Die ungemütliche Übernachtungssituation hat mir eine kurze Nacht beschert. Daher habe ich ziemlich früh fluchtartig die Location verlassen und bin an die Abermündug gefahren. Hier wollte ich heute eine kleine Wanderung zu einer Insel mit einer alten Feste machen, die man bei Ebbe angeblich zu Fuß erreichen soll. Bis zur Ebbe bzw. Tiefwasser waren es noch einige Stunden, aber ich wurde mit einem schönen Sonnenaufgang belohnt.

Außerdem konnte ich so früh morgens ganz ungestört Fische und Vögel beobachten und dank meinem Tele ein paar gute Bilder schießen.
Die Wanderung war dann etwas abenteuerlich, weil es teilweise über glitschige, mit Algen bewachsene Felsen ging und man sich immer mal wieder einen Weg suchen musste, bei dem die Füße trocken bleiben. Man läuft eben durch ein gerade abgelaufenes Flussbett und dessen Übergang in den Atlantik.

Aber nach einiger Kletterei war es geschafft und ich konnte die Insel ersteigen und die Aussicht genießen.

Die Festung wurde wie viele Befestigungsanlagen seinerzeit und auch ein paar zivile Bauwerke (auch im Breisgau) von Vauban erbaut.

Auf dem Rückweg hat das Universum mir noch einen Streich gespielt. Ich habe mir eingebildet, dass man am Ende des Prils trockenen Fußes zurück auf meinen Weg kommt. Da das nicht so war und das Wasser an dieser Stelle gut 20-30 cm tief, habe ich die Hosen hochgekrempelt, die Schuhe ausgezogen und bin hinübergewatet. Ich wusste, dass ein kleines Stück weiter ein Parkplatz kommt, an dem ich die Füße trocknen und wieder in die Schuhe steigen könnte.
Während ich die Füße in die Sonne hielt, kam ein Auto und ich dachte noch „ach, ein Freiburger“. Der Fahrer und ich haben nicht schlecht gestaunt, als wir uns gesehen haben. Es war ein Arbeitskollege aus meiner Abteilung. Verrückter Zufall oder das Universum hat mich gezwungen, mir die Füße nass zu machen, damit wir uns treffen konnten….
Danach ging es weiter Richtung Crozon bzw. Morgat, wo ich heute eine Bootstour zu den Wasserhöhlen von Morgat gebucht habe. Ich wäre gerne mit einer geführten Kajaktour mit einem Guide in die Höhlen gefahren, aber das wird nur im Juli und August angeboten. Die große Bootstour ist auch auf Tage hin ausverkauft. Ich bin gespannt, wie es wird.
Heute bin übrigens scheinbar nicht nur ich müde, sondern auch das Navi. Es hat heute ein paarmal einfach abgebrochen oder mich woanders als geplant hinnavigiert, so dass ich mehr auf der Straße war als ich wollte, obwohl ich mich nur in einem Radius von rund 20 km bewegt habe.
Einige Stunden später…
Das Navi hat auch auf dem Weg nach Morgat wieder seltsame Dinge gemacht. Wenn ich wieder zuhause bin, muss ich mal schauen, ob es dafür ein Update gibt. Nachdem ich es endlich nach Morgat geschafft und auch irgendwann einen Parkplatz ergattert habe, habe ich ein wenig „Haushalt“ gemacht (aufgeräumt, Geschirr gereinigt,…) und das Solarpanel rausgehängt. Viel Strom gab es nicht (bewölkt) aber besser als nichts. Hier an meinem heutigen Schlafplatz scheint gerade die Sonne, da kann die Powerstation noch auftanken.
Morgat war voller Touristen und das ist auch die Haupteinnahmequelle seit die Sardinen alle weg sind (und damit auch die Fabriken). Herr Peugeot hatte das damals ganz gut erkannt, dass Tourismus die Zukunft des Ortes sein könnte. Die prächtigen Villen, die etwas abseits der einfacheren Fischerhäuschen stehen, zeugen davon, dass das einmal ein sehr mondänes Städtchen war.



Die Bootstour zu den Höhlen war sehr interessant und hat Lust auf mehr gemacht. Am liebsten hätte ich mir direkt ein Kajak geholt und wäre überall reingepaddelt. Da ich aber 0 Erfahrung habe, wäre das alleine etwas fahrlässig. Leider hatte ich mich im Boot ganz nach hinten hingesetzt. Dadurch konnte ich die Führerin nicht gut hören und auch in den Höhlen in die wir reingefahren sind nicht so viel sehen, weil sie zu eng waren, um darin mit dem Boot zu wenden. Das nächste Mal also vorne sitzen.

In manchen Höhlen zaubern chemische Reaktionen an denen Mineralien, Algen und das Meerwasser beteiligt sind, wunderbare Farbmuster in die Felsen, die sich im türkisfarbenen Wasser spiegeln.

Man kann hier sehr gut die verschiedenen Sedimentschichten erkennen, die im Laufe der Jahrmillionen am Meeresgrund entstanden sind und durch tektonische Ereignisse aufgeworfen wurden. An manchen Stellen wurden dann durch Erosion Fossilien freigelegt, die man in einigen Höhlen an den Wänden erkennen kann.


Auf der Crozon-Halbinsel gibt es über 500 solcher maritimen Höhlen. Die einzelnen Höhlen haben jede ganz eigene Charakteristika, die Ihnen im Lauf der Zeit ihre Namen gaben, wie z. B. die Wohnungen des Teufels. Das sind drei natürliche Trichter mit einem Durchmesser von 6 bis 10 Metern, die die Klippe durchbohren. Diese klaffenden Schornsteine, die mit unterirdischen Höhlen und vertikalen Kanälen verbunden sind, haben die Vorstellungskraft der Menschen beflügelt und eine faszinierende Legende inspiriert. Bei Stürmen rast der Wind herein, der Schaum steigt in Wirbeln über die Klippen auf und erzeugt ein gespenstisches Schauspiel, das Rauch ähnelt. Zusammen mit dem Heulen des Windes und dem Krachen der gegen den Felsen geschleuderten Kieselsteine ließ dieses Schauspiel die Menschen an Teufelswerk glauben.


Durch Auswaschungen, Erosion und Abbrüche entstanden die interessanten Formationen, die unter anderem den Reiz dieser Region ausmachen.
Ich bin dann noch weitergefahren zum Cap de la Chèvre. Hier gibt es einen noch aktiven Semaphoren, alte Bunkeranlagen und Denkmäler für die Marineflieger, die seit Gründung der Marinefliegerei im Nordatlantik vermisst werden und für das 15. Kavallerieregiment der US-Armee zur Erinnerung an deren Rolle bei der Befreiung der Region im Zweiten Weltkrieg.




Und ganz viel Natur und Aussicht, denn das Cap de la Chèvre liegt im Naturpark Amorique und ist mit seinen über 100m hohen Klippen das höchste auf der Crozon-Halbinsel. Leider war heute ziemlich diesig. Ansonsten hat man eine grandiose Sicht auf die Bucht von Douarnenez, Pointe du Raz, das Cap Sizun und Pointe de Dinan. Aber vielleicht sieht man ja morgen früh mehr, denn hier werde ich übernachten.





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