Wie schon bei der Anreise teile ich die knapp über 1000km in zwei Etappen auf.
Heute morgen hatte ich noch kurz etwas Hektik. In der Nacht hatte es geregnet und um 1:15 Uhr hatte die Wettervorhersage auch für den Morgen nochmal Schauer angekündigt. Als ich aufgestanden bin, gab es auch ziemlich schwarze Wolken über mir. Also habe ich in Windeseile das Zelt abgebaut, bevor es wieder nass werden konnte. Das Wetter fand das wohl recht lustig, denn währenddessen verschwanden die schwarzen Wolken, die Sonne kam raus und es wurde wieder ziemlich heiß.
Also habe ich mich danach ohne Zelt noch einmal häuslich niedergelassen und gefrühstückt.
Letzter Blick über den leergeräumten Platz Richtung Meer
Ich habe mir nach dem Checkout noch die kleine Kapelle von Kervoyal (Teil von Damgan) angesehen und bin ein letztes Mal am Strand durchs Meer gewatet. Bei Flut sah der Strand deutlich hübscher aus, als bei Ebbe.
Kapelle, die nach dem Krieg in Kervoyal von einer lokalen Anwaltsfamilie gebaut worden ist. Plage de Kervoyal, bei Flut ganz hübsch
Dann wurde es Zeit, mich endlich auf den Weg zu machen. Die Hitze hat mir sehr zu schaffen gemacht, selbst ruhig auf einer Bank sitzend hatte ich über 100 Puls. Und im Landesinnern sollte es noch 10 Grad heißer sein. Aber es half alles nichts. Nächste Woche muss auch ich wieder arbeiten und dazu muss ich mich der Hitze stellen.
Ich hatte mir vor der Reise eine ADAC-Mautbox bestellt, um mir die lästige Warterei und Zahlerei an den Mautstellen zu ersparen. Bisher kam sie aber nicht zum Einsatz. Auf dem Heimweg wollte ich nicht mehr den gemütlichen, aber langen Weg über Land nehmen. An der ersten Mautstelle zeigte sich, dass die Mautbox wohl nicht an einer geeigneten Stelle der Windschutzscheibe angebracht ist, denn sie wurde nicht erkannt. Zum Glück war wenig los und ich konnte noch einmal zurück fahren. Als ich dieMautbox ca. 50m vor der Schranke aus dem Fenster hielt, öffnete sich auch die Schranke. Also habe ich das den ganzen Tag so gemacht.
Auf etwa halber Strecke zu meinem heutigen Etappenziel habe ich in einem hübschen alten Städtchen eine längere Pause gemacht. Obwohl ich alle Stunde einen kleinen Halt eingelegt habe, war ich sehr erschöpft. Nachdem ich mir mehr Wasser besorgt hatte fand ich einen schattigen Parkplatz am Ufer eines Flusses mit einem kleinen Wasserfall. Es war zwar so schwül-warm, dass der Schweiß ran, wenn man nur irgendwo saß, aber wenigstens ging ein leichtes Lüftchen. Nachdem ich eine Kleinigkeit gegessen hatte, um den Blutzucker anzuheben, beschloss ich einen kurzen Spaziergang zu machen, um auch den Kreislauf in Schwung zu bringen und wieder etwas wacher zu werden.
Parkplatz am Indre in Arzay
Das Schloss Azay-le-Rideau wurde 1518-1527 an der Stelle einer ehemaligen Burg gebaut, die Anfang des 15. Jahrhunderts von Karl VII geschleift worden war. Es handelt sich um ein Wasserschloss im Renaissancestil. Seit 1906 ist es Staatseigentum.
Schloss Azay-le-Rideau
Zum Schloss gehört neben einem großen Park ein ehemaliger Obst- und Gemüsegarten, der heute nachhaltig bewirtschaftet wird und einige Insektenhotels beherbergt.
Jardin des secretsJardin des secretsAzay-le-Rideau
Nach einigen weiteren Stunden Fahrt bin ich gegen 19:30 Uhr an meinem heutigen Etappenziel angekommen. Ich übernachte wieder auf dem schönen Wohnmobilstellplatz am Teich in Lurcy-Lévis wie bei der Anreise. Es gibt heute jede Menge Insekten und Ameisen hier, die mich heiß und innig lieben. Letztes Mal war es schon spät am Abend, da war mir das nicht aufgefallen oder es war nicht so schlimm. Aber damit war an einem Fischteich zu rechnen.
Mein Freund ist heute Vormittag abgereist. Er muss morgen leider wieder arbeiten. Zuvor hat er mir noch geholfen, das Tarp so aufzustellen, dass ich am späten Nachmittag einen Schattenspender habe, wenn die großen Bäume links und rechts des Stellplatzes keinen Schatten mehr spenden.
Der Tag heute steht ganz im Zeichen der Reisevorbereitungen, denn morgen muss auch ich mich auf den Heimweg machen. Mein einziger Trost ist, dass ich am Freitag und Sonntag jeweils einen meiner Pflegehunde haben werde. Ich habe das Leben auf Reisen und im Auto sehr genossen und die Bretagne und die Menschen hier haben mein Herz im Sturm erobert. Auf meiner Reise habe ich eine Frau kennengelernt, die ursprünglich aus Deutschland stammt und seit 10 Jahren mit ihrem Wohnmobil durch die Bretagne reist. Ein bisschen bin ich neidisch. Ich könnte mir so ein Leben durchaus vorstellen. Auch Travel and Work könnte ich mir vorstellen. Ich habe vor der Reise Bedenken gehabt, ob ich es überhaupt schaffe, sowohl gesundheitlich als auch überhaupt unter so minimalistischen Bedingungen zu leben. Aber ich muss sagen, es geht mir gesundheitlich nicht schlechter als vor der Reise. Ich muss genauso aufpassen und auf meine Grenzen achten, aber es fällt mir leichter als in meinem normalen Alltag, wenn ich nur auf mich achte und nach einem Rhythmus lebe, den mir mein Körper vorgibt.
Das ist auch der Grund, warum ich noch eine zweite Nacht hier auf dem Campingplatz verbringe. So habe ich genug Zeit und Ruhe, mich auf den weiten Rückweg vorzubereiten und auch wenn wenig Zeit bleibt, um auszuruhen und zu entspannen, wird mir der „Stillstand“ gut tun. Denn ehrlich gesagt, bin ich schon wieder ziemlich am Limit. Kreislauf und Verdauungsapparat machen nicht das was sie sollen und ich bin auch ziemlich schwach. Obwohl wir immer wieder ruhige Tage in den letzten 1,5 Wochen eingebaut haben, ist es scheinbar anstrengender für mich, die ganze Zeit Menschen um mich zu haben, egal wie rücksichtsvoll sie sind und wie sehr ich sie liebe.
Heute morgen hatten wir Besuch von einer kleinen Katze. Eine Zeitlang machte es den Eindruck, als wolle sie uns adoptieren. Sie konnte gar nicht genug geschmust werden. 4 Hände waren ihr fast zu wenig. Nur als wir sie wieder aus dem Yoggi gejagt haben, war sie kurzzeitig beleidigt. Sie hätte am liebsten mit uns gefrühstückt. Da sie sehr dünn war, hätte ich ihr auch gerne was abgegeben, aber wir hatten leider (oder vielleicht auch zum Glück) nichts für Katzen geeignetes.
Besuch schon vor dem Frühstück
Nachdem ich meinen Freund zu seinem Auto gebracht hatte, wollte ich die Waschmaschinen hier beim lokalen Supermarkt nutzen. Die rund zwei Kilometer waren wieder mal eine Herausforderung. Erst wollte das Navi mich dauernd in Straßen schicken, in die ich nicht einfahren durfte, dann war die Zufahrt zum Supermarkt gesperrt bzw. heute nur Fußgängerzone. Also habe ich einen anderen Weg gesucht und dabei festgestellt, dass man da heute gar nicht mit dem Auto hinkommt, weil auf allen Straßen und Plätzen um den Supermarkt Markt ist. Ich hatte keine Lust mit meiner schmutzigen Wäsche über den Markt zu gehen. Daher habe ich mir einen Supermarkt in der nächsten größeren Stadt gesucht. Dort konnte ich, während die Waschmaschine gelaufen ist, gleich tanken und noch den gestrigenBlog fertigschreiben.
Zurück auf dem Campingplatz, war es bereits 13:15 Uhr. Ich habe den Nachmittag damit verbracht, die Wäsche aufzuhängen, die Dachbox und die Kisten im Yoggi wieder ordentlich einzuräumen und zu putzen, Müll wegbringen, die Rechnung für den Campingplatz zu begleichen und zu kochen. Gleich gehe ich abwaschen und dann werde ich die ersten Sachen aus dem Zelt wieder in den Yoggi umräumen. Dann neigt sich der Tag schon wieder dem Ende zu. Zum Glück ist es heute nicht mehr ganz so heiß. Seit ca. 11 scheint zwar wieder die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, aber mittlerweile geht wieder ein angenehmer Wind und hinter meinem Tarp-Schutzschild kann man es gut aushalten.
Nach einem gemütlichen Frühstück und ausgiebigen Lüften, fuhren wir nach Saint-Pierre-Quiberon. Unzerwegs gab es einen Zwischenstopp, um frisches Brot, obst, Gemüse und v. A. Wasser zu besorgen. Bei der Hitze ist der Bedarf doch deutlich höher. Wir haben eine Miniwanderung über Pointe du Percho und am Strand Plage Port Blanc entlang. Neben einer Ruine, zu der es keine weiteren Infos gab, gab es einen Dolmen und viele Wellenreiter. Wir waren nämlich in einem El Dorado für Surfer gelandet. In Pléhérel bei unserer Ferienwohnung fanden wir ja die Wellen mit 1m Höhe toll, aber das hier war eine ganz andere Hausnummer. Hier waren die Wellen mehrere Meter hoch. Es schäumte und spritzte nur so, wenn sie sich am Strand und den Klippen brachen. Wir hatten mindestens so viel Freude daran sie zu beobachten, wie die Surfer, sie zu reiten.
An einem der nächsten Strände gab es Höhlen, die auf Fotos sehr groß wirkten. Wie wir schon vermutet hatten, sind sie nur bei Ebbe zugänglich. Wir waren leider kurz nach Hochwasser dort und konnten nicht ganz bis zu den Höhlen vordringen. Nur von der Klippe darüber einen Blick auf die Höhleneingänge werfen. Da wir spätestens um 18 Uhr auf dem Campingplatz sein mussten, konnten wir nicht warten, bis die Ebbe den Zugang weit genug freigegeben hätte. Unterwegs hatten wir von den Klippen aus gesehen, dass es am Plage Port Blanc auch Höhlen zu geben schien. Die haben wir uns dann als Trostpreis angesehen. Sie waren nicht ganz so spektakulär, aber man konnte immerhin mehrere Meter hineingehen.
Miniformat an der Pointe du Percho Dolmen an der Pointe du PerchoDolmen an der Pointe du PerchoHöhle am Plage Port BlancKleinere Höhle am Plage Port BlancZugang zu diesen Höhlen nur bei Ebbe möglich Blick auf Pointe du Percho Arche De Port Blanc Roche Percée Wellen und ihre Reiter
Nach dieser kurzen aber schweißtreibenden Wanderung sind wir nach Damgan zu unserem Campingplatz gefahren. Der Empfang war sehr herzlich und die Dame am Empfang hatte uns den besten der noch freien Plätze ausgesucht. Wir durften uns zwar alle ansehen und hätten auch einen anderen freien Platz nehmen können, aber ein kurzer Besichtigungs-Rundgang bestätigte, dass es wirklich der beste war. Die Plätze sind alle sehr ordentlich und eben, so dass man keine Unterfahrkeile benötigt. Auch die Sanitäranlagen sind zwar etwas in die Jahre gekommen, aber gepflegt und sauber. Lediglich der „direkte“ Strandzugang war etwas enttäuschend. Der Weg war etwas länger als gedacht und der Strand nicht sehr einladend,weil es hier sehr viele Algen gibt. Dazu Unmengen an pazifischen Austern (invasive Art) und man badet mehr oder weniger zwischen den Sportbooten. Das sieht zwar sehr hübsch aus, aber fühlt sich nicht so gut an, wie an den Stränden, an denen wir bisher waren. Daher zogen wir dann das Wasser der Dusche am späteren Abend, nachdem Zelt und Tarp aufgebaut und das ganze Gepäck im Zelt verstaut waren, vor. Das zweite Auto hatten wir auf einem Parkplatz nahe des Campingplatzes abgestellt. Zum Glück kann man hier ja fast überall kostenlose Parkplätze finden. Ich habe es genossen, mal wieder „richtig“ kochen zu können und heute kam auch die Omnia (eine Art „Backofen“ für den Gaskocher) zum Einsatz. Es gab Gemüse mit Schafskäse im Blätterteig.
Besucher beim Abendessen
Als auch der Abwasch erledigt war, hatten wir endlich Feierabend und haben unseren letzten gemeinsamen Abend mit einem Glas Wein entspannt ausklingen lassen.
Morgenstimmung am Schlafplatz in MontertelotMorgenstimmung am Schlafplatz in MontertelotParkanlage am Parkplatz/Kanal mit PicknicktischenKirchlein in der Nähe des Parkplatzes
Ein neuer Tag beginnt. Die Sonne scheint schon und bereits um halb neun sind es 20°C. Das Leben hier am Kanal erwacht langsam. Die ersten Gassigänger, Wanderer kommen vorbei und die Bootsbesitzer kommen aus ihren Kabinen. Gestern Abend war es noch ziemlich lange sehr heiß im Auto. Mit offener Tür lagen wir bis mindestens Mitternacht wach. Dann waren es immerhin „nur“ noch 26°C im Auto. Wobei es sich bei 2 Personen noch schneller wieder aufheizt als bei einer. Auch andere Unterschiede zum Solo-Microcampen fallen mir auf. Normalerweise hätte ich jetzt schon das Solarpanel aufgebaut und angeschlossen. Aber ich wollte beim Aufstehen so wenig Aufstand wie möglich machen, damit mein Freund noch ein wenig weiterschlummern kann.
Eine Stunde später sitzen wir gemütlich beim Frühstück, das Solarpanel lädt die Powerstation und wir genießen frisch gebackenes Baguette, mit dem die freundliche Bäckerin gerade den Automaten aufgefüllt hat. Hier kann man nämlich 24/7 frisches Baguette aus dem Automaten bekommen.
Frühstück im Park
In der Nähe von Carnac haben wir eine Wanderung zu verschiedenen Megalithkultur-Stätten gemacht. Der erste Teil entsprach der Wanderung, die ich bereits vor einigen Wochen zum begehbaren Tumulus von Kercado und zum Géant du Manio gemacht hatte. Der neue Teil führte uns zu den Steinreihen und zum Tumulus von Manio. Dort hatten wir das zweite Auto geparkt. Es war so heiß, daß man selbst im Sitzen ohne sich zu bewegen geschwitzt hat. Kaum auszuhalten.
Tumulus von Manio Tumulus von Manio
Besonders beeindruckend ist die Aussicht von dem kleinen Außichtsturm. Hier zeigt sich die Größe, Anzahl, gerade und der Größe nach ansteigende Ausrichtung der Menhire noch deutlicher.
Aussichtsturm Alignments von ManioAlignments von ManioAlignments von ManioGrößenvergleich Schaf neben einem Menhir
Ich war mittlerweile auch wieder ziemlich am Limit mit meiner Kraft. Nicht nur körperlich. Auf einer Picknickbank im Schatten haben wir eine Pause gemacht und geschaut, wo wir die kommende Nacht verbringen können. Eine Dusche wäre schön gewesen, aber in der Region, in die wir wollten, gab es nichts (Campingplatz)… zumindest nichts, was man kurzfristig oder nur für 1 oder 2 Nächte buchen können hätte. Also entschieden wir uns für die Pointe de Conguel am Ende der Quiberonhalbinsel. Dort erhofften wir uns etwas Wind und mildere Temperaturen. Zumindest das mit dem Wind hat hingehauen. Morgen wollen wir uns einen Felsbogen an der Küste der Quiberonhalbinsel anschauen.
Da es immer noch sehr heiß war, haben wir uns auf den Weg Richtung Ende der Landspitze gemacht. Diese ist nur zu Fuß erreichbar und auf dem Weg gab es Bänke im Schatten eines Kiefernhains, wo wir uns mit Blick auf das Meer und einem Snack aus Obst und Nüssen stärken konnten. Als die Sonne nicht mehr so hoch stand haben wir unseren Weg fortgesetzt und uns an der Spitze der Landzunge auf einen Felsen gesetzt und die nahende Flut beobachtet.
Zurück am Auto haben wir alle Türen und Fenster geöffnet, damit der Yoggi etwas abkühlen konnte. Auf einer Mauer am Strand sitzend, haben wir uns für den nächste Tag einen etwas östlich (Richtung Heimweg) gelegenen Campingplatz gesucht und reserviert, während wir einen wunderschönen Sonnenuntergang hatten. Dabei haben wir gar nicht bemerkt, dass die Luftfeuchte stark zugenommen hat. Es war dann schon alles etwas klamm und im Yoggi immer noch 27°C. Aber es blieb uns nichts anderes übrig als rein zu krabbeln und die Türen und Fenster bis auf einen kleinen Spalt zu verschließen. Es war auch schon wieder fast Mitternacht.
Nachdem Dinan doch recht anstrengend war (ich sage nur 40 Höhenmeter) und heute der „Auszug“ anstand, haben wir gestern noch einmal einen ruhigeren Tag eingelegt. Vormittags habe ich den Rest des Yoggis gesaugt (Staubsauger war zwischenzeitlich wieder aufgeladen), schon erste Dinge wieder eingeladen und ihn wieder zum Camper umgebaut.
Nachmittags waren wir nochmal am Strand, haben uns von den teilweise gut 1m hohen Wellen treiben und herumwerfen lassen und vom Strand aus aufs Wasser geschaut. Man muss es ausnutzen, wenn man nur über die Straße muss, um an den Strand zu kommen.
Abends haben wir gut gekocht und den Tag bei einer Flasche bretonischem Cidre auf der Terrasse ruhig ausklingen lassen.
Nach dem Frühstück haben wir den Rest gepackt und uns schweren Herzens von der Ferienwohnung getrennt.
Auf dem Markt von Erquy haben wir uns vom Abschiedsschmerz abgelenkt. Obwohl Erquy ein vergleichsweise kleines Städtchen ist, war der Markt gar nicht so klein. Da gab es wieder allerhand zu bestaunen und das Angebot war sehr bunt.
Buntes Treiben auf dem Markt bon Erquy
Auf dem Weg nach Dinan vorgestern, waren wir an einer Ausgrabungsstätte und einem Tempel vorbeigekommen. Das wollten wir uns heute näher ansehen. Auf einer kleinen Wanderung konnte man sich gleich drei römische Ausgrabungsstätten ansehen.
Marstempel
Die Ruine des Marstempels ist etwas außerhalb. Es gibt dort Infotafeln, aber man kann sich auch eine nett gemachte App dazu herunterladen. Neben Informationen in Text und als Audiodatei kann man sich damit den kompletten Tempel von einigen Punkten auf dem Gelände aus dem jeweiligen Blickwinkel in VirtualReality (VR) ansehen. Außerdem wird eine Zeremonie beschrieben, die man sich ebenfalls in VR ansehen kann.
VR-Darstellung einer Zeremonie zur Verehrung des Gottes Mars
Im Ort selbst gibt es zwei Ausgrabungsstätten. An einer kann man den Grundriss des Hauses eines wohlhabenden römischen Bürgers anschauen. Anhand von Infotafeln und einem Modell zum Anfassen bekommt man eine gute Vorstellung, wie es einmal ausgesehen hat.
Haus eines wohlhabenden Bürgers
An der zweiten Stätte wurde eine kleine Stadt mit Einkaufszentrum, Basilika und einfachen Häusern ausgegraben. Auch hier sieht man die Grundrisse und kann anhand von Infotafeln nachvollziehen, wie die Gebäude einst gestanden und ausgesehen haben.
Ausgrabungsstätte kleine römische Stadt Ausgrabungsstätte kleine römische Stadt
Danach sind wir zu einem Ort gefahren, an dem wir übernachten wollten. Er liegt im Landesinnern an einem Kanal. Damit haben wir etwa die halbe Strecke zu unserem morgigen Ziel in der Umgebung von Carnac bereits hinter uns gebracht. Allerdings war es hier mit knapp 30° viel heißer als wir es von der Küste gewohnt sind.
Da es schon relativ spät war und wir uns hier nichts kochen können, haben wir das Experiment gewagt, eine Pizza aus dem Automaten zu essen. Die Pizzen werden von einem Pizzabäcker täglich frisch zubereitet (vorgebacken) und in gefrorenem Zustand in dem Automaten gelagert. Man kann sie gefroren oder heiß aus dem Automaten ziehen. So hatten wir innerhalb weniger Minuten zwei heiße, ziemlich leckere und knusprige Pizzen.
Bei einem Abendspaziergang am Kanal haben wir die zum Glück langsam frischer werdende Abendluft genossen.
Gestern haben wir es wieder ruhiger angehen lassen. Ich habe den Innenraum des Yoggis und ein paar Reiseutensilien etwas geputzt und danach sind wir nach Erquy zum Eisessen gefahren. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz haben wir einen Schlenker über einen der dortigen Strände gemacht.
Strand nahe Cap d’Erquy Blick zum Cap d’Erquy
Im Anschluss haben wir einen kleinen Hafenbummel gemacht. Als wir ankamen, brannte die Sonne, aber nach einiger Zeit zog es ganz plötzlich zu. Wir haben es gerade noch zum Auto geschafft. Auf dem Heimweg fing es schon an zu regnen.
La Sainte-Jeanne – Boot für traditionelle SegelausflügePhare d’ErquyFischereihafenBlick vom Hafen auf Erquy
Zuhause haben wir uns über die Austern hergemacht. Ich habe aber nur eine herunterbekommen und dann hat mein Vegetarierherz die Oberhand übernommen und meinem Magen gesagt, dass er keine weitere annehmen soll. Aber im Öffnen der Austern war ich für einen Anfänger recht gut.
Am späteren Abend hat es aufgehört zu regnen und wir sind zum Strand gegangen, um den Überresten der Austern eine würdige Seebestattung zukommen zu lassen. Da es kurz vor Sonnenuntergang war, sind wir schnell noch auf die Klippe gelaufen und wurden mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt.
Heute waren wir wieder richtig unterwegs. Ursprünglich hatten wir geplant Saint-Malo und Dinan an einem Tag zu erkunden. Aber uns wurde schnell klar, dass es in beiden Städten so viel Interessantes gibt, dass wir uns für eine entscheiden müssen. Da in Dinan noch mehr mittelalterliche Bauten erhalten sind und heute Markttag war, sind wir dorthin gefahren. Saint-Malo wurde im 2. Weltkrieg fast vollständig zerbombt. Es wurde zwar wohl sehr hübsch wieder aufgebaut, soll aber auch im Vergleich zu Dinan sehr touristisch sein. Für uns waren es in Dinan schon mehr als genug Touristen. Dinan ist die am besten erhaltene historische bretonische Stadt. Und das Städtchen ist so schön und vielfältig, dass man auch locker zwei Tage dort verbringen können hätte. Bereits auf dem kurzen Weg vom Parkplatz zum Markt sind uns einige sehr schöne alte Fachwerkhäuser aufgefallen. Der Markt hatte zwar relativ wenig an Fisch, Meeresfrüchten und Schalentieren, aber dafür alles andere, was man sich vorstellen kann, zu bieten. Von Klassikern wie Obst, Gemüse, Brot, Molkerei- und Fleischereiprodukten über Schmuck, Messer, bis zu Schuhen und Kleidung war alles dabei.
Mit unserer Beute (verschiedene Nuss und Trockenfruchtprodukte und ein Brot) im Gepäck ging es dann zum Hafen. Dabei passierten wir das Chateau de Dinan – eine Festungsburg aus dem 14. Jahrhundert. Um sie zu besichtigen, hatten wir schon nicht genug Zeit (und Energie).
Zum Hafen ging es ziemlich weit und steil bergab. Da Dinan etwas weiter im Landesinnern an der Rance liegt, ist der Hafen relativ klein. Neben ein paar Elektrobooten, die man stundenweise mieten kann, gibt es einige kleinere Yachten und als wir dort waren ankerten 2 Ausflugsschiffe. Aber das 250m lange und 40m hohe Viadukt (Bauzeit 1846-1852) und die kleine alte Brücke davor, sind sehr hübsch. Auch die alten Fachwerkhäuser entlang des Hafens sind schöne Fotomotive.
Vom Hafen geht es über eine kleine, gepflasterte Straße steil hinauf zur noch fast vollständig erhaltenen Stadtmauer. Die Stadtmauer ist begehbar und man soll von dort eine gute Aussicht haben. Die Rue de Petit Fort ist eine der ältesten Straßen Dinans und verbindet den Hafen bzw. die Unterstadt mit der Oberstadt.
Wenn man die 40 Höhenmeter überwunden hat, betritt man durch die die Porte du Jerzual die Oberstadt. Leider war diese gerade wegen Renovierungsmaßnahmen fast vollständig eingerüstet. Das Bild des historischen Stadtzentrums wird dominiert von alten Fachwerkhäusern (teils aus dem 12./13. Jahrhundert) und pittoresken Gassen.
Eines der drei ältesten Häuser in Dinan
Sehenswert ist auch die Basilika Saint-Saveur. Neben dem prunkvollen Hauptaltar gibt es viele kleinere Altäre in Seitenkapellen. Die Erbauer haben nicht nur architektonisch eine Meisterleistung vollbracht, sondern auch künstlerisch. Überall an den Säulen und den Spitzen der Kreuzrippengewölbe kann man wunderschöne Steinmetzarbeiten bewundern. Und auch in dieser Kirche gibt es wieder schön gestaltete, farbenprächtige Buntglasfenster. Leider war der Handyakku leer, so dass ich nur mit der Kamera fotografieren konnte und noch keine Bilder für den Blog habe.
Um die Kirche Saint-Malo zu besichtigen, hat uns leider auch die Zeit gefehlt. Aber wir konnten vom Dach des Tour de l’Horloge einen Blick darauf werfen. Wenn sie innen nur halb so schön ist, wie von außen, dann ist sie sicher auch sehr sehenswert.
Der Tour de l’Horloge ist ein 43m hoher Uhrenturm aus dem 15. Jahrhundert. In seinem Inneren kann man in einem Raum im Erdgeschoss noch das ursprüngliche Uhrwerk von 1498 bewundern. Wenn man die 158 Stufen zum Glockenturm bewältigt hat, bietet sich einem ein grandioses Panorama über die Altstadt und weit darüber hinaus. Den Aufstieg kann man in mehrere Etappen unterteilen, denn auf den verschiedenen Ebenen kann man sich mittels Informationstafeln über die gesellschaftliche Entwicklung und den Turm informieren.
Tour de l’HorlogeBlick vom Tour de l’HorlogeUhrwerk von Hamzer, 1498
Heute sind wir bei Plougrescant an die Küste gefahren. Dort gibt es imposante rote Granitfelsen zu bewundern. Ein besonders schönes Motiv bietet das von zwei riesigen Granitfelsen eingefasste Maison du Gouffre Plougrescant.
Maison du Gouffre Plougrescant
Gleich daneben befindet sich ein weiterer Touristenmagnet der Le gouffre (Schlucht) de Plougrescant,ist eine Klippe mit einem tiefen Einschnitt. Die Bucht wird auch als Höllenbucht bezeichnet. Als wir dort waren, war Niedrigwasser und schönster Sonnenschein. Angeblich sollen bei stürmischen Wetter Wind und Wellen durch den Spalt brechen, was die Kraft und Urgewalt des Ozeans deutlich demonstriert.
Le gouffre de Plougrescant
Aber es gibt in der Bucht noch viele weitere interessante Felsen bzw. Klippen und die Wellen, die sich tosend und spritzend an den Klippen brechen geben dem Ort einen zusätzlichen Reiz. Ich hätte stundenlang zuschauen können.
Dann sind wir weiter nach Ploumanac’h gefahren. Dort haben wir einen Spaziergang am Phare Ploumanac’h vorbei durch die Felsen und Klippen gemacht. Obwohl ich erst vor kurzem da war, haben die riesigen rosa Granitfelsen mich wieder in ihren Bann geschlagen. Aber zu zweit macht es noch viel mehr Spaß, Tiere, Fantasiewesen und sonstige Formen in ihnen zu entdecken.
Dieses Mal bin ich auch noch das letzte Stück bis zum Leuchtturm gegangen.
Aber nicht nur die Felsen, sondern auch das Spiel der Wellen, die sich bei der mittlerweile einsetzenden Flut mit Macht gegen die Klippen warfen, war faszinierend zu beobachten. Ich konnte meinen Blick kaum mehr abwenden.
Obwohl es nur rund 22°C hatte, fühlte es sich bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel sehr warm an. Daher waren wir sehr froh eine Bank im Schatten mit Blick über die Bucht auf Perros-Guirec zu finden und uns bei einem kleinen Picknick zu stärken.
Blick auf Perros-Guirec
Auf dem Heimweg haben wir uns in Lamballe mit frischem Brot, Obst, Gemüse und Wasser eingedeckt, bevor wir müde, aber glücklich wieder in unsere Ferienwohnung kamen.
Dort erwartete uns eine Überraschung. Vor der Tür stand eine Kiste mit frischen Austern, die uns vermutlich unser Vermieter gebracht hatte. Schade, dass wir ihn verpasst haben.
Gestern haben wir nach den anstrengenden Anreisen einen Entspannungstag eingelegt. Sommer, Sonne, Strand, Baden im Meer und die Ruhe auf unserer Terrasse genießen.
Strand Les Grèves d’en Bas
Mit der neu gesammelten Energie konnten wir heute dann wieder richtig aktiv werden. Wir haben Fort La Latte, eine Burg und Festungsanlage aus der Zeit um 1350. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr die Burg einige baulichen Veränderungen. Ursprünglich hieß sie Château de Goyon, nach den Besitzern. Seit die Besitzer 1415 in die Normandie umgezogen, diente die Anlage nur noch rein militärischen Zwecken.
Fort La Latte
1690-1715 wurde sie dann zum Fort (Festungsanlage) umgebaut und diente von da an dem Schutz der Bucht von Saint-Malo vor Korsaren. Der Name anderte sich zu Fort la Latte. Die militärische Nutzung dauerte bis 1892 an. Seither befindet sich die Anlage n Privatbesitz. Nachdem die ersten Besitzer sich wenig darum gekümmert hatten und viele Teile des Forts ziemlich verfallen waren, erwarben 1931 Herr und Frau Frédéric JOÜON DES LONGRAIS die Burg. Sie bauten die meisten Teile wieder auf, wobei es wieder zu Veränderungen kam, z. B. Ein weiteres Stockwerk für das Herrenhaus.
Herrenhaus des Fort La Latte
Bis heute ist Fort la Latte im Besitz der Familie Joüon des Longrais, die es liebevoll pflegen und große Teile davon der Öffentlichkeit zugänglich machen. So konnte dieses Zeugnis der Geschichte gerettet werden und interessierte können sich über die Geschichte des Forts bzw. allgemein über die Geschichte der Region informieren.
Kapelle des Fort La Latte Bergfried (Doungeon)Blick vom Bergfried auf die Anlage
Aber nicht nur unter historischen Gesichtspunkten wird die Anlage präsentiert, sondern auf humorvolle Weise erhält man auch einen Einblick in die lokalen Mythen und Legenden. Man lernt die Meerjungfrau von La Roche Goyon, Einhörner, Korrigans und den Riesen Gargantua kennen. Wenn man den Geschichten glauben schenkt, dann ist der Menhir, den man auf dem Gelände sehen kann ein Zshn oder ein Finger von Gargantua und der Fels auf dem das Château erbaut wurde, der Kopf Gargantuas.
Menhir oder doch der Finger Gargantuas?
Außerdem war das Fort Schauplatz vieler Filme und TV-Serien seit 1957. Von Wikings mit Tony Curtis bis zur Neuverfilmung der Drei Musketiere im Jahr 2023.
Nach so viel Historie ging es in die Natur. Bei einer Wanderung über das Cap Fréhel zum Leuchtturm von Fréhel, konnten wir die traumhafte Küstenlandschaft der Bucht von Saint-Malo mit ihrem blau-grünen Wasser und der farbenfrohen Heide genießen.
Blick von Fort La Latte Richtung Cap Fréhel mit Leuchtturm
Das Cap Fréhel ist dafür bekannt, dass hier viele Meeresvögel nisten und brüten. Und tatsächlich konnten auch wie einige Möwenkücken bei ihren tapsigen ersten Schritten beobachten. In der Nähe des Leuchtturms gibt es 2 große Felsen direkt vor der Küste, auf denen zahlreiche Möwen und Kormorane brüten. Das war ein Schauspiel!
Wer genau hinsieht, kann Kormorane und Möwen beim Brüten finden Leuchtturm / Phare FréhelAlter Leuchtturm /Phare Fréhel
Vor dem Rückweg haben wir uns mit einem leckeren Bauernhof-Eis gestärkt und erfrischt. Uns war schon aufgefallen, dass es hier sehr viele Schmetterlinge gibt und die Gemeinden auch einiges dafür tun, ihnen gute Lebensbedingungen zu schaffen. Trotzdem waren wir überrascht, wieviele Schmetterlinge uns auf dem Rückweg begegneten und mit ihrer Farbenpracht fast die Anstrengungen des Weges vergessen ließen.
Ich habe nach dem aufregenden Tag gestern lange geschlafen. Als ich aufgestanden bin, war es trotz Schatten schon ziemlich drückend. Beim Frühstück bekam ich noch Besuch vom Ordnungshüter und eine Rüge. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sich die nur auf den Gaskocher, mein Frühstücksgelage oder das Campieren bezog. Es wurde jedoch deutlich, dass ein längeres Verweilen nicht gern gesehen wäre. Aber ich durfte meinen Café fertig machen. Außerdem wurde ich gewarnt, dass es wegen der Grünalgen dort gefährlich sei. Also bin ich nach dem Frühstück nach Binic aufgebrochen.
Dort angekommen war ich überrascht von der Größe des Ortes. Ich hatte mit etwas eher dorfartigem gerechnet.
Ich fand einen großen kostenlosen Parkplatz in der Nähe des Tourismusbüros. Mit Hilfe einer dort aushängenden Karte mit Wandervorschlägen habe ich mir eine kleine Route zusammengestellt, die mich an einigen Sehenswürdigkeiten und einem Strand vorbeiführen sollte.
Gerüstet mit etwas zum Essen, vermeintlich ausreichend trinken, Badetuch und Lektüre habe ich mich auf den Weg gemacht. Es war bewölkt und ziemlich drückend. Weil es mir auf diesem Parkplatz auch nicht ganz geheuer war, habe ich das Solarpanel nicht angeschlossen. Ich ging davon aus, dass der Strom der Powerstation noch reichen müsste bis zum Einzug ins Ferienhaus.
Ich habe bei einer kleinen Wanderung zuerst das hoch über dem Hafen gelegene Quartier Ville Cadio, mit seinen alten Häusern, dann den alten Hafen mit dem Plage de l’ancien port und den Hafen besichtigt.
Blick über Binic Häuser im Quartier Ville CadioGassen und Häuser im Quartier Ville CadioBucht neben dem alten Hafen Ancien Port mit Leuchtturm von BinicHafen
Entlang des Sable Blanche ging es weiter Richtung Leuchtturm und les Bernains. Zu Beginn hat mich ein Regenschauer erwischt, aber am Hafen brannte mittlerweile die Sonne glühend heiß. Es hatte um die 30°C. Da mir die Anstrengung vom Vortrag noch in den Knochen steckte und ich den ganzen Tag schon einen ziemlich hohen Puls hatte, wollte ich mir statt Strand ein schattiges Plätzchen suchen. Auf der Karte habe ich einen Park entdeckt und dachte, dort würde sich ein Plätzchen finden, wo ich meine Decke ausbreiten und mich hinlegen könnte. Außerdem solle dort in der Nähe eine archäologische Ausgrabungsstätte sein. Dazu musste ich rund 1km durch die Stadt und dann einen kurzen, aber knackigen Anstieg bewältigen. In dem Park, der genaugenommen eine Mischung aus Wäldchen und Wiesen war, waren die Wiesen nicht gemäht und die paar Sitzgelegenheiten, die es gab, waren alle in der Sonne. Kein geeigneter Ort für eine Ruhepause. Da ich auch die Ausgrabungsstätte nicht finden konnte und mir die Hitze immer mehr zu schaffen machte, beschloss ich umzukehren und mir die Kirche Notre-Dame de Bon Voyage anschauen und dort etwas auszuruhen. Aber bereits nach wenigen Metern merkte ich, dass mir das zuviel wird. Daher bin ich den kürzeren Weg zum Auto gegangen. Das war zwischenzeitlich der reinste Glutofen. Daher beschloss ich es doch mit einer Abkühlung im Wasser zu versuchen. Es gibt in Binic am Plage Blanche ein Gezeitenbecken, das sich bei Flut mit frischem Meerwasser füllt. Es soll eines der schönsten in der Bretagne sein.
Gezeitenbecken / Meerwasserschwimmbecken
Tatsächlich hat die Abkühlung meine Lebensgeister wieder geweckt. Nachdem das klebrige Salzwasser wieder von der Haut gewaschen war, habe ich mich fast wie neugeboren gefühlt. Das Glück perfekt gemacht hat dann ein Glace italienne (eine Art Softeis) der Geschmacksrichtung Cassis.
Glace italienne
Das war so erfrischend, dass ich mich danach auf die Suche nach einem Schlafplatz machen konnte.
Und auch da hatte ich Glück, denn der erste Parkplatz war gleich geeignet. Aber im Auto war es bei der Hitze nicht auszuhalten. Also bin ich dort noch eine Weile herumgelaufen.
Blick Richtung Hafen
Nach einigen weiteren Steigungen und Gefällen, fand ich endlich auch einen kleinen Park, wo ich mich bis Sonnenuntergang aufhalten konnte.
Sonnenuntergang im ParkSonnenuntergang im Park
Der Ort selbst (Plérin) hat mich nicht besonders begeistert. Aber das könnte auch an der Hitze und meiner Erschöpfung gelegen haben. Obwohl es um 1:00 Uhr immer noch 32°C im Auto hatte und sehr hohe Luftfeuchtigkeit, bin ich irgendwann der Erschöpfung erlegen und eingeschlafen.
Samstag: nach einer feucht-heißen Nacht, war der Morgen etwas kühler, aber immer noch sehr drückend. Die Hitze hatte auch dazu geführt, dass die Kühlbox Höchstleistungen bringen musste und die Powerstation geleert hat. Das Wetter war aber nicht geeignet, Solarstrom zu bekommen (bewölktundimmer wiederRegen). Daher konnte ich auch den für morgens geplanten Wochenendeinkauf nicht machen. Bei den Temperaturen wäre mir der Käse durchs Auto gelaufen. Nach der erfolglosen Suche nach einem hübschen Picknickplatz, bin ich Wäsche waschen gegangen. Das hat überraschend gut geklappt. Ich habe zu den Waschmaschinen und Trocknern, die man in Frankreich oft vor Supermärkten findet, schon einiges gehört. Von himmelhochjauchzender Begeisterung bis „funktioniert gar nicht“ war alles dabei.
Danach bin ich zu dem Parkplatz am Cap d’Erquy gefahren, an dem ich vor ein paar Tagen war. Dort habe ich mir Wind und Sonne zum Aufladen der Powerstation erhofft. Wind gab es auch, aber Sonne erst gegen Ende der Zeit, die ich dort war. Es hat aber genügt, um nach dem Einkauf die Lebensmittel auf dem Weg zum Ferienhaus zu kühlen.
Der Vermieter konnte leider nicht zur Begrüßung da sein, hat den Schlüssel aber in einem Schlüsseltresor deponiert. Das Häuschen ist genau wie beschrieben, sauber und sehr gepflegt. Da haben wir in Frankreich auch schon anderes gesehen.
Als ich mit auspacken und aufräumen gerade fertig war, kam mein Freund an. Wir haben gegen Abend einen Spaziergang durch den Ort und am Strand gemacht und danach ein leckeres Abendessen auf unserer Terrasse genossen.
Der Parkplatz am Strand war zwar gestern Abend sehr einsam, aber heute morgen war Schluss mit Einsamkeit. Um 7 war nicht mehr an Schlaf zu denken. War bis dahin vereinzelt ein Auto vorbeigekommen oder auf den Parkplatz gefahren, herrschte ab da ein beständiges kommen und gehen. Ich bin dann auch bald aufgebrochen, nachdem alles erledigt war, was man morgens so zu tun hat. Auf dem Weg zum Cap d’Erquy kam ich durch das Dorf, in dem wir ab Samstag ein Ferienhaus haben werden. Die Gelegenheit habe ich genutzt um von außen einen Blick darauf zu werfen. Das wird sicher auch schön, zumal wir dann zu zweit sein werden und ich die tollen Erfahrungen hier life mit meinem Freund teilen kann.
Nachdem mich das Navi wieder einmal etwas in die Irre geführt hat, habe ich einen großen Aire de stationnement camping car gefunden. Hier gibt es kein bisschen Schatten, ideal um die Powerstation zu laden. Meine Wanderung um das Cap stand erst unter keinem so guten Stern. Nach ca. 1,5 km, fast am tiefsten Punkt der geplanten Tour, hat sich meine ohnehin schon lädierte Treckingsandale in Wohlgefallen aufgelöst. Ich habe versucht, sie notdürftig mit Pflastern zusammenzukleben, damit ich wenigstens wieder zurück zum Auto damit komme, aber leider ohne Erfolg. Also habe ich mir einen Weg gesucht, auf dem ich möglichst schnell wieder auf einen befestigten Weg komme, der zurück zum Parkplatz führt. Und so ging es mit einer Sandale am Fuß und einer in der Hand wieder zurück.
Trotz abdunkeln aller Scheiben und Thermoabdeckung auf der Windschutzscheibe hat sich der Yoggi ziemlich aufgeheizt. Also habe ich nur schnell die Wanderstiefel angezogen und bin auf etwas geänderter Route wieder losgezogen. Das Cap d’Erquy ist auch sehr schön. Leider war zwischenzeitlich sehr heiß und viel mehr Leute unterwegs, aber es war trotzdem schön. Auf halber Strecke habe ich ganz vorne auf der Landspitze eine kleine Pause gemacht und etwas gegessen.
Meist ging es über Stock und Stein, aber es gab auch vereinzelt sehr bequeme Wege……oder ein kostenloses Gorse-Peeling für die Schienbeine und Waden. Und wieder jede Menge Treppen Die Côte d’Émeraude (Smaragdküste) trägt ihren Namen zurechtAn diesem schönen See ist das Unglück mit dem Schuh passiert, dabei war das ein absolut traumhafter Ort
Kurz nach der Pause war dann plötzlich die Energie weg. Also habe ich mich zurück zum Parkplatz geschleppt. Der war mittlerweile rappelvoll. Da ich eine Pause und eine Toilette brauchte, bevor ich weiterfahren konnte und der Backofen Yoggi nicht sehr verlockend war, bin ich in die Crèperie gegenüber dem Parkplatz gegangen. Bei einem Cappuccino und einem leckeren hausgemachten Eis, habe ich nach möglichen Parkplätze für die Nacht geschaut. Mittlerweile ist der Yoggi etwas durchgelüftet und die Powerstation fast voll. Es kann weitergehen.
Einen Tag später: Ich habe gestern nicht mehr geschafft weiter zu schreiben. Denn kurz vor dem Ziel ist etwas passiert, das mir erstmals seit Beginn des Trips wirklich die Ruhe genommen hat. Dabei hatte ich vormittags noch gedacht, dass ich überrascht bin, wie gut ich auch in schwierigeren Situationen zurecht gekommen bin und dass ich mir nicht so leicht die Ruhe nehmen lasse. Aber an diesem Nachmittag war es vorbei mit Ruhe und Gelassenheit. Die Navis haben mich endgültig in die Bredouille gebracht. Sie hatten mich an diesem Nachmittag mehrfach in die Irre geführt und zuletzt so dolle, dass ich mit dem Auto stecken geblieben bin.
Da hing ich mit meinem Yoggi, der in der Mitte auf einem Erdhügel festhing und mit keinem Rad mehr Grip bekommen hat. Nachdem alle meine Versuche ihn da wegzubekommen nichts gebracht haben, habe ich meinen Freund angerufen. Mir war zwar klar, dass er mir auch nicht helfen könnte, aber emotionaler Beistand ist in Krisensituationen ja auch viel wert. Mittlerweile war es auch ziemlich warm denn obwohl das ganze am Rand eines Wäldchens passiert ist, hat die Sonne gnadenlos auf meine Bemühungen herabgebrannt. Nach einigen weiteren erfolglosen Versuchen, konnte ich einen vorbeifahrenden Radfahrer anhalten. Er konnte mir aber auch nicht helfen. Allerdings hat er einer älteren Dame, die zufällig von der Straße aus gesehen hat, dass da etwas passiert ist und kam um nachzusehen, erklärt,was passiert ist. Sie konnte natürlich auch nicht helfen, hat mich aber gebeten mitzukommen und ganz zuversichtlich gemeint, dass das zu lösen sei und wenn es länger dauern sollte, hat sie mir gleich ein Bett für die Nacht angeboten. Das wollte ich zwar keinesfalls, aber ihre Zuuversicht hat auch mir etwas Ruhe zurückgegeben. Wir sind dann zu ihrem Nachbarn, der wohl irgendwo einen Traktor hat. Er wollte sich das aber erstmal ansehen. Da habe ich bemerkt, dass er nur am Stock und selbst damit mehr schlecht als recht gehen kann. Sofort bekam ich zu allem Übel noch ein schlechtes Gewissen. Mein Französisch ist ja mehr als schlecht und vermutlich haben die älteren Leute auch kein lupenreines Schulfranzösisch gesprochen. Zum Glück hatte der Herr gerade Besuch von einer Dame, die auch englisch sprach. Nachdem wir uns das Malheur angeschaut haben, ist der Herr los, um seinen Traktor zu „suchen“, soweit ich es verstanden habe. Aber die Stelle war auch etwas eng, so dass er nicht sicher war, ob er mit seinem Traktor durchkäme. Zwischenzeitlich war auch noch der Sohn der älteren Dame hinzugekommen, der durch Zufall vorbeikam. Ich war mittlerweile so durch den Wind dass ich nicht mal mehr wusste, wo im Yoggi der Abschlepphaken ist. Zum Glück hat mein Freund das herausgefunden, der telefonisch auch immer mal wieder an dem Drama teilhatte. Am Ende war der Traktor des Herrn doch zu groß, aber er hat einen anderen Mann aus dem Dorf kontaktiert, der kam mit einem Traktor, der geradeso durchgepasst hat und damit hat er mir sprichwörtlich den Karren aus dem Dreck gezogen. Wir hatten während der Wartezeit den Yoggi und die Dachbox ausgeräumt, damit er leichter ist beim rausziehen. Da der Yoggi danach den Weg verperrt hat und den netten Helfer mit dem Traktor blockierte, ist erstmal alles nur wieder kreuz und quer ins Auto geflogen. Die Leute waren alle so nett und statt mich für meine Dummheit zu tadeln, waren sie sehr verständnisvoll. Während dieser ganzen Zeit sind 2 weitere ortsfremde Autos wohl aufgrund ihrer Navis ebenfalls fast da runter gefahren. Zu deren Glück hing der Yoggi da wie ein Mahnmal.
Der Sohn der Dame, die mir immer wieder Bett und Dusche nach der Aufregung angeboten hat, hat mich dann noch sicher bis zum Parkplatz gebracht und ich fand den Ort dann auch tatsächlich gut, um mal wieder richtig zu schlafen.
Da hat er gehangen
Aber während ich den Yoghi nochmal aus und ordentlich wieder eingeräumt habe, kam ein Mann vom nahegelegenen Strand zurück und hat lange an den Picknicktischen gesessen und immer wieder zu mir rübergeschaut. So richtig unheimlich wurde er mir, als er sich dann ins Auto gesetzt hat, aber nicht weggefahren ist. Ich habe einen kleinen Spaziergang zum Aussichtspunkt in der Nähe gemacht. Mittlerweile war nach 22:00 Uhr und die Sonne am Untergehen
Damit hätte der aufregende Tag wenigstens schön enden können. Aber als ich zurückkam saß der Mann noch im Auto und ich beschloss nur noch schnell am Waschbecken Wasser zu holen, um später irgendwo wenigstens noch zu duschen und woanders mein Glück zu versuchen. Während dieser Zeit ist er dann doch gefahren. Ich habe dann geduscht und überlegt, ob mein mittlerweile schlechtes Gefühl gerechtfertigt sei oder ob der Stress mich paranoid machte. Zwischenzeitlich sind alle Strandbesucher gegangen und ich war allein. Aber das hat das schlechte Gefühl eher bestärkt, weil ich dachte, was wenn der Mann zurück kommt, dann bin ich hier ganz allein, die Zufahrt zum Parkplatz war nur so breit, dass gerade 1 Auto durchpasste… ich beschloss mich so aufgewühlt nicht hinters Steuer zu setzen, bin nochmal zu dem Aussichtspunkt gegangen, um zu meditieren. Da bei meiner Rückkehr ein zweites Auto auf dem Parkplatz war, fühlte ich mich sicherer und entschied zu bleiben, das ist dann aber doch weggefahren, als ich mich gerade hingelegt hatte. Während ich noch überlegte, ob ich doch noch wegfahren sollte, mittlerweile war fast Mitternacht, kam wieder ein Auto, die Autotüren gingen ein paarmal, jemand ist ausgestiegen und herumgelaufen. Wieder hatte ich den Impuls auszusteigen und loszufahren, aber dann ist das Auto wieder gefahren. Dann kam noch ein Auto. Nach einigem anhalten, aussteigen, wieder einsteigen und rangieren, habe ich irgendwann gehört, dass Schiebetüren gingen. Es war also ein Van und nicht das Auto des mysteriösen Fremden. So konnte ich irgendwann nach 1:00 Uhr endlich Schlaf finden. Was für ein Tag!