Heute war ich wieder sehr früh wach. Das hat mir immerhin gemütliches Frühstücken, aufräumen und einen Sonnenaufgang über dem Teich beschert.

Morgenstimmung am Fischweiher

Und ich war früh in Fourgères. Das war auch aus mehreren Gründen gut. Als ich mich vom Parkplatz auf den  Weg zum Chateau machen wollte, habe ich nämlich bemerkt,  dass der Kofferraum nicht zu war. Das verrückte war. Egal welche Knöpfe ich auf der Fernbedienung drückte,  entweder war der Kofferraum auf und die Türen verriegelt oder andersrum. Nachdem ich alle Wertsachen aus dem Auto in meinen Rucksack umgepackt hatte und die ersten 1-200m Richtung Chateau und mittelalterliches Zentrum gelaufen bin, kam mir noch die Idee, dass es funktionieren könnte,  wenn ich keyless Entry wieder aktiviere. Das hatte ich vor 2 Wochen abgestellt,  als ich Probleme mit der Batterie hatte. Weil das Auto ständig auf und zu ging, wenn ich irgendwo stand und mit der Schlüsselkarte in der Tasche ums Auto herum unterwegs war. Und tatsächlich, wenn ich das Auto automatisch verschließen lasse, sobald der Schlüssel sich entfernt, dann sind alle Türen inkl. Kofferraum verriegelt.  Ich vermute eine Fehlprogrammierung. Also konnte ich mich jetzt beruhigt auf zur Festungsbesichtigung machen. Da ich am oberen Eingang des Jardin Publique geparkt hatte, durfte ich als erstes den Ausblick von der obersten Ebene des Gartens genießen. Er liegt an einem ziemlich steilen Hang und ist in drei thematisch unterschiedliche Bereiche aufgeteilt. Wirklich sehr schön gemacht. Eine gute Mischung aus naturbelassenem und angelegtem Garten mit viel Schatten und Wasser.

Von dort aus hat man auch gute Sicht auf die darüberliegende Église Saint-Léonard. Von ihrem Turm aus hat man wohl einen guten Panoramablick über Stadt,  Château und Umland.  Das habe ich aber erst später erfahren und da war ich im Château schon auf so viele Türme gestiegen, dass ich keine Treppe mehr unnötig steigen wollte. Im Innern des Turmes kann man sich während des Aufstiegs über die Geschichte der Stadt informieren. Auf dem Rückweg lockten mich Orgelklänge aus dem Inneren in die Kirche. Außerdem war es dort schön kühl.  Mein Nervensystem fand die Orgelmusik aber zu laut. Daher bin ich nicht lange geblieben. Es war auch wieder eine schöne Kirche, aber wesentlich schlichter als die anderen Kirchen in den letzten Tagen.

Nach einem kurzen Gang durch die Unterstadt, ging es auf der anderen Seite wieder leicht bergauf zum Château.

Dabei kam ich an der zweiten Kirche von Fourgères vorbei, der  Église Saint-Sulpice de Fougères. Das ist die  innerhalb der Stadtmauern liegende Kirche der Unterstadt. Fourgères gliedert sich nämlich in eine am Fuß des Châteaus liegende Unterstadt und die darüber thronende Oberstadt.

Église Saint-Sulpice de Fougères
Église Saint-Sulpice de Fougères vom Château aus

Hier konnte ich mich dann mal für die vielen Freundlichkeiten, die mir die Bretonen/Franzosen bisher erwiesen hatten,  revanchieren. Ein Paar fragte mich nämlich,  ob es irgendwo einen guten Aussichtspunkt gäbe. Da ich gerade die Aussicht vom Jardin Publique genossen hatte, konnte ich Ihnen behilflich sein und gleich mit einer Wegbeschreibung dienen.

Dann endlich war ich am Château. Dort hat die nette Dame an der Rezeption gleich alle meine Grammatikfehler korrigiert. Dafür war ich ihr sehr dankbar, denn das hilft beim Lernen der Sprache mehr, als wenn man mich versteht und aus Höflichkeit/Freundlichkeit nicht korrigiert.

Das Château ist wirklich beeindruckend und bereits im ersten Vorhof war für mich klar: der weite Weg hat sich gelohnt. Immerhin war ich gestern fast 200km angereist. Das Château ist eng mit der lokalen, bretonischen und europäischen Geschichte verbunden. Und über all das erfährt man im Rahmen der Besichtigung dank eines Audioguides, den es sogar in Deutsch gibt, sehr viel. Im Laufe ihres rund 1000-jährigen Bestehens hat sie viele architektonische Veränderungen durchgemacht, in die vor allem auch militärische Erkenntnisse einflossen. So sind z. B. Die neueren Wehrtürme nicht mehr viereckig und flach in die Wehrmauer integriert, sondern oval oder rund und ragen über die Wehrmauer hinaus. Somit konnte man aus ihnen in alle Richtungen auf Angreifer schießen und sie waren bei Beschuss mit Katapulten oder Kanonen nicht so anfällig.

Das Château im Laufe der Zeit
Gleich zu Beginn des Rundgangs kann man sich mit diesem Modell einen Überblick über das Château verschaffen
Wo früher die Wirtschaftsgebäude standen, sind heute kleine typisch mittelalterlich, nach Annwendungsfall gegliederte kleine Gärten angelegt
Der Gobelline- und der Melusineturm sind die wehrhaftesten und im Falle eines Angriffs der letzte Rückzugsort hinter der dritten Burgmauer
Vom Wohnbereich der Herrschaft stehen nur noch die Grundmauern

Nach über 3h war ich mit der Besichtigung der Burg und auch sonst durch. Da ich mir noch den Beffroi anschauen wollte, habe ich den Weg durch den auf der anderen Seite des Château gelegenen Stadtteil gewählt.  Das hat mich das erste Stück im Schatten der Stadtmauer geführt,  von der auch noch einiges erhalten ist.

Impressionen aus der historischen Altstadt Richtung Beffroi
Impressionen aus der historischen Unterstadt
Impressionen von der Stadtmauer

Der Beffroi ist ein Glocken- und Aussichtsturm von Ende des 14. Jahrhunderts. Er gilt heute als der älteste Glockenturm der Bretagne. Der im Langand-Stil gestaltete Turm wurde auch als Feuerturm genutzt. Mit ihm demonstrierte die Stadt ihre Überlegenheit und ihren Wohlstand

Die Spitze des Glockenturms wurde mehrmals umgebaut, und die jetzige stammt aus dem 20. Jahrhundert.

Auf dem Weg zurück Richtung Küste habe ich eine Pause eingelegt,  um die Powerstation mit Solarenrgie zu laden. Das funktioniert besser als über die Autobatterie.

Da ich dann noch durch einen Anuf aufgehalten wurde, kam ich erst so spät an meinem geplanten Übernachtungsplatz an, dass alle Plätze besetzt waren. Jetzt habe ich eine Parkplatzodyssee hinter mir, aber dank meines Liebsten, der zu Hause mit gesucht hat, habe ich ein Plätzchen in der Nähe (hinter den Dünen) dieses schönen Strandes und konnte wenigstens noch die blaue Stunde genießen. Jetzt brauche ich nur noch mein Bett.

Le Beffroi