnenuntergang über dem Meer.

Trotz 14 Grad Celsius, die sich bei 20 km/h Wind kälter anfühlen,  ist es so relativ gemütlich. Wobei sich die weit über 80% Luftfeuchte unter meiner Decke langsam tropisch und darüber feucht-kalt anfühlen. Kein Wunder dass im Auto   heute morgen auch alles feucht und klamm war. Meine Brillengläser auch schon ganz beschlagen.

Man kann der Realität nicht entfliehen.

Tja, was soll ich sagen… ich wollte einen ehrlichen Reisebericht schreiben,  keinen romantisch verklärten, denn davon gibt es genug. Wenige erzählen, dass Vanlife (gibt es auch einen passenden Ausdruck für Mikrocamperlife?), nicht immer nur schön,  frei und umgeben von wilder Natur ist. Und ein Roadtrip mit CFS macht es nicht einfacher. Mein Versuch CFS zu ignorieren und einfach nur eine gute Zeit zu haben,  hat nicht ganz funktioniert. Schlafpuls und HRV waren letzte Nacht ziemlich schlecht,  der Blutdruck ist ziemlich hoch, mir schmerzen die Muskeln,  ich habe Sehstörungen und zu allem Überfluss auch noch eine Blasenentzündung. Erschöpft bin ich sowieso. Auch wenn der gestrige Tag wunderschön war, ist Eustress (Positiver Stress) für den Korper eben doch einfach nur Stress. Er reagiert darauf genauso wie auf den üblichen Stress. Dazu schwankt meine Stimmung alle paar Minuten zwischen total glücklich und Verzweiflung.

Zu den etwas objektiveren Daten: die Powerstation war heute morgen wieder leer, die Kühlbox trotz kühler Umgebungstemperatur nicht mehr wirklich kühl, alles ist klamm und voller Sand. Ich war davon ausgegangen,  dass die Powerstation bei den 30 Minuten Fahrt nach Quiberon und dann den 1,5h hierher gut geladen sein müsste. Als ich vorher das Solarpanel angeschlossen habe,  in der Hoffnung trotz Bewölkung wenigstens ein bisschen Strom zu bekommen,  habe ich bemerkt, dass sich wohl der Verbindungsstecker von Autoladekabel zum Kabel der Powerstation unbemerkt gelöst hatte. Somit kam wohl gar kein Strom während der Fahrt an der Powerstation an. Ich überlege,  ob ich mir für heute Abend doch einen Campingplatz mit Stromversorgung suche, zumal auch eine Dusche sicher nicht schaden würde.  Ich habe bisher zwar immer Möglichkeiten gefunden,  mich morgens und abends ordentlich zu waschen,  aber ich habe seit 4 Tagen einen zunehmenden juckenden Ausschlag ausgehend von den Schultern über Nacken, Ohren,phasenweise Gesicht, Decolté und oberen Rücken. Ich vermute eine Allergie,  auch wenn ich keine Ahnung habe worauf. Aber auch Allergien und Ausschläge habe ich seit der Erkrankung öfters,  ohne immer sagen zu können,  woher. Da ich hier aber so gut wie kein mobiles Netz habe, kann ich nicht schauen,  wo ein passender Campingplatz wäre bzw. wie weit es Sinn machen würde,  heute zu fahren.  Die nächsten Ziele liegen eigentlich relativ dicht beieinander. Da wird nicht viel geladen. Daher schwanke ich zwischen einfach losfahren und später schauen und noch ein wenig hierzubleiben und mich nochmal hinzulegen. Das Frühstück richten, war sehr anstrengend, zumal ich immer wieder die paar Meter zwischen Auto und Tisch hin und herlaufen musste. Aber das erste Frühstück in Ruhe und im Sitzen, seit ich losgefahren bin, tat gut. Außerdem ist für morgen viel Regen vorhergesagt. Ich habe ehrlich gesagt auch keine Lust bei Dauerregen auf einem Campingplatz festzuhängen. Ich kann ohne Internet gerade aber auch nicht nachsehen,  wie  die Aussichten auf den nächsten geplanten Streckenabschnitten sind, oder ob sich vielleicht ein Richtungswechsel anbieten würde. Mal sehen.

Ich glaube,  ich habe noch gar nicht erwähnt,  wo ich hier gelandet bin. Dieses hübsche Fleckchen Erde nennt sich Kerphany les Pines und befindet sich am äußersten Zipfel eines kleinen Fjords. Es ist zumindest am Morgen noch ziemlich friedlich und ruhig hier. Man hört meist nur Meeresrauschen und Vogelgezwitscher.

Es ist mittlerweile mehr als ein Tag vergangen. Gestern war nicht gut. Obwohl ich noch bis kurz nach Mittag in Kerphany geblieben bin und mich noch einmal hingelegt hatte, hat mich die ca. 20 Minütige Fahrt nach Pont-Aven so erschöpft,  dass ich erstmal wieder eine Pause gebraucht habe. Ein kleiner Spaziergang durch den historischen Ortskern im Zeitlupentempo hat mich völlig ausgelaugt.

Ich hatte bereits bei meiner Ankunft in Pont-Aven eingesehen,  dass Vernunft und Pacing jetzt Vorrang haben müssen und eine Buchungsanfrage für 2 Nächte bei einem Campingplatz kurz hinter Concarneau bei Forêt-Fouesnant gestellt. Der Eingang der Buchungsanfrage wurde auch umgehend bestätigt, aber die Buchung nicht. Nach einer weiteren Pause und einer kleinen Stärkung bin ich weitergefahren und habe in der Nähe des Campingplatzes auf einem Parkplatz mit Toilette bis 17:00 Uhr gewartet. Unterbrochen von gelegentl. Toilettengängen habe ich dort geschlafen.  Das hat wieder etwas Energie gegeben. So bin ich ohne Buchungsbestätigung zum Campingplatz und habe nachgefragt. Die Erklärung war dann ziemlich süß. Die jüngere  Mitarbeiterin der beiden an der Rezeption hat sofort meinen Namen erkannt und der älteren,  die mich bedient hat, gesagt, dass sie die Buchungsanfrage angenommen, aber die Reservierung nicht abgeschlossen hat, weil ich deutsch sei und sie die Mail nicht in deutsch hinbekommen hätte. Ihre Kollegin meinte, das wäre wohl kein Problem gewesen,  da ich sehr gut französisch spräche. Erstens sehe ich das anders, aber frisch ausgeschlafen geht es wohl wirklich halbwegs, zweitens konnte die junge Frau das ja anhand der Buchungsanfrage und der Adressangabe nicht ahnen. Wäre mein Gehirn in dem Moment etwas fitter gewesen,  hätte ich sie auf die Möglichkeit von online-Ubersetzungstools hingewiesen. Wir haben jedenfalls alle 3 sehr herzlich darüber gelacht und ich durfte mir einen von ca. 10 möglichen Plätzen aussuchen. Als ich zurückkam, um die Platznummer mitzuteilen,  gab es nochmal Gelächter, weil ich natürlich den besten ausgesucht hatte. Nur 1 Platz zwischen meinem und dem Pfad zum Strand (direkter Strandzugang) und Ausblick aufs Wasser, trotzdem durch Büsche etwas geschützt vor dem von der See kommenden Wind.

Da der Campingplatz mit 2,4ha und ca. 120 Parzellen recht überschaubar ist, ist trotzdem der Weg zu den Sanitärgebäuden nicht allzu weit. Ich habe die frisch gewonnene Energie genutzt, um das Auto auszuräumen und Bett, Mittelkonsole und die Einstiege vom Sand zu befreien und das Auto neu einzuräumen. Nach den ersten 5 Nächten hatte sich doch das ein oder andere herauskristallisiert,  was noch geschickter eingerichtet werden könnte. Die Powerstation und diverse Akkus hingen mittlerweile auch am Landstrom.

Danach habe ich mir den Platz und den Strand angeschaut. Es ist wie gesagt sehr überschaubar und daher auch nicht zu energieraubend gewesen. Dabei habe ich eine Knuddelpause bei einem bärengroßen Hund eingelegt und mir von ihm noch etwas Energie spenden lassen.

Damit konnte es langsam ans Abendessen kochen gehen. Das erste „richtige“ kochen, seit ich unterwegs bin. Beim Freistehen sollte man ja nicht groß seine Campingutensilien auspacken.

Bei Essen habe ich den Ausblick auf den Strand und das Meer genossen, bevor ich dann völlig erschöpft 10 Stunden mehr oder weniger durchgeschlafen habe. Ich bin wirklich positiv überrascht,  wie gut ich im Auto schlafen kann.

Beim Schlafengehen hat mein Auto mich noch darauf hingewiesen, dass die 12V-Batterie fast leer ist und dringend geladen werden muss. Der Nachteil bei den Kurzstrecken ist, dass die Fahrt nicht ausreicht, um die Starterbatterie aufzuladen,  zumal ich während der Fahrt mit Powerstation, Kühlbox und USB-Ladegeräten zusätzliche Verbraucher angeschlossen habe. Da bei jedem Türöffnen (und das ist fast dauernd während man irgendwo steht) die Lichter im Auto angehen und auch die sonstige Elektronik wie Bordcomputer etc. wird auch dabei unnötig Strom verbraucht.  Es ist eben ein PKW und kein aufs Camping ausgelegtes Fahrzeug. Dafür habe ich noch keine Lösungen gefunden. Aber ich werde morgen wohl icherheitshalber de Batterie laden, zumal ich hier auf dem Campingplatz Strom zur Verfügung habe.