Ich habe nach dem aufregenden Tag gestern lange geschlafen. Als ich aufgestanden bin, war es trotz Schatten schon ziemlich drückend. Beim Frühstück bekam ich noch Besuch vom Ordnungshüter und eine Rüge. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sich die nur auf den Gaskocher, mein Frühstücksgelage oder das Campieren bezog. Es wurde jedoch deutlich, dass ein längeres Verweilen nicht gern gesehen wäre. Aber ich durfte meinen Café fertig machen. Außerdem wurde ich gewarnt, dass es wegen der Grünalgen dort gefährlich sei. Also bin ich nach dem Frühstück nach Binic aufgebrochen.

Dort angekommen war ich überrascht von der Größe des Ortes. Ich hatte mit etwas eher dorfartigem gerechnet.

Ich fand einen großen kostenlosen Parkplatz in der Nähe des Tourismusbüros. Mit Hilfe einer dort aushängenden Karte mit Wandervorschlägen habe ich mir eine kleine Route zusammengestellt, die mich an einigen Sehenswürdigkeiten und einem Strand vorbeiführen sollte.

Gerüstet mit etwas zum Essen, vermeintlich ausreichend trinken, Badetuch und Lektüre habe ich mich auf den Weg gemacht. Es war bewölkt und ziemlich drückend. Weil es mir auf diesem Parkplatz auch nicht ganz geheuer war, habe ich das Solarpanel nicht angeschlossen. Ich ging davon aus, dass der Strom der Powerstation noch reichen müsste bis zum Einzug ins Ferienhaus.

Ich habe bei einer kleinen Wanderung zuerst das hoch über dem Hafen gelegene Quartier Ville Cadio, mit seinen alten Häusern, dann den alten Hafen mit dem Plage de l’ancien port und den Hafen besichtigt.

Blick über Binic
Häuser im Quartier Ville Cadio
Gassen und Häuser im Quartier Ville Cadio
Bucht neben dem alten Hafen
Ancien Port mit Leuchtturm von Binic
Hafen

Entlang des Sable Blanche ging es weiter Richtung Leuchtturm und les Bernains. Zu Beginn hat mich ein Regenschauer erwischt, aber am Hafen brannte mittlerweile die Sonne glühend heiß. Es hatte um die 30°C. Da mir die Anstrengung vom Vortrag noch in den Knochen steckte und ich den ganzen Tag schon einen ziemlich hohen Puls hatte, wollte ich mir statt Strand ein schattiges Plätzchen suchen. Auf der Karte habe ich einen Park entdeckt und dachte, dort würde sich ein Plätzchen finden, wo ich meine Decke ausbreiten und mich hinlegen könnte. Außerdem solle dort in der Nähe eine archäologische Ausgrabungsstätte sein. Dazu musste ich rund 1km durch die Stadt und dann einen kurzen, aber knackigen Anstieg bewältigen. In dem Park, der genaugenommen eine Mischung aus Wäldchen und Wiesen war, waren die Wiesen nicht gemäht und die paar Sitzgelegenheiten,  die es gab, waren alle in der Sonne. Kein geeigneter Ort für eine Ruhepause. Da ich auch die Ausgrabungsstätte nicht finden konnte und mir die Hitze immer mehr zu schaffen  machte, beschloss ich umzukehren und mir die Kirche Notre-Dame de Bon Voyage anschauen und dort etwas auszuruhen. Aber bereits nach wenigen Metern merkte ich, dass mir das zuviel wird. Daher bin ich den kürzeren Weg zum Auto gegangen. Das war zwischenzeitlich der reinste Glutofen. Daher beschloss ich es doch mit einer Abkühlung im Wasser zu versuchen. Es gibt in Binic am Plage Blanche ein Gezeitenbecken, das  sich bei Flut mit frischem Meerwasser füllt. Es soll eines der schönsten in der Bretagne sein.

Gezeitenbecken / Meerwasserschwimmbecken

Tatsächlich hat die Abkühlung meine Lebensgeister wieder geweckt. Nachdem das klebrige Salzwasser wieder von der Haut gewaschen war, habe ich mich fast wie neugeboren gefühlt. Das Glück perfekt gemacht hat dann ein Glace italienne (eine Art Softeis) der Geschmacksrichtung Cassis.

Glace italienne

Das war so erfrischend, dass ich mich danach auf die Suche nach einem Schlafplatz machen konnte.

Und auch da hatte ich Glück, denn der erste Parkplatz war gleich geeignet.  Aber im Auto war es bei der Hitze nicht auszuhalten. Also bin ich dort noch eine Weile herumgelaufen.

Blick Richtung Hafen

Nach einigen weiteren Steigungen und Gefällen, fand ich endlich auch einen kleinen Park, wo ich mich bis Sonnenuntergang aufhalten konnte.

Sonnenuntergang im ParkSonnenuntergang im Park

Der Ort selbst (Plérin) hat mich nicht besonders begeistert. Aber das könnte auch an der Hitze und meiner Erschöpfung gelegen haben.  Obwohl es um 1:00 Uhr immer noch 32°C im Auto hatte und sehr hohe Luftfeuchtigkeit, bin ich irgendwann der Erschöpfung erlegen und eingeschlafen.

Samstag: nach einer feucht-heißen Nacht, war der Morgen etwas kühler,  aber immer noch sehr drückend. Die Hitze hatte auch dazu geführt, dass die Kühlbox Höchstleistungen bringen musste und die Powerstation geleert hat. Das Wetter war aber nicht geeignet, Solarstrom zu bekommen (bewölktundimmer wiederRegen). Daher konnte ich auch den für morgens geplanten Wochenendeinkauf nicht machen. Bei den Temperaturen wäre mir der Käse durchs Auto gelaufen. Nach der erfolglosen Suche nach einem hübschen Picknickplatz, bin ich Wäsche waschen gegangen. Das hat überraschend gut geklappt. Ich habe zu den Waschmaschinen und Trocknern, die man in Frankreich oft vor Supermärkten findet, schon einiges gehört. Von himmelhochjauchzender Begeisterung bis „funktioniert gar nicht“ war alles dabei.

Danach bin ich zu dem Parkplatz am Cap d’Erquy gefahren,  an dem ich vor ein paar Tagen war. Dort habe ich mir Wind und Sonne zum Aufladen der Powerstation erhofft. Wind gab es auch, aber Sonne erst gegen Ende der Zeit, die ich dort war. Es hat aber genügt, um nach dem Einkauf die Lebensmittel auf dem Weg zum Ferienhaus zu kühlen. 

Der Vermieter konnte leider nicht zur Begrüßung da sein, hat den Schlüssel aber in einem Schlüsseltresor deponiert. Das Häuschen ist genau wie beschrieben, sauber und sehr gepflegt. Da haben wir in Frankreich auch schon anderes gesehen.

Als ich mit auspacken und aufräumen gerade fertig war, kam mein Freund an. Wir haben gegen Abend einen Spaziergang durch den Ort und am Strand gemacht und danach ein leckeres Abendessen auf unserer Terrasse genossen.