Heute habe ich eine Wanderung im Wald von Huelgoat gemacht. Hier sollen sich früher Riesen, Feen, König Artus, Wildschweine und natürlich die sagenhaften, für diese Gegend typischen Korrigans getummelt haben. Mir sind heute nur ganz gewöhnliche Menschen, Libellen,  Wasserläufer, Vögel und Drachen begegnet. Aber damit war es auch schon eine schöne Wanderung.

Gleich nachdem man von einem der vielen Parkplätze um den Wald herum, in den Wald eintaucht, zieht einen die mystische Atmosphäre in ihren Bann. Überall von Moos überwucherte Granitblöcke und Baumstämme.  Man hat den Eindruck, dass Riesenkinder hier Murmeln gespielt und diese dann kreuz und quer im Wald verteilt liegen lassen haben.

Die Einheimischen haben verschiedenen markanten Felsformationen oder Orten hier im Wald Namen gegeben. Und zu einigen gibt es (meist dramatische) Legenden.

Le Champignon
La Roche tremblante, der zitternden Fels. Angeblich soll man diesen 7m langen, 137 Tonnen schweren Felsbrocken zum zittern bringen können,  wenn man an der richtigen Stelle drückt.  Ich habe noch von keinem gehört,  der es geschafft hat.
Ménage de la vierge, manche sehen in diesen Felsbrocken Küchenutensilien, die die Jungfrau in ihrem Spülbecken  durcheinandergeworfen hat. Eine andere Darstellung besagt, es sei das erste Haus der Jungfrau Maria mit Bett, Kessel, Kochutensilien und der Wiege Jesu.
Ich habe wohl so lange staunend dagestanden, dass dieser nette Kerl mich für einen Baum gehalten hat, denn er kam ganz nahe heran und hat mich dabei nur neugierig beäugt
Hier soll Artus mit seinen Rittern eine Nacht verbrachthaben. An Artus Heerlager hat meine Wanderung mich leider nicht mehr vorbeigeführt
Zwischen der Höhle Arturs und der Badestelle der Wildschweine wird ein hübscher Ort von 16 Drachen bewacht. Da der Mensch die Drachen aus ihrem Lebensraum vertrieben hat, weil sie zu groß,  zu gefährlich, zu gefräßig,… waren, leben hier heute nur noch ganz kleine Drachen (https://www.dragonshuelgoat.com/)
Mare aux Sangliers (Wildschweinbadestelle mit Miniwasserfall)
Le Gouffre (Der Abrund) hier soll die lasterhafte Prinzessin Dahut ihre Liebhaber in die Schlucht gestürzt haben, um sich ihrer zu entledigen. Zur Strafe wurde sie in eine Meerjungfrau verwandelt und in stürmischen Nächten hört man sie laut jammern. Über eine Treppe kommt man vorbei an einem ca. 10m hohen Wasserfall zu einer Art Grotte.
Hier sollen die Feen nachts herkommen,  um sich ihre goldenen Haare zu waschen/kämmen. Tags sollen sie sich als Hexen in Huelgoat verstecken.  Wehe dem, der ihnen über den Weg läuft. Den verfluchen sie.
Sainte-Yves in Huelgoat, als ich da war alles andere als ein Ort der Stille. Eine Wagenladung NRWler war in Huelgoat angekommen und hat mich von da an lautstark „verfolgt“
Am schönen See von Huelgoat habe ich mir meinen ersten Crêpes mit blé noir, Käse und Ei (traditionelles bretonisches Gericht) gegönnt
Moulin de Chaos, Mühle mit bewegter Geschichte und daneben das Felsenchaos

Ursprünglich fürstlicher Besitz, hat zwischenzeitlich einer Minengesellschafft gehört,  war eine Konservenfabrik, Stromerzeuger, Touristinfo, Wohnung und beherbergt seit 2018 Kunstwerke. Früher hatte sie zwei Mühlräder, die jeweils einen Mahlstein antrieben. Heute hat sie nur noch eins.

Auch zum Felsenchaos neben der Mühle gibt es eine Legende. Ein Riese soll aus Wut darüber, dass man ihm hier nur Buchweizengrütze zum Essen angeboten hat, in einem anderen Ort gegangen sein und alle Felsen, die er unterwegs gefunden hat, hierher geworfen haben.

Grotte des Teufels

Der Fluss fließt nicht nur um das Felschaos herum, sondern teilweise auch durch Hohlräume unter den Felsen. Zu einem dieser Hohlräume kann man über steile Stufen und schlüpfrige Felsen hinunterklettern, nachdem man sich zuvor durch einige enge Felsspalten gezwängt hat. Unten in der Grotte ist es feucht, dunkel und vor allem laut! Mit einem Höllengetöse stürzt der Fluss über einem die Felsen hinab.

Auch wenn dieser mystische Ort wunderschön ist,  war ich doch sehr froh, wieder am Auto zu sein und mich hinlegen zu können. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, ich schaffe den Weg nicht. Aber aufgeben mitten im Wald war keine Option. Selbst wenn ich gewollt hätte. Wie bzw. wohin hätte ich denn ein Taxi bestellen sollen ;-). Ich habe dann viele Mikropausen gemacht und wieder einmal die Zeitlupentechnik angewandt. Das sieht zwar offensichtlich komisch aus, so wie die anderen schauen, aber es hilft. Ich muss dabei wohl so lost ausgesehen haben,  dass ein älterer Herr mich angesprochen hat, ob ich mich verlaufen hätte.

Ich merke,  wie im Verlauf der Reise trotz aller Begeisterung,  die Kraft und Energie immer mehr schwindet und sich die Symptome etwas verstärken.  Insbesondere Konzentrations- und Koordinationsstörungen haben in den letzten Tagen häufiger zu Missgeschicken und kleineren Blessuren geführt. Zwischendurch „lähmen“ mich auch immer wieder diese „Corona-Kopfschmerzen“, wie ich sie nenne. Daher werde ich es in den nächsten Tagen versuchen ruhiger anzugehen. Obwohl ich eigentlich noch so viel sehen will.

Heute Abend wollte ich eigentlich gerne wieder am Meer, genaugenommen an der Rosa Granitküste sein. Insbesondere im Abendlicht, hätte ich mir das schön vorgestellt. Aber es gibt da nicht wirklich geeignete Parkplätze. Der erste, den ich angefahren habe, war dann auch tatsächlich für Campingfahrzeuge jeglicher Art,  inkl. PKW nachts untersagt. Ein Anwohner hat mich auch gewarnt. Da ich bei meinen Reisevorbereitungen gelesen habe, dass das Verbot zum Campen/Übernachten an der Küste zunimmt und auch kontrolliert und mit teils hohen Bußgeldern geahndet wird, wollte ich kein Risiko eingehen. Ich bin dann wieder ein Stück ins Landesinnere gefahren,  wo ich einen Wohnmobilstellplatz gefunden hatte, an dem man offiziell eine Nacht bleiben darf. Hier stehe ich nun mit meinem Yoggi zwischen knapp 20 mehr oder weniger großen Campingfahrzeugen. Ein paar der anderen Camper haben mich bei der Ankunft etwas missbilligend angeschaut, aber ich habe ganz schnell campermäßig  das Solarpanel und den Campingstuhl aufgebaut. Dann habe ich meinen Körper mit einem schönen gemischten Salat und leckerem Maisbrot für seine Leistung belohnt und den Rest des Abends mit Blogschreiben verbracht. Gegen 21 Uhr bin ich ins Auto geflüchtet,  denn sobald die Sonne langsam verschwindet, wird es nicht nur kühler, sondern dank der hohen Luftfeuchte auch klamm. Und jetzt ist es auch schon langsam wieder Zeit fürs Bett.