Die Sonne hat mich heute schon früh geweckt und so bin ich nach meiner morgendlichen Meditation bei angenehmen 12 Grad und Sonnenschein mit wenig Wind vom Plage de Kervel begrüßt worden.

Da auch die Luftfeuchtigkeit deutlich abgenommen hat, habe ich den morgen genutzt um das Auto ordentlich durchzulüften und die klammen Decken, Handtücher und Klamotten in Wind und Sonne zu trocknen. Da ich am späten Abend doch noch entdeckt habe, dass es an diesem Parkplatz nicht nur eine richtige Toilette, sondern auch ein geradezu luxuriöses Waschbecken gibt, konnte ich mich heute wieder mit fließend Wasser waschen und mein Geschirr ordentlich spülen. Das ist beim Freistehen auf Parkplätze nicht immer möglich. Es sei denn man will das Spülwasser in die Natur Kippen, was für mich nicht in Frage kommt. Daher bin ich sehr dankbar für den Tipp einer Youtuberin, immer eine Sprühflasche mit Spülmittel-Wassergemisch dabeizuhaben. Damit kann man zwischendurch Tassen, Teller und Besteck wenigstens rudimentär reinigen.

Nach einer ausgiebigen Knuddelrunde mit dem Hund einer Foodtruckbesitzerin, die am Morgen ihren Truck neben mir aufgebaut hat, bin ich ins wenige Kilometer entfernte Dorf Locronan gefahren. Im Internet streiten sich die Geister darüber, ob es gerechtfertigt ist, 5€ fürs Parken pro Tag zu verlangen. Ich bin mir noch nicht sicher. Das Dorf ist in jedem Fall sehr hübsch und gepflegt, die Toilette in der Nähe des Rathauses war es weniger. Das lief schon eher unter Zumutung.

Etwas abseits des Kirchplatzes geht es über ein kleines Sträßchen bergab zu einer Kapelle aus dem 15. JH mit einem schönen Kalvarienberg und Brunnen. Urkundlich ist sie erstmals in einem Testament im Jahr 1439 erwähnt.
Etwas hinter dem Rathaus geht es rechts ca. 500m steil bergauf zum Manoir de Kerguénolé, einem alten Herrenhaus im Besitz der Gemeinde Locronan. Angesichts der vielen schönen alten Häuser in Locronan finde ich es nicht besonders bemerkenswert. Allerdings hat man von einzelnen Stellen durch das dichte Grün eine schöne Aussicht.

Wenn man über die Zufahrt des Herrenhauses auf der wenig befahrenen Fahrstraße wieder nach Locronan geht, hat man einen schönen Blick auf die Kirche und die daneben liegende Kapelle mit ihren Wasserspeiern, dem filigranen Glockenturm der Kapelle und dem mächtigen Kirchturm. Im Inneren der Kirche findet man im Seitenshiff eine kleine Ausstellung zur Geschichte, insbesondere zur Baugeschichte, der Kirche, deren Anfänge auf das Jahr 1424 zurückgehen. Davor gab es hier schon eine keltische Kultstätte, denn Locronan war ursprünglich Teil eines keltischen Kultweges mit 12 Stationen, bevor es christianisiert wurde.

Das Bild von Locronan ist ansonsten geprägt von vielen kleinen touristisch orientierten, liebevoll gestalteten Geschäften und Gastronomien.





Der keltische Buchladen hatte leider gerade wegen Essenspause geschlossen, als ich ihn endlich gefunden habe.
Und während alle anderen heute morgen um die Schattenplätze gekämpft haben, habe ich für die 5€ Parkgebühr meine Powerstation fast voll geladen 🙂
Am Nachmittag ging es nach Quimper, der Stadt der Kunst und der Geschichte. Nach einer Ruhepause im Yoggi habe ich mich auf den Weg in die historische Altstadt gemacht und kam gerade zur rechten Zeit um in den Petit Train einzusteigen. Der Fahrer war supernett und hat mir ein deutschsprachiges Transkript der französischen Führung gegeben, das ich während der Fahrt lesen konnte. Die ca. 40-minütige Rundfahrt gab einen interessanten Überblick über die Geschichte und Sehenswürdigkeiten, die ich mir im Anschluss noch teilweise zu Fuß näher angeschaut habe.


Die Kathedrale von St. Corentin mit deren Bau 1240 begonnen wurde und der 300 Jahre dauerte, beeindruckt sowohl von außen mit ihren 80m hohen Türmen als auch von innen mit ihren Buntglasfenstern, den vielen Kapellen, Fresken, Statuen, Reliquien und Sarkophagen. Ich war ganz überwältigt und konnte die ganze Fülle gar nicht erfassen.


Auf dem Platz um die Kahedrale gibt es neben dem berühmten Kaufhaus Erodiff einige schöne alte Fachwerkhäuser, das Rathaus, das Kunstmuseum und eine Statue von René Theophille Hyazinthe Laennec, dem berühmten Quimperer Arzt, der das Stethoskop erfunden hat.

Die ältesten Häuser stehen in der Rue Kéréon (bretonisch: Schuhmacher). Sie entgingen zum Glück dem Großbrand, der 1762 Quimper verwüstete. Ein nettes Detail sind kleine Figuren an einigen Fassaden, die sich über die Köpfe der Passanten hinweg zu unterhalten scheinen. Auch die umliegenden Straßen sind nach den Berufen der damaligen Bewohner benannt, z. B. Rue des Boucherien, Rue de Sallé, Place au Beurre, …


Die Häuser um den Place Terre au Duc (Herzogenplatz), auf dem sich früher die Tagelöhner auf der Suche nach Arbeit versammelten, stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Quimper bedeutet auf bretonisch „Zusammenfluss“. Hier treffen 3 Flüsse aufeinander. Das hat Quimper nicht nur Reichtum, sondern auch mehrere verheerende Hochwasser beschert.

Über einen der Flüsse gibt es viele kleine Stege für Fußgänger

Quimper war einst von einer 1500m langen Stadtmauer mit 10 Wehrtürmen umgeben, von der auch heute noch Teile und Türme stehen.

Auf meinem anstrengenden Weg bergauf zurück zum Parkplatz Tourbie konnte ich im exotischen Garten der Ruhe (Jardin de la Retraite) etwas Abkühlung und Ruhe finden. Es gibt in Quimper mehrere solcher grünen Oasen.

Die Suche nach einem Schlafplatz gestaltete sich heute etwas schwierig. Die Parkplätze und Sanitäranlagen sind auf meiner weiteren Strecke Richtung Crozon-Halbinsel eher rar gesät und waren alle in sehr unappetitlichem Zustand. Nachdem ich mehrere angefahren habe, bei denen ich kein gutes Gefühl hatte, bin ich nach Telgruc-sur-mer gefahren und habe mich auf einen Parkplatz der Gemeinde gestellt. Nicht ideal, aber auch das gehört zu einem Roadtrip. Man kann nicht immer auf einem Premium-Stellplatz direkt am Strand sein. Bisher hatte ich da ja großes Glück.
























































































Die ersten Spuren derSteinzeit.
























